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Medizin

13.03.2019

Ärzte fordern Impf-Pflicht für alle Kinder

Wer sich über das Thema Impfen informieren möchte, landet meist auf impf-kritischen Seiten. Das liegt an den Einstellungen der Suchmaschinen. Das soll sich ändern.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archivbild)

Weil impfkritische Inhalte überwiegen, wollen Google und Co. jetzt ihre Suche anpassen. Ärzte in Deutschland fordern sogar eine Impfpflicht in Deutschland.

Eine Gesamtschule in Hildesheim hat am Dienstag 107 Schüler wegen einer fehlenden Masernimpfung bis Ende kommender Woche vom Unterricht ausgeschlossen. Das teilte der Landkreis Hildesheim nach einer Überprüfung des Impfstatus aller 700 Schüler mit.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin fordert nach einer Häufung von Masernfällen in Niedersachsen ebenfalls eine Impfpflicht gegen die Kinderkrankheit. Und auch auf Online-Plattformen ist das Thema Impfen relevant. Nachdem etwa Google bereits im Januar gemeldet hatte, Impfinformationen auf Youtube künftig neutraler darstellen zu wollen, will aktuell Facebook nachziehen.

Wer nach "Impfen" sucht, gelangt auf impf-kritische Seiten

Wer auf vielen Online-Plattformen den Begriff „Impfen“ eingibt, dem werden fast immer Inhalte angezeigt, die sehr impfkritisch sind. Weil es offenbar eine hohe Nachfrage nach impfskeptischen Inhalten gibt, rangieren diese bei Suchanfragen weit oben. Mit dem Nebeneffekt aber, dass Menschen, die sich nicht impfkritisch, sondern völlig neutral mit dem Thema befassen wollen, beim unbedarften Suchen fast nur auf impfkritischen Seiten landen. Das wollen Facebook und Co. ändern. Der Suchalgorithmus wird umgearbeitet, sodass impfkritische Inhalte zwar nicht unterdrückt werden, aber bei einer Suchanfrage weit unten rangieren. Das wird wohl eine Weile dauern.

Beim Berliner Robert Koch-Institut (RKI), das Infektionskrankheiten erforscht, wird dieser neue Kurs begrüßt. „Wir sehen das grundsätzlich positiv“, sagte Susanne Glasmacher, Sprecherin des RKI, unserer Redaktion. Zum Thema Impfen gebe es viele Falschinformationen. Etwa, dass die Wirksamkeit von Impfungen niemals belegt wurde. Dabei sei gerade beim Masernimpfstoff die Wirksamkeit bei Millionen von Menschen nachgewiesen worden. Die Erfurter Psychologin Prof. Cornelia Betsch hat das Thema Impfskepsis wissenschaftlich erforscht.

Demnach findet man unter Impfgegnern nicht wenige Menschen, die hinter bestimmten Vorgängen in der Welt bewusste Verschwörungen vermuten – in diesem Fall vonseiten der Gesundheitsorganisationen und der Pharmaindustrie. Dabei ist laut Paul-Ehrlicher-Institut die Impfstoffentwicklung für Pharmafirmen im Vergleich zur Arzneimittelherstellung wenig rentabel und teuer. Deshalb gebe es nur noch wenige Firmen auf der Welt, die Impfstoffe produzieren.

Sind Impfungen nicht "natürlich"?

Betsch zufolge picken sich Impfgegner Fakten heraus, die ihre Thesen stützen, der Rest wird ausgeblendet. „Viele sagen: Impfungen sind nicht natürlich und lehnen sie darum ab“, meint Betsch. Aber „natürlich“ werde automatisch als „gut“ interpretiert. Dabei seien Tetanusbakterien auch „natürlich“ – aber eine Tetanusinfektion ist alles andere als gesund.

Impfkritiker wie etwa der Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ sehen hingegen sehr wohl wirtschaftliche Interessen der Pharmaindustrie – auch wenn es inzwischen tatsächlich weltweit nur noch vier große Hersteller gibt. Die Empfehlungen der für Deutschland maßgeblichen Ständigen Impfkommission Stiko basierten alle nur auf Studien, die die Hersteller durchgeführt hätten.

Der Verein ist nicht kategorisch gegen das Impfen, wohl aber für ein wirklich unabhängiges, kritisches Hinterfragen, ob das immer nötig ist. Abgelehnt wird allerdings ausdrücklich eine Impfpflicht. Die CDU hat sich beispielsweise schon 2015 bei ihrem Parteitag für eine gesetzliche Impfpflicht für Kleinkinder ausgesprochen. Doch ob eine solche eingeführt werden darf, ist rechtlich umstritten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Was Deutschland beim Impfschutz noch lernen muss

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