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Pöttmes

24.11.2019

An Leukämie erkrankt: Eltern hoffen auf Stammzellspender für Lisa

Lisas Eltern, Harald und Johanna Hross, hoffen auf einen Stammzellspender für ihre Tochter.
Bild: Nicole Simüller

Plus Lisa hat Leukämie. Die 21-Jährige braucht einen Stammzellspender. Am Samstag findet in Pöttmes eine Typisierungsaktion statt. Ihre Familie hofft und packt mit an.

Erst war es nur eine Grippe. Dann entzündete sich ein Finger. Aus Sorge vor einer Blutvergiftung ging die 21-jährige Lisa aus Pöttmes zum Arzt. Ihre Blutwerte machten ihn stutzig. Nach weiteren Tests plötzlich die niederschmetternde Diagnose: akute Leukämie.

Vor einem Monat kam die Hiobsbotschaft

Das war vor gut einem Monat. An diesem Tag stellte das Schicksal das Leben von Lisa und ihrer Familie auf den Kopf. Ihre Mutter Johanna Hross sagt: „So schnell waren wir in dem Albtraum drin.“ Nur zwei Tage später begann Lisas Chemotherapie im Uniklinikum Augsburg. Zwei Blocks hat sie hinter sich. Am Freitag musste sie erneut eine Knochenmarkspunktion über sich ergehen lassen. Vom Ergebnis hängt die Stärke der nächsten Chemo ab.

Vor einem Monat wussten Lisas Eltern von solchen Dingen noch nichts. Jetzt sitzen sie an ihrem Küchentisch und sprechen gefasst und ohne Umschweife darüber. Wo sonst gemeinsam gegessen wird, liegen nun Plakate und Flugblätter, die auf die Typisierungsaktion für Lisa am Samstag, 30. November, in der Pöttmeser Schulehinweisen. Die 21-Jährige braucht einen Stammzellenspender, um zu überleben. Ihr Bruder, der sich schon vor zwei Jahren hatte registrieren lassen, kommt nicht infrage. Auch die Eltern haben sich testen lassen, die Auswertung läuft. Parallel wird weltweit und daheim nach einem „genetischen Zwilling“ für Lisa gesucht.

An Leukämie erkrankt: Eltern hoffen auf Stammzellspender für Lisa

DKMS und örtliches Helferteam organisieren Typisierung

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und ein örtliches Helferteam um Sabine Buchner organisieren die Typisierungsaktion in Pöttmes. Lisas Eltern nehmen die große Hilfsbereitschaft staunend und dankbar wahr. Papa Harald Hross sagt über das Organisatorenteam: „Das ist eine super Truppe.“

Am Donnerstag fand ein Infoabend im Rathaus statt. Lisas Eltern waren ebenfalls dort. Vier Stammzellenspender aus Pöttmes, Handzell, Aindling und Schönleiten ( Petersdorf) erzählten von ihren Erfahrungen und warben dafür, es ihnen nachzutun.

Erinnerungen an Typisierungsaktion für Georg Kohlhaupt

Auch aus dem Ortsteil Osterzhausen kamen Zuhörer, unter ihnen Waltraud Kohlhaupt. Für ihren Mann Georg hatte 2010 ebenfalls eine Typisierungsaktion in Pöttmes stattgefunden, organisiert von der Dorfgemeinschaft Osterzhausen und der DKMS. Er litt an einer Krebserkrankung des Knochenmarks. Er starb, doch aus der Aktion gingen bislang 18 Stammzellspender hervor. Um bald eine weitere Typisierungsaktion anzugehen, war der Infoabend geplant gewesen. Dann sei „die Geschichte von Lisa reingerutscht“, sagt Harald Hross.

Seit der Diagnose ging alles ganz schnell, auch dank der Arbeitgeber der Eltern. Lisas Mama, die eine Teilzeitstelle in der Küche des Caritas-Pflegezentrums St. Hildegard in Pöttmes hat, ist freigestellt, um sich um ihre Tochter zu kümmern. Sie ist tagsüber bei ihr im Krankenhaus. Abends löst ihr Mann sie ab, wenn er von der Arbeit in einem Augsburger Ingenieurbüro kommt. Sein Chef lässt ihn zeitweise auch von daheim aus arbeiten. Dort muss außerdem Johanna Hross’ pflegebedürftiger Vater versorgt werden.

Rektor von Lisas Schule veranlasste eine Typisierungsaktion

Auch Lisas Schule zieht mit. Die gelernte pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin ist mit ihrer Zusatzausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin fast fertig. Die schriftliche Abschlussprüfung hat sie schon bestanden. Nur ein Praktikum und die mündliche Prüfung fehlen noch, erzählt ihre Mama. Die Schule habe signalisiert, Lisa könne selbst entscheiden, wann sie weitermache. Der Rektor habe sogar eine Typisierungsaktion veranlasst. Auch der Arbeitgeber habe „super reagiert“. Lisa kann zurückkommen, wenn sie gesund ist.

Auch durch die sozialen Netzwerke rollt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Lisa hat das Plakat zu ihrer Typisierungsaktion auf ihren Facebookauftritt gestellt. Ihr Bruder Florian, der bei den Vorbereitungen für die Typisierungsaktion dabei ist, trommelt ebenfalls im Internet. „Helft bitte meiner Schwester“, schreibt er auf Facebook – neben zwei roten Herzen. Der Aufruf verbreitete sich rasend schnell.

Lisa würde am liebsten bei Typisierungsaktion mithelfen

Über die sozialen Netzwerke wird Lisa die Aktion in Pöttmes verfolgen. „Da werden bestimmt viele Videos verschickt“, vermutet ihr Papa und lacht. Die große Hilfsbereitschaft stärkt sie, lässt sie positiv denken. „Am meisten ärgert es sie, dass sie nicht mithelfen kann.“ Bei so etwas wäre sie sonst sofort dabei. „Aber ich hab ihr gesagt: Jetzt geht’s um dich.“ Dafür wollen er und seine Frau am Samstag kräftig anpacken.

Als „Gesellschaftsmensch“ beschreiben die Eltern ihre Tochter. Als jemanden, der am liebsten mit Freunden etwas unternimmt. Der Vater bezeichnet sie liebevoll als „Flummi“. Sie habe anfangen wollen, Trampolin zu springen. Aber das muss warten. Im Krankenhaus bekommt sie viel Besuch. Das tut ihr gut. Die Besucher müssen einen Mundschutz tragen und sich die Hände desinfizieren. Vorerst muss Lisa in der Klinik bleiben. Zwischendurch aber darf sie vielleicht nach Hause – wenn sie gesundheitlich stabil genug ist.

Rahmenprogramm für Typisierungsaktion steht

Unterdessen tun die Helfer alles, um am Samstag viele Menschen nach Pöttmes zu locken. Für Essen, Getränke, Kaffee und Kuchen ist gesorgt, es gibt Livemusik, eine Tombola und Kinderschminken. Kinder können sich mit „Star-Wars-Kriegern“ fotografieren lassen. Johanna und Harald Hross hoffen so sehr, dass sich ein Stammzellspender für Lisa findet. Aber selbst wenn er am Samstag nicht dabei ist – Harald Hross sagt: „Bringen tut’s immer was – und wenn’s für andere ist.“

Termin für die Typisierungsaktion Samstag, 30. November, von 11 bis 16 Uhr in der Pöttmeser Schule, Gartenstraße 28.

Registrierung vor Ort Jeder von 17 bis 55 Jahren kann laut DKMS mit einem Wangenabstrich als potenzieller Stammzellspender registriert werden. Wer unter einer chronischen oder einer anderen schweren Erkrankung leidet oder gelitten hat, sollte Rücksprache mit der DKMS halten.

Registrierung von daheim aus Auf der DKMS-Internetseite findet sich ein Registrierungsformular. Wer dort seine privaten Kontaktdaten eingibt, bekommt per Brief ein Registrierungsset mit Wattestäbchen zugesandt. Mit ihnen nimmt er Abstriche von seiner Wangenschleimhaut und schickt sie zurück. Wer kein Internet nutzt, kann sein Set bei der DKMS-Zentrale Tübingen, Kressbach 1, 72072 Tübingen, Telefon 07071/943-0, Fax 07071/943-1499, anfordern.

Spendenkonto Stammzellspendern entstehen keinerlei Unkosten. Doch ihre Registrierung kostet die DKMS jeweils 35 Euro. Die gemeinnützige Organisation bittet daher um Geldspenden. Spendenkonto: Commerzbank München, IBAN: DE71 7004 0060 8987 0001 68, Verwendungszweck: Lisa

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