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Schwabmünchen

08.11.2019

Testlauf für die Fabrik von morgen: Osram produziert bald mit 5G

In dieser Halle werden die Glühdrähte produziert - bald wohl mit 5G.
Bild: Wolfram Scheible/deutsche Telekom

Plus Das Schwabmünchner Osram-Werk ist ein Zukunftsort. Auch wenn es von außen nicht so aussieht, hier soll es ab nächstem Jahr 5G geben. Davon sind andere Unternehmen weit entfernt.

Werktor, Pförtner, Schranke. Dahinter die kleine Fabrik. Drumherum wabert ein bräsiger Novembernebel. Hier im Gewerbegebiet von Schwabmünchen, wo die Zukunft der deutschen Industrie näher ist als an vielen anderen Orten, sieht bei der Ankunft erst mal wenig nach Smart Factory aus. Irgendwo da hinten ragt sogar ein Schornstein in das dichte Grau. Wäre der Telefonhörer des Pförtners ein schlagfähiges Plastiktrumm in einem schönen Olivgrün, wundern würde es nicht.

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Aber der Eindruck täuscht. Er täuscht sogar sehr. Das Werk von Osram in Schwabmünchen gehört zu Deutschlands 5G-Avantgarde. Der Münchner Traditionskonzern macht derzeit vor allem wegen der möglichen Übernahme durch den österreichischen Sensorspezialisten AMS Schlagzeilen. Die Aufmerksamkeit für seinen Schwabmünchner Standort wächst aber aus anderen Gründen. Osram und die Telekom haben hier gemeinsam ein Campus-Netzwerk aufgebaut. Sprich: ein leistungsstarkes Mobilfunknetz auf dem gesamten Firmengelände, in das von außen keiner reinkommt.

Auf dem Osram-Werk in Schwabmünchen steht ein Sendemast

In einem Teil der Osram-Hallen von Schwabmünchen werden Glühdrähte gezogen. Hier sieht es nach Old Economy aus. Werkbänke, Maschinen, Feuerschein. Ein paar Türen weiter: Räume hinter Glasscheiben, Menschen in weißer Schutzkleidung, Mundschutzpflicht. Hier werden Beschichtungen für Leuchtdioden produziert.

Testlauf für die Fabrik von morgen: Osram produziert bald mit 5G
Ein Transportroboter fährt durch das Osram-Werk in Schwabmünchen, wo bald mithilfe von 5G produziert wird.
Bild: Wolfram Scheible/Deutsche Telekom

Auf dem Werk ist ein Sendemast. Und in dem Werk sind viele kleinere Antennen, die jeden Winkel der Fabrik erfassen. Noch wird hier mit einem LTE-Netz (4G) gearbeitet, aber wohl schon im Frühjahr soll es 5G geben, den Mobilfunkstandard der Zukunft. Grundlegend für die digitalisierte Fabrik von morgen. Schon jetzt ist hier alles miteinander vernetzt. Auch in dem Teil mit den alten Maschinen sind überall Sensoren angebracht. 60 Prozessschritte braucht es vom Pulver bis zum Glühdraht. Was geschieht, wird erfasst und kommuniziert. Roboter, Maschinen, Transportfahrzeuge. Alles ist miteinander verbunden. Kabellos. In hoher Geschwindigkeit, bald mit 5G, in Echtzeit. Die Daten werden gesammelt, ausgewertet, nachvollzogen. Von der Mine, wo das Pulver für den Draht herkommt, bis dahin, wo die die Leuchte dann verbaut ist.

Damit wird man im Frühjahr bei Osram in Schwabmünchen in Sachen digitale Infrastruktur schon angekommen sein, wo viele bayerische Unternehmen gerne hinwollen – aber noch nicht können. Denn bis es 5G flächendeckend in Bayern und Deutschland gibt, werden noch Jahre vergehen. Die digitale Infrastruktur ist in Bayern in den vergangenen Jahren zwar besser geworden, aber es gibt einiges zu tun.

Digitale Infrastruktur in Bayern braucht "Quantensprung"

Die Unzufriedenheit der bayerischen Unternehmen ist deshalb in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, wie Studien der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ergaben. Dabei geht es um Geschwindigkeit, Netzabdeckung und Netzverfügbarkeit. Philipp Erwein Prinz von der Leyen, Vorsitzender der vbw-Bezirksgruppe Schwaben, erklärt: „Über 60 Prozent der Unternehmen im Freistaat geben an, dass die Arbeit ihrer Mitarbeiter durch mindestens einen der drei genannten Aspekte beeinträchtigt wird.“ Das seien 15 Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Weiße Flecken, so von der Leyen weiter, dürfe es künftig „nicht mehr geben“. Er fordert daher: „Bis zum Jahr 2023 muss der bedarfsgerechte Ausbau von 5G weit fortgeschritten sein, vor allem auf den Verkehrswegen. 2025 muss 5G lückenlos verfügbar sein.“ Die digitale Infrastruktur habe in Bayern in den letzten Jahren zwar „beachtliche Fortschritte“ gemacht, die Transformation brauche aber einen „Quantensprung“.

Zu diesem haben die Anbieter durchaus angesetzt. Die Telekom, einer von vier Anbietern, hat den 5G-Ausbau in Deutschland in diesem Jahr in einer ganzen Reihe von Städten gestartet. Dazu gehört auch München, wo im September die ersten neun Antennen in Milbertshofen in Betrieb gegangen sind. Rund 50 weitere sollen bis Dezember in der Landeshauptstadt folgen. In Ingolstadt kooperiert die Telekom mit der Stadt und Audi, wo Ampeln mit Autos vernetzt werden. Das Ziel der Telekom: Das 5G-Netz in den kommenden Jahren „sukzessive und bedarfsgetrieben erweitern“ und 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche Deutschlands bis 2025 mit 5G zu versorgen. Vodafone, ein weiterer Anbieter, hat in Bayern vier Pionierstandorte ausgewählt. Und Telefonica, der dritte von vier Anbietern, testet derzeit an verschiedenen Orten und errichtet für Mercedes-Benz Cars in Sindelfingen ein 5G-Campusnetz.

Vergleichbar mit dem, was in Schwabmünchen passiert. Stefan Fritz, Osram Vice President, sagt: „5G ist für uns die Möglichkeit, den Wandel in die Digitalisierung sehr schnell zu gestalten.“ Und während er diese Sätze im Büro spricht, fährt unten in der Halle wieder einer dieser autonomen Transportroboter vorbei und holt die nächste volle Drahtspule.

Lesen Sie dazu auch: Mobilfunk unter Spionageverdacht: Ist der Huawei-Chef vertrauenswürdig?

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