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23.03.2020

Molkerei Gropper: Die Firma, die unsere Supermärkte beliefert

Heinrich Gropper führt das Unternehmen in dritter Generation.
Bild: Marcus Merk

Plus Den Namen der Molkerei Gropper kennen nur wenige. Ihre Produkte hat dafür wohl jeder der rund 80 Millionen Deutschen schon einmal verzehrt.

Der Weg nach Bissingen im Landkreis Dillingen führt über Erlingshofen, Brachstadt, Oppertshofen. Die Staatsstraße 2221 windet sich zwischen Wiesen und Hügeln. Mitten im Grün schimmert von fern ein Industriebau mit silberfarbenen Silotanks und weißen Büroquadern. Man kommt nicht zufällig hierher, zur Firma Gropper. Das passt gut zu der Molkerei, die im wahrsten Sinne des Wortes ein Hidden Champion ist. Es gibt wohl kaum jemanden in Deutschland, der nicht schon mal ein Produkt von Gropper verzehrt hat. Aber den Namen der Firma kennen nur wenige.

Heinrich Gropper hat den Betrieb 2001 von seinem Vater Heinrich Gropper senior übernommen – wie dieser im Jahr 1960 von seinem Vater namens: Heinrich Gropper. Der heutige Industriebetrieb mit 880 Beschäftigten an zwei Standorten plus einem weiteren Joint Venture mit Dr. Oetker in nordrhein-westfälischen Moers hat zwar außer der Tatsache, dass auch er Milch verarbeitet, kaum mehr etwas mit der einstigen Dorfmolkerei in Donauwörth gemeinsam. Aber dieses Milch-Reich, Marktführer in vielen Bereichen, hätten die drei Heinrich Groppers nicht über 90 Jahre formen können, wenn sie nicht alle diese Unternehmermentalität gehabt hätten, die jener Heinrich Gropper, der einen heute in Bissingen begrüßt, mit jeder Faser ausstrahlt: Ein Händedruck, der auch starken Bauernhänden widersteht, ein wacher Blick, der sein Gegenüber sofort taxiert und eine körperliche Präsenz, bei der man sofort ahnt, dass Gropper nie zu jenen gehörte, denen im Schulhof von anderen der Kakao abgenommen wurde.

Gropper ist spezialisiert auf die Eigenmarken großer Handelsketten  

Die Molkerei Gropper ist heute komplett spezialisiert auf das Geschäft mit sogenannten Private Labels. Ihre Produkte werden ausschließlich als Eigenmarken der großen Handelsketten – Supermärkte wie Discounter – und zu einem kleineren Teil unter dem Etikett namhafter Markenartikler wie Coca Cola, Innocent, Illy oder Emmi verkauft. Und das in großen Mengen und quasi europaweit.

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Die erfolgreichsten Produkte von Gropper sind aber weder Joghurts noch die klassische Milch, sondern Milchmischgetränke mit Kaffee aus dem Kühlregal. Gropper macht auch längst nicht mehr nur Milchprodukte im weitesten Sinn. Im zweiten Standort des Unternehmens in Stockach werden Direktsäfte abgefüllt, die im Supermarkt ebenfalls im Kühlregal stehen.

Die Wurzeln dieses Geschäftsmodells reichen Jahrzehnte zurück. Doch die ausschließliche Konzentration auf diese Nische hat das Unternehmen vor allem in der jüngeren Vergangenheit geprägt. Seitdem ist der Umsatz von Gropper beständig gewachsen. Eine Leistung, die nicht zu überschätzen ist, denn Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist ein Haifischbecken. Im Wesentlichen wird er von fünf Unternehmen bestimmt. Um überhaupt noch nennenswert wachsen zu können, haben diese in der Vergangenheit erfolgreich im Ausland expandiert. Und Gropper wuchs mit ihnen.

Heinrich Gropper: „Du musst den Mut haben, etwas zu wagen“

Heute schreibt das Unternehmen rund 680 Millionen Euro Umsatz, verarbeitet im Jahr 355 Millionen Liter Milch – und ist im Kern ein Familienunternehmen geblieben. Dem Unternehmen Gropper ist diese Erfolgsgeschichte gelungen, weil die Unternehmer Gropper stets noch etwas anderes auszeichnete: Offenheit, Weitblick und der Mut, Chancen zu ergreifen, wenn man sie erkannt hat. Gerade im extrem preissensiblen Geschäft mit dem Einzelhandel muss ein Partner im Hintergrund wie Gropper ständig innovativ sein. Produkte mit einem Alleinstellungsmerkmal können das Geld verdienen, das nötig ist, um den Betrieb laufend auf dem neuesten Stand zu halten. „Du musst den Mut haben, etwas zu wagen. Aber du musst auch das Geld dafür verdienen“, fasst der mittlerweile 54-jährige Heinrich Gropper zusammen, was er, seit er im Jahr 1986 seine Lehre abgeschlossen hat, gelernt und vorgelebt hat.

Damals stellte sein Vater den Betrieb als einer der Ersten auf die Abfüllung von Glasflaschen um. Wieder so ein Gropper-Moment: Trends erkennen, aber keinen Moden hinterherlaufen. Heute füllt das Unternehmen kein Glas mehr ab. Der Trend hat sich gedreht. Die Verpackung der Stunde ist aus Plastik, PET. Wenn es sortenrein gesammelt und wiederverwendet wird, ist der Kunststoff in der Ökobilanz kaum zu schlagen, ist sich Gropper sicher. Überhaupt, die Nachhaltigkeit. Darüber macht sich der Unternehmer schon lange Gedanken. Aber er weiß, dass man mit guten Ideen manchmal warten muss, bis ihre Zeit gekommen ist.

Gropper will seinen Joghurt in Zukunft klimaneutral machen

Viele Betriebe planen gerade, ihre Produktion künftig CO2-frei zu gestalten. Gropper hat schon 2012 als einer der Ersten in Deutschland ein eigenes Blockheizkraftwerk mit einer Absorptionskälteanlage in Betrieb genommen. 94 Prozent des eigenen Stroms erzeugt das Unternehmen damit selbst – und spart damit tausende Tonnen CO2 ein.

Heinrich Gropper wäre kein Gropper, wenn er gedanklich nicht längst schon weiter wäre. Der CO2-Rucksack der Milch kommt zum Großteil aus der Erzeugung auf dem Bauernhof. Hier muss ran, wer Milch und Joghurt künftig klimaneutral machen will. Dass es so weit kommt, davon ist Gropper überzeugt. Und er will der Erste sein, der das seinen Kunden anbietet. „Wir kennen heute unsere Emissionen sehr genau, haben uns bis hinein in Produktkategorien damit auseinandergesetzt“, sagt der Unternehmer. Wenn man die Emissionen kennt, weiß man, was man tun muss, um sie zu kompensieren.

Die Devise: Verantwortung übernehmen

„Dafür haben wir hier eine sagenhafte Quelle“, sagt Gropper. Denn die Landwirte, die der Molkerei ihre Milch liefern, produzieren zwar CO2. Aber sie können auch eine Menge davon kompensieren, durch Fruchtfolge, Humusaufbau und anderes mehr. Am Ende geht es auch ums Geld, denn ein CO2-freies Produkt ist teurer und muss vom Verbraucher bezahlt werden. „Für das Weltklima ist es auch gut, irgendwo in der Welt Bäume zu pflanzen. Aber viel greifbarer für den Verbraucher ist es doch, wenn die Landwirte vor Ort nachvollziehbare CO2-Kompensation betreiben“, ist sich Gropper sicher.

Wer im Handel nicht sichtbar ist, tut sich schwer, diese Botschaft dem Verbraucher nahezubringen. Viel zu oft gelte noch der Satz: „Die Moral endet am Regal“, sagt Gropper. Doch er ist optimistisch, dass sich da gerade etwas ändert: „Die Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung holen uns einfach ein. Ich bin verheiratet, wir haben vier Kinder, und ich hoffe stark auf diese Generation, die das auch in einer anderen Form erlebt, als wir das erleben. Jetzt gilt es, sich selbst etwas mitreißen zu lassen und zu sagen, ,Ihr habt recht und wir machen was.‘“

Übernimmt diese nächste Generation dann auch einmal die Verantwortung im Unternehmen? „Wenn sie alt genug sind, sollen sie in Ruhe überlegen. Wenn es dann so sein sollte, dass von den Vieren jemand die Fähigkeiten hat und auch die Lust und das Interesse verspürt, dann ist das wunderbar. Aber ich glaube, viel wichtiger ist, dass man die Positionen und die Organisation immer zukunftsträchtig weiterentwickelt und hält. Die Menschen sind das Wichtigste für das Unternehmen.“

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