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Spekulationen

27.10.2020

Will Ex-Kuka-Chef Reuter bei Müller Milch mehr Macht?

Will er in den Vorstand? Der einstige Kuka-Chef Till Reuter startet jetzt bei der Unternehmensgruppe Theo Müller durch.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Es wird immer heftiger spekuliert, dass Till Reuter sich nicht mit der Rolle des Aufsichtsratschefs bei der Unternehmensgruppe begnügt. Bei Kuka war es ähnlich.

Plötzlich war Till Reuter da. 2009 stieg er zum Hauptdarsteller eines spannenden Wirtschaftskrimis auf. Der Investmentbanker mit einer Vergangenheit bei Häusern wie Morgan Stanley, Lehman Brothers und Deutscher Bank half der Industriellenfamilie Grenzebach aus dem nordschwäbischen Hamlar als Berater, Zug um Zug wichtigster Aktionär des Augsburger Anlagen- und Roboterbauers Kuka zu werden.

Über seine eigene Schweizer Beteiligungsgesellschaft Rinvest AG erwarb Reuter selbst Anteile an dem Maschinenbauer. Dem studierten Betriebswirt wie Juristen und der Familie Grenzebach, die sich später von den Kuka-Anteilen trennen sollte, fiel die Rolle der Guten im Drehbuch zu. Schließlich konnten sie damals verhindern, dass der Roboterbauer in die Fänge von Heuschrecken geriet und filetiert wurde.

Reuter kann andere Menschen mitreißen. Schnell fand er einen Draht zu Mitarbeitern, den Verantwortlichen in Augsburg und auch Vertreten der Gewerkschaft IG Metall. Die Grenzebach-Reuter-Offensive glückte. Was im Jahr 2009 passierte, ist aus heutiger Sicht interessant, ja könnte ein Fingerzeig sein, wie es mit Reuter bei seinem aktuellen Arbeitgeber, der Unternehmensgruppe Theo Müller in Aretsried bei Augsburg, weitergeht.

Reuters Aufstieg endete nach dem Einstieg der Chinesen bei Kuka

Denn dort sitzt er als Chef (noch) im Aufsichtsrat. Das war einst bei Kuka auch der Fall. Doch der Platz im Kontrollgremium des Automatisierungsspezialisten entpuppte sich nur als Zwischenstation für den nach vorne drängenden Mann. Am 21. September 2009 war es so weit: Der Kuka-Aufsichtsrat hatte den Investmentbanker zunächst zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Damals befand sich die Suche nach einem Nachfolger für Kuka-Chef Horst J. Kayser „in einem fortgeschrittenen“ Stadium. Die Wahl sollte auf Reuter fallen. Er marschierte vom Aufsichtsrat in den Vorstand durch, ohne sich damit zu lange aufzuhalten. Schnell arbeitete sich der Manager in technische Themen ein, brachte als Vorstandschef die Finanzen in Ordnung und startete durch, bis Kuka als deutsche Hightech-Perle galt, der Kanzlerin Angela Merkel und der frühere US-Präsident Barack Obama im Doppelpack auf der Hannover Messe Anerkennung zollten. Dann kamen die Chinesen.

Reuter musste gehen, auch weil nicht mehr alles bei Kuka glänzte. Die nächste Krise hatte sich längst eingenistet. Der Rest ist Geschichte. Und da sich alles im Leben wiederholt, wie auch der Dichter Friedrich Schiller fatalistisch festhielt, muss man kein Verschwörungstheoretiker sein, um eine solche Wiederkehr des Gleichen auch für Reuter ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Es wird jedenfalls in Unternehmerkreisen und durch das in Personalfragen einschlägig sachkundige Manager Magazin spekuliert, Reuter könnte angesichts seines bei Müller Milch schon als Aufsichtsrat demonstrierten Tatendrangs nach der Devise verfahren: „Alles Vorstand, oder was“, sich also nicht mit der Aufsichtsrat-Ecke begnügen.

Till Reuter und Theo Müller haben einiges gemeinsam

Noch sind das alles Gerüchte. Der aus einer mittelständischen Unternehmerfamilie im Rheingau stammende Reuter schweigt dazu wie auch die chronisch öffentlichkeitsscheue Firmengruppe Theo Müller.

Dabei scheinen der 80-jährige und unverändert energiegeladene Patriarch Theo Müller und Reuter aneinander Gefallen gefunden zu haben. Beide leben im Raum Zürich. Beide haben ein Faible für Technik und Automation. Reuter, der bis zum Einstieg bei Müller Milch 2019 keine Nähe zum Joghurt-Kosmos verriet, bringt aus Sicht des eigenwilligen Unternehmers eine weitere Qualität mit: Er hat bei Kuka nach der Finanzkrise 2008 und 2009 den gebeutelten Maschinenbauer rasch stabilisiert, gute Leute an Bord geholt und diese motiviert. Das sprechen ihm auch seine heutigen Kritiker bei Kuka – davon gibt es einige – nicht ab.

Wie lange die Wertschätzung Müllers für Reuter währt, ist für Kenner des selbstbewussten und entscheidungsfreudigen Mannes kaum zu prognostizieren. Die Gunst des Patriarchen, der einen Konzern mit 5,7 Milliarden Euro Umsatz und 24.300 Mitarbeitern über Jahrzehnte geformt hat, währt oft nicht ewig. Wenn der Bayer der Meinung ist, es sei besser, sich von einem Manager zu trennen, fackelt er nicht allzu lange. So ist ein gewisser Wechsel eine Konstante in der Müller-Milch-Führungsetage.

Für Reuter wäre es auf alle Fälle ein Aufstieg, wenn er Chef des Molkerei-Konzerns würde. Denn Kuka ist mit etwa 14.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 3,2 Milliarden Euro ein ganzes Stück kleiner als sein neuer Arbeitgeber. Das dürfte den stets Herausforderungen suchenden Reuter durchaus reizen.

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27.10.2020

Aber Herr Stahl, da schiessen Sie gerade ein paar - regional motivierte - Platzpatronen den Spekulationen im MM, das in Personalfragen einschlägig sachkundig ist wie Sie schreiben, hinterher!
Vielleicht dürfen Sie ja bald wieder über Till Reuter, dann als Milch Manager, im Wirtschaftsteil jubeln. Mal schauen ob und wie lange bei zwei solchen Alphamännchen das Konstrukt, wenn es denn überhaupt zum Tragen kommt, hält.

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