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06.02.2018

Die Begradigung und ihre Probleme

Der Bach holt sich sein Gelände zurück. Eine EU-Vereinbarung zwingt zum Handeln. Darauf weisen die Behörden bei einer Informationsveranstaltung hin.

Aindling Die ersten der 50 Landwirte im Aindlinger Moosbräusaal schauten schon ein wenig skeptischer, als sie die Überschrift zur Veranstaltung an der Leinwand lasen: „Freiwillige Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustandes am Moosgraben“. In ihrer Einladung, die an 140 Anrainer gegangen war, hatte das „freiwillig“ noch gefehlt. Doch die Zeit drängt. Denn bis 2027 sollen die Gewässer laut EU-Vereinbarung in „gutem Zustand“ sein. Das erklärte Wolfgang Sailer, Behörden- und Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) Augsburg.

Bernd Horst von der Gewässeraufsicht im Wasserwirtschaftsamt (WWA) Donauwörth hatte Fotos vom Moosgraben mitgebracht. „Wasserpest und die auch noch von Schlamm bedeckt“, analysierte er eines davon. Dabei sei der Moosgraben in seiner Länge von Alsmoos bis zur Einmündung der Axt bei Pichl (von da an heißt er Edenhausener Bach) kein schlecht bewertetes Gewässer. „Es gibt zwei Stellen, an denen direkt über zwei Gullys der Acker in den Bach läuft. Wir haben einfach zu viel Erosion“, klagte Horst.

Eine dieser Stellen liegt in Alsmoos, eine in Binnenbach. Schlimm werde es, wenn Gülle oder Silowasser ins Gewässer gelange. Horst: „Dann ist dort tote Hose.“ Wie sehr solche „fäulnisfähigen Stoffe“ ein Gewässer biologisch töten können, machte eine Tabelle deutlich: Ein sauberer Bach weise ein Milligramm Stickstoff pro Liter Wasser auf, bei Gülleeintrag verätzen 5000 bis 50000 Milligramm Stickstoff pro Liter Kiemen und andere Fischorgane.

Jörg Thiel vom AELF hat die 15 Quadratkilometer auf den zehn Gemarkungen des Moosgrabeneinzugsgebietes analysiert. Er stellte fest, dass die Schlammablagerungen im Unterlauf des Gewässers ausschließlich vom Oberlauf stammen. Weizen- (20 Prozent), Silomais- (24), Gerste-Anbau (14) dominieren hier vor dem Grünland (17 Prozent). Als markant stellte Thiel die nur 13 Hektar „extensive Raufuttererzeugung entlang von Gewässern“ und ebenso die lediglich 0,5 Hektar „Gewässer- und Erosionsstreifen“ heraus. Auf 35 Hektar dieser 15 Quadratkilometer wird Ökolandbau betrieben. Thiel empfahl, den Anbau von Zwischenfrucht zu steigern, mehr Mulch- und Direktsaatverfahren einzusetzen und die Landwirte für einen möglichen Landtausch entlang der Gewässer zu sensibilisieren. Für Steve Gallasch vom WWA fehlen am Moosgraben vor allem die „Varianzen“. Ein gesundes Gewässer zeichnet sich aus durch verschiedene Fließgeschwindigkeiten, Wassertiefen, Gewässerbreiten, Ufer- und Sohlstrukturen. Dies alles fehle dem Bach, seit ihn die Flurbereinigung als schnurgeraden Strich in die Landschaft setzte. Nun sehen sich die Landwirte einem ihr Land fressendes Gewässer gegenüber. Der Bach holt sich sein Gelände zurück. Gallasch will aktiv werden: „Wenn wir was entwickeln wollen, dann brauchen wir Flächen.“

Michael Balleis, Bauer aus Hausen, erzählte, dass er in seiner Kindheit auf einem Kiesbett durch den Bach gewatet sei. Er machte für die Verschlammung auch den Eintrag aus den versiegelten Straßenflächen verantwortlich. Die Experten konterten mit harten Zahlen. „Wir haben zum Teil Erosionsmengen von acht Tonnen pro Hektar und Jahr. Dagegen ist, was von der Staatsstraße kommt, kaum relevant“, sagte beispielsweise Steve Gallasch. Balleis wollte auch wissen, warum eine Eingrünung als so wichtig erachtet werde. Dazu Horst: „Unsere Gewässer sind zu warm. Die Bepflanzung als Sonnenschutz muss auch kein Baum sein. Wenn der Bach schmal ist, reicht auch mal eine Staude wie das Mädesüß.“ Als ein Indikator für sauberes Wasser gilt der Bachflohkrebs. „Der verarbeitet Holz, also ist der Baum als natürlicher Uferbewuchs nicht verkehrt“, gab Horst zu bedenken.

Wolfgang Sailer ist überzeugt: „Diese Themen werden die Landwirte begleiten und zwar immer drängender, je näher es an das Stichdatum im Jahr 2027 geht.“ Balleis warb bei seinen Kollegen für das seit 2015 flexibler gehandhabte KuLaP (Kultur- und Landschaftsprogramm): „Da kann man sieben bis zwölf Meter vom Gewässerrand einbringen auf fünf oder zehn Jahre gestaffelt – und am Ende behält der Landwirt sein Land.“

Einzig Gallasch fand einen Wermutstropfen: „Der Bach wird ausbrechen und die Geradlinigkeit immer mehr durchbrechen.“ Doch genau hierfür warb Sailer bei den Bauern: „Stellt eure Grundflächen für die entsprechenden Programme zur Verfügung.“

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