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Spargel-Verband

13.03.2019

Eine Rheinländerin folgt auf Spargel-Papst Plöckl

Claudia Westner ist neue Vorsitzende des Spargelerzeugerverbandes Südbayern.
Bild: Gerline Drexler

Plus Die neue Vorsitzende des Spargelerzeugerverbandes Südbayern heißt Claudia Westner. Mit Spargel groß geworden ist sie nicht.

„Riesige Fußabdrücke“ sind es, in die Claudia Westner nach ihrem eigenen Empfinden tritt. Die 47-Jährige aus dem Kühbacher Ortsteil Haslangkreit ist die neue Vorsitzende des Spargelerzeugerverbandes Südbayern und damit Nachfolgerin von "Spargel-Papst" Josef Plöckl. Der 75-Jährige stand dem Verband 43 Jahre lang vor und kandidierte Anfang März nicht mehr. Jetzt ist Plöckl Ehrenvorsitzender – und wird Westner weiterhin unterstützen. Besonders in einem Fall ist sie darüber froh.

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Josef Plöckl
Bild: Erich Echter

Denn anders als die meisten Mitglieder des Erzeugerverbandes ist Westner nicht mit Spargel großgeworden. Sie ist im Rheinland geboren und in der Nähe von Düsseldorf aufgewachsen. Der einzige – weitläufige – Bezug zur Landwirtschaft war ihre Mutter, die aus einer Gärtnerei im Raum München kommt.

Von Düsseldorf über Mering nach Haslangkreit

Nach Abschluss der Realschule, Westner war 16 Jahre alt, zog die Familie nach Mering im Wittelsbacher Land. Die heutige Vorsitzende des Spargelerzeugerverbandes machte eine Ausbildung zur Industriekauffrau. In einer Diskothek in Egling lernte sie ihren späteren Ehemann Peter kennen, der in Eresing im Kreis Landsberg einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchvieh hatte.

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Ursprünglich überlegte das junge Ehepaar, den Hof auszusiedeln und zu vergrößern. Weil sich das nicht verwirklichen ließ, suchten die Westners nach Alternativen. So kamen sie 1997 in den Kühbacher Ortsteil, wo sie einen Hof kauften und umbauten. Statt weiter Milchvieh zu halten, bauen sie seitdem Getreide und Kartoffeln an.

Heute bauen die Westners 15 Hektar Spargel an

Mit dem Anbau einer Sonderkultur hatte das Ehepaar zwar schon geliebäugelt. Realisiert haben sie es jedoch erst später. Auf einer knapp einen Hektar großen Fläche bauten sie ihren ersten Spargel an. Die 47-Jährige erzählt: „Damals sind wir noch selber zum Stechen gegangen.“ Heute, rund 20 Jahre später, hat sie 16 Erntehelfer, die den Spargel auf der rund 15 Hektar großen Fläche ernten. Der frühere Schweinestall auf dem „Gut Haslangkreit“, wie sie ihren Hof nennen, wurde nach und nach für die Spargelverarbeitung umgebaut.

Auch von der Vermarktung her sei es eine andere Zeit gewesen, erinnert sie sich: „Die Leute kamen damals hierher.“ Den Spargel verkauften die Westners damals noch in der Garage. Heute müssten sie ihn „raustragen“ zum Verbraucher, sagt die 47-Jährige. In der Gärtnerhalle im Großmarkt in München haben die Westners einen Stand und verkaufen das Edelgemüse dort an Gastronomie und Einzelhandel. Sie sind auch auf Wochenmärkten in Krumbach und Eresing vertreten – und sie verkaufen nachmittags auch Spargel auf dem Hof.

Wie ein Rätselbild wirkt diese Luftaufnahme eines Feldes bei Inchenhofen, auf dem Erntehelfer Spargel stechen. Wenn der Winter überstanden ist und der Frühling Einzug hält, wird das Edelgemüse in der Region wieder frisch auf den Tisch kommen – vermutlich Ende März.
Bild: Ulrich Wagner

Während der Saison hat die 47-Jährige also alle Hände voll zu tun. Die Arbeit auf dem Feld erledigen vor allem ihr Mann und Sohn Johannes, der gerade seinen Landwirtschaftsmeister macht. Westner selbst kümmert sich vor allem um die Büroarbeit und Organisation. Eine Arbeit, die auch immer umfangreicher wird. „Die Bürokratie frisst einen auf“, sagt sie. Arbeitete sie früher mit einer Handvoll Ordnern, so füllen diese nun eine Schrankwand im Büro. Die gestiegenen Anforderungen an die Spargelbauern machen sich auch im Verband bemerkbar. „Es werden immer weniger Anbauer“, sagt Westner. Vor 30 Jahren waren es rund 300, die im Schnitt eine Spargelfläche von einem Hektar hatten. Heute zählt der Verband knapp 70 Mitglieder, die durchschnittlich zehn Hektar bewirtschaften.

Im Mai wird die Spargelkönigin gekrönt

Wenn im Mai auf dem Schrobenhausener Volksfest die neue Spargelkönigin gekrönt wird, ist für die Spargelbauern gerade Hochsaison. Ende März wird es heuer losgehen, glaubt Westner. Auch ihre Berufskollegen im Wittelsbacher Land gehen davon aus, dass das Bleichgemüse bei den aktuellen Wetterbedingungen zum Monatsende auf den Markt kommt. Das wäre dann etwas früher als im vorigen Jahr, als der lange Winter und kühle Frühling die Ernte verzögert hatte. Während der Erntestart witterungsbedingt schwankt, steht das Ende fest: An Johanni, am 24. Juni, ist Schluss.

Aber noch mal zur Königin: Westner ist froh, dass Ehrenvorsitzender Plöckl die Krönungsfeierlichkeiten weiter in seiner unnachahmlichen Art moderieren wird. Zum einen, weil ihr die Zeit fehlen wird. Aber auch, weil die 47-Jährige nicht so gerne im Rampenlicht steht. „Das ist nicht so mein Ding.“

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