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Silvester

21.12.2020

Feuerwerk-Hersteller nach Böllerverbot: Verband warnt vor dem Aus

Eine Schließung der Geschäfte würde die Feuerwerkshersteller hart treffen.
Bild: Christophe Gateau, dpa

Nach dem Feuerwerksverbot vielerorts an Silvester wegen Corona fürchtet die Pyro-Branche in Deutschland den ganz großen Knall – das Ende ihrer Existenz.

Ein Sternenwirbel hebt zischend ab, daneben explodiert eine Feuerwerksbatterie namens Kometen-Finale mit lauten Schüssen. Der Himmel ist erst bunt erleuchtet, dann grau vernebelt. So war es in den vergangenen Jahren. Dieses Jahr wird es still bleiben: Am 13. Dezember beschlossen Bund und Länder ein generelles Verkaufsverbot von Pyrotechnik vor Silvester; das Zünden von Feuerwerk ist vielerorts ebenfalls verboten. Grund dafür ist die Verletzungsgefahr, die vor allem die Krankenhäuser weiter überfordern könnte.

Auch Peter Sauer wird den Jahreswechsel heuer ruhig verbringen. Der Pyrotechniker leitet bereits in der fünften Generation die Kunstfeuerwerk-Fabrik Fritz Sauer in Gersthofen. "Es ist total ungewöhnlich. Ich war an Silvester bisher immer draußen und habe große Feuerwerke organisiert", sagt Sauer. Sein Betrieb ist auf Großfeuerwerke, etwa für Volksfeste wie den Augsburger Plärrer oder Firmenfeiern spezialisiert. Normalerweise veranstaltet Sauer im Jahr rund 120 professionelle Feuerwerke – in diesem Jahr waren es lediglich acht.

Kunstfeuerwerk-Hersteller Peter Sauer: "Fast ein Totalausfall"

"Es ist fast ein Totalausfall", klagt Sauer. Von seinen sechs Mitarbeitern musste er bereits drei entlassen. Was ihn gerettet habe, seien die technischen Produkte, die er neben dem Feuerwerk noch herstelle. Das sind zum Beispiel Notsignalfackeln für die Polizei oder auch Silberjodid-Mischungen für Hagelflieger. Dennoch hatte er große Hoffnungen, an Silvester noch ein "ordentliches Geschäft" zu machen: "Ich dachte, es gibt sicher gerade dieses Jahr viele Leute, die 2020 und Corona einfach in die Luft schießen wollen."

Dieses Jahr werden seine Raketen wohl nicht zum Einsatz kommen: Peter Sauer leitet eine Feuerwerk-Fabrik in Gersthofen bei Augsburg. Durch Corona war dieses Jahr „fast ein Totalausfall“, sagt er.
Bild: Marcus Merk

Geschäftsführer Sauer weiß aber auch, dass sein kleiner Betrieb noch vergleichsweise gut dasteht. Er macht seinen Hauptumsatz bereits unter dem Jahr; die Soforthilfen im Frühjahr sind angekommen. "Dafür bin ich sehr dankbar", sagt er. Doch während für ihn Silvester nur etwa zehn Prozent des Jahresumsatzes ausmachen, macht es für andere Unternehmen in der Pyrotechnikbranche oft mehr als 90 Prozent aus.

Verbandschef Klaus Gotzen: "Das Verbot wird uns hart treffen"

"Das Verbot wird unsere Branche hart treffen", sagt deshalb Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbands der pyrotechnischen Industrie. Er hat wie im vergangenen Jahr mit einem Umsatz von etwa 122 Millionen Euro gerechnet, die Ware wurde bereits vorproduziert und größtenteils schon ausgeliefert. Da es sich dabei um ein Kommissionsgeschäft handelt, müssen die Feuerwerkshersteller ihre Ware nun auf eigene Kosten wieder zurückholen.

Dadurch entstünden nicht nur ein enormer Umsatzverlust, sondern auch zusätzliche Kosten, sagt Andreas Kritzler von Deutschlands größtem Feuerwerksproduzenten WECO. Grundsätzlich ist es möglich, Feuerwerk ein ganzes Jahr lang einzulagern. Doch das brauche einerseits viel Platz und bedeute andererseits, dass es im kommenden Jahr kaum Beschäftigte für die Produktion brauche, erklärt Kritzler. Allein WECO hat rund 400 Mitarbeiter, insgesamt sind in der pyrotechnischen Branche etwa 3000 Menschen beschäftigt.

Wie es für die Branche weitergehe, hänge jetzt von den staatlichen Hilfen ab, sagt Gotzen vom Verband der pyrotechnischen Industrie. Man stehe im Kontakt mit den politisch Verantwortlichen, sagt er, aber bisher sei noch nichts bekannt. "Wenn die Umsatzentschädigung ausbleibt, weiß ich nicht, ob es die pyrotechnische Branche nächstes Jahr überhaupt noch gibt."

In Gersthofen sieht die Firma Sauer aber auch Lichtblicke

Feuerwerksproduzent Sauer aus Gersthofen blickt dagegen etwas optimistischer in die Zukunft: Er erwarte für 2021 zwar nicht, wieder auf das Vorkrisenniveau zu kommen, aber immerhin wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Auch allgemein ist die Zeit des klassischen Feuerwerks für ihn noch nicht vorbei. Er schätzt die Tradition, gibt aber auch zu bedenken: "In den letzten 25 bis 30 Jahren hat sich viel geändert." Den Trend zu immer "größer, lauter und bunter" sieht er kritisch.

"Früher hatte eine Rakete so um die 20 Gramm Schwarzpulver. In sogenannten Verbundfeuerwerken, die man heute kaufen kann, sind bis zu zwei Kilogramm erlaubt." Er hofft daher auf eine gesetzliche Regelung, die das Feuerwerk in Zukunft wieder etwas ruhiger und harmloser macht.

 

In diesem Jahr soll die Silvesternacht nun gesetzlich verordnet ganz still bleiben. Mancherorts regt sich Widerstand dagegen. In Augsburg beispielsweise klagt der FDP-Bundestagsdirektkandidat Alexander Meyer gegen ein Feuerwerksverbot, das die Stadt für die Silversternacht in diesem Jahr auch auf Privatgrund ausgesprochen hat.

Neben dem Umsatzverlust für die Branche bedeuten die Verbote aber immerhin auch weniger Feinstaubbelastung und weniger Stress für die Tiere. Und ohne den Raketenrauch und Nebel kann man vielleicht sogar ein paar echte Sterne sehen.

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21.12.2020

Was soll's, Böller und Raketen kann man nicht essen... Haben also keinen Nutzen für die Menschheit.

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