1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Der hohe Preis für die Energiewende

Atomausstieg

12.03.2017

Der hohe Preis für die Energiewende

2022 soll das letzte Kernkraftwerk in Deutschland vom Netz gehen.
Bild: Julian Stratenschulte/Archiv (dpa)

Der Anteil grünen Stroms steigt, doch längst nicht alle Probleme sind gelöst. Etwa die massiv gestiegenen Strompreise.

Vor sechs Jahren erschütterte das Atomunglück im japanischen Kernkraftwerk Fukushima die Welt. Seit die Bundesregierung 2011 den Atomausstieg nach dem heute gültigen Fahrplan beschlossen hat, sind die erneuerbaren Energien in Deutschland stark gewachsen. Der Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker bezeichnet die Energiewende im Gespräch mit unserer Redaktion als „Erfolgsprojekt“. Doch Industrie und Verbraucher sehen sie auch mit Sorgen. Denn längst sind nicht alle Probleme gelöst. Ein Grund dafür: die massiv gestiegenen Strompreise.

Eine Gefahr für Wohlstand und Jobs?

„Wir haben bereits die zweithöchsten Strompreise in Europa“, warnt Hartmut Wurster, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Schwaben. Seine Befürchtung: dass die Industrie deshalb weniger hierzulande investiert. Das kann Wohlstand und Jobs gefährden. Die Politik müsse deshalb die „Stromkosten-Explosion“ in den Griff bekommen.

Privatleute zahlen heute rund ein Viertel mehr für ihren Strom als 2011. Das liegt zu einem großen Teil an den Umlagen, die auf die Energiewende zurückgehen. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3500 Kilowattstunden gibt inzwischen rund 270 Euro im Jahr für die Umsetzung der Energiewende aus. Das hatte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft vor gut einem Jahr berechnet.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Dafür kann immer mehr Atomstrom durch Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse ersetzt werden, berichtet die Agentur für Erneuerbare Energien. Von 17 deutschen Atommeilern vor Fukushima sind heute nur noch acht am Netz. Die restlichen sollen bis zum Jahr 2022 abgeschaltet werden. Dieses Jahr ist Block B in Gundremmingen an der Reihe. Fast ein Drittel des erzeugten Stroms stammte im vergangenen Jahr in Deutschland schon aus erneuerbaren Quellen. Bayern liegt sogar noch weiter vorn: Hier kommen die Erneuerbaren bereits auf 39,6 Prozent, berichtet das bayerische Wirtschaftsministerium.

Kein Blackout

Der befürchtete Blackout durch den Atomausstieg blieb bisher aus. „Die deutsche Stromversorgung zählt im internationalen Vergleich zu den zuverlässigsten“, sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Tatsächlich fiel 2014 für deutsche Kunden im Schnitt nur 13,5 Minuten der Strom aus, bestätigt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags. Zum Vergleich: Im Atomstromland Frankreich waren es mehr als 50 Minuten.

Doch in Bayern gelingt diese Stabilität nur durch massive Eingriffe ins Stromnetz. Der Grund: „ein Netzengpass zwischen Nord- und Süddeutschland, der durch die Abschaltung der Kernkraftwerke noch verstärkt wird“, sagt ein Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Die Industrie ist alarmiert: „Der Leitungsbau Richtung Norden kommt nur schleppend voran“, sagt IHK-Vize Wurster. Dies gelte vor allem für die Stromautobahnen, die Windstrom von der Küste nach Bayern bringen sollen. „Ich persönlich glaube nicht mehr, dass 2025 schon Strom durch die Leitungen fließt“, sagt Wurster. Habe unsere Region früher Strom exportiert, müssten nach dem Atomausstieg rund 60 Prozent des Stroms importiert werden. Für die Industrieregion Schwaben sei das „nicht gerade beruhigend“.

Dagegen kritisieren Umweltverbände, dass der Ausbau der Erneuerbaren gebremst wurde. Sie fordern nach dem Atomausstieg auch den Ausstieg aus der Kohle. Zudem müsse die Energiewende auch die Bereiche Heizen und Verkehr einschließen. Der Physiker von Weizsäcker ruft dazu auf, Energie viel effizienter zu nutzen.

Lesen Sie auch: Atomdeal mit Schönheitsfehlern

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

13.03.2017

Nicht kurzsichtig sondern ehrlich rechnen!

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) hat 2015 die Subventionen und Fördergelder der verschiedenen Stromquellen berechnet. Und was Strom wirklich kostet.

Für die Atomenergie kamen sie allein von 1970 bis 2014 auf Kosten von rund 219 Milliarden Euro. Die Kosten für die Endlagerung des Atommülls sind da noch nicht eingerechnet. Da diese Kosten heute noch sehr spekulativ sind.

Noch mehr wurde für die Förderung der Kohle gezahlt. Für Braun- und Steinkohle ermittelten die Forscher eine staatliche Förderung von mehr als 421 Mrd. Euro.

Und Atom- und Kohleenergie haben Ewigkeitskosten verursacht. So sackte beispielsweise durch den Abbau der Steinkohle das Gelände im Ruhrgebiet großflächig ab. Von Haus aus würden dort die Oberflächen- wie das Grundwasser zusammenlaufen und Seen bilden. Man hat 209 Pumpwerke eingerichtet, um diese Wasser noch in den Rhein heben zu können. Sonst würden große Teile des Ruhrgebiets unbewohnbar. Für das Pumpen wurden im Jahr 2010 jährliche Kosten von 55 Millionen Euro angegeben. Und diese Kosten werden ewig anfallen, da das Gelände nicht mehr angehoben werden kann.

Und was wird es kosten, wenn durch den Anstieg der Meere Regionen verloren gehen, wo heute noch hunderte Millionen Menschen leben?

Raimund Kamm

Permalink
14.03.2017

Herr Kamm, das war ein richtig guter Beitrag von Ihnen!

Über die Zahlen wir sicher der eine oder andere Streiten wollen, aber der Gesamtaspekt ist interessant.

Permalink
14.03.2017

Sehe ich nicht so.

.

Was gab es denn in den 60er Jahren für Alternativen zum Kohleabbau im Ruhrgebiet?

.

Die 55 Mio. p.a. sind doch lächerlich in Anbetracht der 24 Mrd. (2016) für die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien.

.

http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/energie-stromkunden-zahlen-ueber-35-milliarden-steuern-und-umlagen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-170216-99-305692

.

Auch wurde die Masse der AKW in Deutschland zu einem Zeitpunkt gebaut, wo keine PV oder Windkraft technisch zur Verfügung stand. Dazu noch damals der hohe Anteil Gas aus der UDSSR. Vor 1989 und der Wende im Ostblock.

.

Ja man muss die AKW heute abschalten weil die ökomomischen und ökologischen Risiken zu hoch sind; aber diese Rückblicke von Herrn Kamm sind billiger Populismus um heute ein paar Punkte mit den Entwicklungen der Vergangenheit zu machen.

Permalink
15.03.2017

Für die Atomenergie kamen sie allein von 1970 bis 2014 auf Kosten von rund 219 Milliarden Euro.

Wenn wir das auf die heutige Förderung der Erneuerbaren Energien mit 25 Milliarden pro Jahr umrechnen kommen wir auf eine Summe von über 1000 Milliarden Förderung für die Erneuerbaren, das ist Wahnsinn! Das leistet sich kein anderes Land auf der Welt ausser Deutschland.

Wenn man sich einmal mit der Geschichte der Kernenergie in Deutschland befasst, erkennt man, dass allein der Staat damals auf den Bau von Kernkraftwerken drängte. Der Energiekonzern RWE hatte damals gar kein Interesse an Kernenergie. Politiker wie Franz-Josef Strauss wussten genau, dass ein damaliges Agrarland Bayern nur mit billiger Energie sich zu einem Industrieland weiter entwickelt. Das lernt heute auch jeder kleine Schüler in Wirtschaftskunde, dass dies eine Voraussetzung ist.

Permalink
15.03.2017

Wie lange wollen Sie das Märchen des Atomfetischisten Strauß von der billigen und sicheren Kernenergie noch verbreiten?

Permalink
13.03.2017

Bekommen wir auch mal einen Hohen Preis weg ??

Der Hohe Preis für die Energiewende ??

Der Hohe Preis für die Grenzöffnung ??

Der Hohe Preis für die Griechenrettung ??

Der Hohe Preis der EU ??

Der Hohe Preis der Eurorettung ??

Nur weiter so ??

Ist aber kein Problem, Steuerbelastungen und Abgaben des Bürgrs sind noch nicht ausgeschöpft.

In der Höhe ist noch Luft !!

Permalink
13.03.2017

So ist es .... wir holen jeden EURO noch .... von den Bürgern ....

(Die Dümmsten Kälber, wählen ihren Metzger selber ....)

.

https://www.youtube.com/watch?v=fMT2_dgOcJM

Permalink
13.03.2017

Um den ganzen Wahnsinn zu verstehen empfehle ich den Vortrag von Fritz Vahrenholt: Deutschlands Energiewende - ein sich anbahnendes Desaster

.

http://kaltesonne.de/wp-content/uploads/2017/02/vahrenholt2017-energiewende-deutsch.pdf

.

Aber der Vorsitzende des Bundesverbands Windenergie, H. Kamm, wird uns das mit Sicherheit bald wieder erklären!

Permalink
13.03.2017

Eine ziemlich schillernde Figur, dieser Herr Vahrenholt. Dazu aus der "ZEIT"":

"1978 attackierte er mit seinem Buch Seveso ist überall nach dem Dioxin-Unfall in Italien die Chemieindustrie. In den Neunzigern wurde er Umweltsenator in Hamburg – und legte sich mit Umweltschützern an, weil er auf dem Neubau großer Müllverbrennungsanlagen insistierte. Anschließend half der grüne "Feuer-Fritze" dem Ölriesen Shell, sein Image nach dem Brent Spar- Skandal kurzfristig mit einer Solartochter aufzuhübschen, machte dann beim Windkraftunternehmen REpower ernsthaft Wind – um sich zuletzt für den Energieriesen RWE als Vorstand des grünen Tochterunternehmens RWE-Innogy für die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ins Zeug zu legen. Damals argumentierte er, AKWs würden kaum CO₂ emittieren und seien daher besonders klimafreundlich. Und jetzt soll der Klimawandel plötzlich nicht mehr so dringlich sein?"

Permalink
13.03.2017

Der hohe Preis für die Energiewende

.

Wahnsinn ....

Die Bürger spüren dies auf ihren Rechnungen ....

.

Ökologisch,

die BRD deckt mit ca. 25% ihren Strombedarf, über Kohle ab.

(Neue Kabel, werden dafür nach Bayern gelegt .....)

Kohle verursacht ca. 1/3 vom GESAMTEN CO2-Ausstoß in Deutschland

.

Klima-Streber Deutschland stößt mehr CO2 aus

https://www.welt.de/wirtschaft/energie/article153406226/Klima-Streber-Deutschland-stoesst-mehr-CO2-aus.html

.

Energiewende mit Solarenergie

In einem Land mit wenig Sonnentage (Lichttage) ........

Schnapsidee ...... oder nur in Bierlaune .... Lobbypolitik ?

.

Ist wie Elektro-Auto .... woher der Strom .... Kohlekraftwerke ?

Deshalb macht diese Art von Fortbewegung nur Sinn, .... Ballungszentrum ... ?

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Der EuGH verlangt von Arbeitgebern, die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter systematisch zu registrieren. Foto: Armin Weigel
EuGH-Urteil

Altmaier warnt vor "Schnellschüssen" nach Urteil zur Arbeitszeit

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen