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Analyse

03.06.2020

Interaktive Grafiken: So hat sich der Arbeitsmarkt durch Corona verändert

Die Corona-Krise setzt den Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa

Plus Der bayerische Arbeitsmarkt war in den vergangenen Jahren zuverlässig und stabil, ein Rekord jagte den nächsten. Doch Corona verändert alles. Eine Grafik-Analyse.

Auch auf dem Arbeitsmarkt macht sich die Corona-Krise bemerkbar. In Bayern ist die Arbeitslosigkeit im Mai spürbar angestiegen. Im Vergleich zum April 2020 sind im Freistaat zwar nur 0,2 Prozent mehr Menschen ohne Job - insgesamt 290.580 - doch vergleicht man die Zahlen mit dem Mai 2019, wird deutlich, welche Auswirkungen die einbrechende Konjunktur hat: In Bayern liegt die Zahl der Arbeitslosen um 44 Prozent höher als vor einem Jahr.

Bayern steht im bundesweiten Vergleich sogar noch ganz gut da. In ganz Deutschland ist die Zahl der Arbeitslosen auf über 2,8 Millionen Menschen gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,1 Prozent. In Bayern ist sie auf 3,8 Prozent geklettert. "Jeder fünfte Arbeitslose von den 2,8 Millionen ist gegenwärtig auf den Corona-Effekt zurückzuführen", sagte Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsagenturen. Wirft man einen Blick auf einige Kennzahlen, wird das Ausmaß der Corona-Krise noch einmal deutlicher.

So hat sich die Zahl der Arbeitslosen in Bayern entwickelt

Eine dieser Kennzahlen ist die Zahl der Arbeitslosen. Die ist in Bayern - sieht man einmal von saisonalen Schwankungen ab - seit Jahren konstant gesunken. In der unten stehenden Grafik können Sie die Entwicklung seit 2017 bis zur Veröffentlichung der aktuellsten Arbeitsmarktdaten am Mittwoch vergleichen. Zudem sehen Sie dort auch die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen vor, während und nach der Euro- und Finanzkrise in den Jahren 2008/2009. Damals ist die Zahl der Arbeitslosen zwar gestiegen, sie hat sich allerdings relativ schnell wieder eingependelt und sank ab Februar 2010 auf einen tieferen Stand als vor der Krise.

Die Linie des Jahres 2020 (fett und schwarz) ist dagegen in den vergangenen Monaten drastisch angestiegen. "Zwar haben im Mai weniger Menschen ihre Arbeitsstelle verloren als im Vormonat (-29,8 Prozent). Allerdings konnten gleichzeitig weniger Personen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Beschäftigung beenden (-16,6 Prozent)", sagte Ralf Holtzwart, Chef der bayerischen Arbeitsagenturen am Mittwoch.

So hat sich die Arbeitslosenquote in Schwaben entwickelt

Die Quote von 3,8 Prozent ist die höchste Arbeitslosenquote in Bayern seit 2014. Sie ist die zweite Kennziffer, die man sich näher anschauen kann. Die Arbeitslosenquote ist in ganz Bayern angestiegen - auch in der Region. Wie sehr Corona die Lage verändert hat, zeigen die unten stehenden Karten. Sie vergleichen die Arbeitslosenquoten im Mai 2018, 2019 und nun die aktuellsten Zahlen aus dem Mai 2020. Je dunkelblauer ein Landkreis eingefärbt ist, desto höher liegt dort die Arbeitslosenquote. Während Augsburg auch zur Zeit des Konjunktur-Booms eine vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent hatte, lagen die restlichen Landkreise in Schwaben nahe der Vollbeschäftigung. Im Landkreis Donau-Ries etwa betrug Arbeitslosenquote im Mai 2019 gerade einmal 1,4 Prozent.

Bild: Heller/Molter

Nun ist sie überall angestiegen - in Augsburg auf 6,5 Prozent. Höher als in Augsburg ist die Arbeitslosenquote in Bayern nur in Hof (7,7 Prozent), Schweinfurt (7,4 Prozent) und in Nürnberg (6,6 Prozent). Auch im Landkreis Donau-Ries ist die Arbeitslosenquote gestiegen - auf 2,3 Prozent. Der Kreis zählt dennoch zu den drei bayerischen Landkreisen mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit. Nur in Eichstätt (2,1 Prozent) und Neumarkt in der Oberpfalz (2,3 Prozent) sind vergleichsweise weniger Menschen ohne Arbeit. Wenn Sie genauer wissen möchten, wie sich die Arbeitslosenquote in den einzelnen Landkreisen und Städten entwickelt hat, fahren Sie über die jeweilige Region und die Arbeitslosenquote wird Ihnen angezeigt.

 

So hat sich die Zahl der offenen Stellen in Bayern durch Corona verändert

Ein dritter Indikator ist die Zahl der offenen Stellen. Auch wenn die Konjunktur schon 2019 schwächelte, gab es in manchen Branchen dennoch viele offene Stellen. Unternehmen taten sich schwer, Mitarbeiter zu finden - auch wegen des demografischen Wandels. Nun in der Corona-Krise ist die Zahl der offenen Stellen in fast allen Branchen zurückgegangen - wie der unten stehende Überblick über die Branchen und die ausgeschriebenen offenen Stellen in Bayern zeigt. "Im Vergleich zum Mai 2019 sehen wir einen starken Rückgang der Nachfrage nach Arbeitskräften", sagte Holtzwart. Allerdings zieht die Nachfrage schon wieder leicht an, ergänzte der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen. Vor allem in der Pflege, im Gesundheitsbereich und auch im Handel würden wieder Mitarbeiter gesucht.

 

So hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entwickelt

Auch das Beschäftigungswachstum hat sich abgeschwächt. Im März 2020 war es im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht positiv. Die Anzahl der Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs in Bayern ist um 0,9 Prozent auf etwas über 5,7 Millionen Beschäftigte gewachsen. Aktuellere Hochrechnungen liegen bisher noch nicht vor.

Doch schon an den März-Zahlen lasse sich ablesen, dass der Ausbruch der Corona-Pandemie Ende März Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte, teilt die Arbeitsagentur mit. "Trotz der Lockerungen der Beschränkungen steht die bayerische Wirtschaft noch vor großen Herausforderungen. Die Unternehmen nutzen Kurzarbeit und flexible Arbeitszeitmodelle, um ihre Belegschaft zu halten", sagte Holtzwart.

Insgesamt sind bei den bayerischen Arbeitsagenturen bis Ende Mai 139.362 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen. Das heißt allerdings nicht, dass auch wirklich so viele Unternehmen Kurzarbeit beantragt haben. Wie viele Menschen momentan wirklich in Kurzarbeit sind, können die Arbeitsagenturen noch nicht sagen. Bisher liegen nur Hochrechnungen vor - und die auch nur für Februar 2020. Damals waren in Bayern geschätzt 25.300 Menschen in Kurzarbeit. Die Zahl ist allerdings wenig aussagekräftig, da die strengen Maßnahmen wie die Schließung von Schulen, Gaststätten und Hotels erst Mitte März in Kraft getreten sind.

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