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Forschung

08.04.2019

Eisfreier Sommer in der Arktis rückt näher

Das Eis wird immer knapper in der Arktis. Das Foto zeigt das Forschungsflugzeug des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts, die Polar 6, über dem Arktischen Ozean.
Bild: E. Horvath, Alfred-Wegener-Institut, dpa

Die Eisdecke der Arktis erhält immer weniger Nachschub aus den Meeren nördlich von Russland. Die Folgen sind kaum abwägbar.

Eine neue Studie besorgt Arktisforscher: Bisher gelangten Massen gefrorenen Eises aus den Meeren nördlich Russlands in die Arktis. Doch ein Großteil davon schmilzt, bevor es überhaupt die Polarregion erreicht. „Wir werden derzeit Zeuge, wie ein wichtiger Transportstrom abreißt und die Welt einem meereisfreien Sommer in der Arktis einen großen Schritt näher kommt“, sagt Thomas Krumpen, Meereis-Physiker und einer der Autoren der Studie.

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven haben diese neue Entwicklung mittels Satellitenaufnahmen herausgefunden. Um die Jahrtausendwende gelangte noch die Hälfte des Eises in die Arktis. Heute schmelzen 80 Prozent auf dem Weg dorthin. Ein eisfreier Sommer in der Arktis rückt damit näher.

Eisfreie Arktis zwischen 2030 und 2070

Doch wann ist es so weit? Das ist laut Krumpen schwierig zu sagen: „Studien prognostizieren, dass es zwischen 2030 und 2070 sein wird.“ Genauer könne man den Zeitpunkt nicht bestimmen, weil die Modelle noch unausgereift seien. „Wir verstehen viele Wechselwirkungen noch nicht.“ So sei etwa unklar, wie sich das arktische Eis künftig verteilen wird – und dadurch sei es schwierig zu prognostizieren, wie schnell es schmilzt.

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Die jetzt beobachtete Entwicklung bringt weitere Folgen mit sich, die erst auf den zweiten Blick klar werden. Das Eis aus dem Norden Russlands besteht nicht nur aus Wasser, sondern transportiert Nährstoffe, Algen und Sedimente durch die Polarregion. Nun werden sie schneller freigesetzt und könnten an anderer Stelle fehlen. „In letzter Zeit beobachten wir immer mehr Mikroplastik in dem Eis“, sagt Krumpen. Stoffe wie diese oder Schiffslack sind nun an manchen Stellen sehr konzentriert und gelangten in die Nahrungskette. In Regionen, die keinen Nachschub mehr erhalten, könnte das Eis hingegen heller werden, weil kein Eis mehr dunkle Stoffe dorthin transportiert.

Damit gelangt mehr Licht durch die gefrorene Oberfläche – und das führt zu wuchernden Algen. Das Forscherteam rechnet damit, dass die Entwicklung „die biogeochemischen Kreisläufe und das Ökosystem im zentralen Arktischen Ozean verändern“ wird.

Welche Folgen das hat und wann sie eintreten werden, wollen die Forscher genauer wissen: Im Herbst bricht deshalb der deutsche Eisbrecher „Polarstern“ in die Arktis auf. „Wir werden uns ein Jahr lang fest eingefroren im arktischen Eis in Richtung Framstraße bewegen“, erklärt Krumpen. 600 Menschen aus 17 Ländern beteiligen sich an dem Projekt Mosaic. „Das ist die größte Arktisexpedition aller Zeiten.“

Schmelzende Gletscher lassen den Meeresspiegel weiter steigen

Doch nicht nur die Polregionen schmelzen: Die steigenden Temperaturen lassen weltweit Gletscher schrumpfen, hauptsächlich in Alaska, in Patagonien im Süden Chiles und Argentiniens – aber zum Beispiel auch in den Alpen. Schmelzende Gletscher haben den Meeresspiegel zuletzt im Schnitt um fast einen Millimeter pro Jahr ansteigen lassen, wie ein Forscherteam der Universität Zürich um Michael Zemp in der Fachzeitschrift Nature schreibt. Die Wissenschaftler haben die Eisdicke von 19.000 Gletschern mit Satellitenaufnahmen untersucht. „Weltweit verlieren wir derzeit rund drei Mal das verbleibende Gletschervolumen der europäischen Alpen. Und das jedes Jahr“, sagt Glaziologe Zemp. Ein weiterer Effekt lasse die Meere weiter ansteigen: Sie selbst werden immer wärmer – und dehnen sich dadurch aus.

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