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Aichach

08.10.2019

Mann arbeitet ohne Führerschein als Paketzusteller

Ohne Führerschein hat ein Mann als Berufskraftfahrer gearbeitet. Jetzt stand er in Aichach vor Gericht. (Symbolfoto)
Bild: Bernhard Weizenegger

Das Amtsgericht Aichach verurteilt einen Berufskraftfahrer aus Augsburg. Die Polizei hat ihn auf der B300 erwischt. Er steht nicht zum ersten Mal vor Gericht.

Es ist nicht leicht, in der Fremde Fuß zu fassen. Der Grieche, der jetzt im Aichacher Amtsgericht zu einer Gefängnisstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, versucht es trotzdem. Seit drei Jahren kämpft er um Job und Unterkunft auf bayerisch-schwäbischem Terrain. Vier Mal war der Mann in dieser Zeit bereits verurteilt worden. Nun ging es im Aichacher Amtsgericht darum, dass der Berufskraftfahrer im Auftrag eines Paketzustelldienstes ohne Führerschein mit einem Lieferwagen auf der B300 unterwegs war.

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Im Gerichtssaal räumte der Mann das auch ein. Die Polizei hatte ihn Mitte Dezember auf der Bundesstraße ohne Führerschein erwischt, als er mit dem Lieferwagen eine Panne hatte. Er sei von Augsburg kommend in Richtung Norden gefahren, um in der Zentrale des Paketzustelldienstes Arbeit abzuholen, erklärte er Richter Walter Hell.

Laut Gutachter hatte der Mann Medikamente im Blut

Wie der Mann ohne eigenen Wagen zur Arbeit gekommen war, wollte er nicht sagen. Verteidiger Stefan Mayer sagte im Gerichtssaal, dass sich sein Mandant auch nicht zu den Blutwerten äußern würde. Die Rechtsmedizin hatte unter anderem Paracetamol und Morphium im Blut des Fahrers festgestellt. Letzteres gehört zu den Opiaten.

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Im Sommer 2018 hatte der Angeklagte den Job beim Paketzustelldienst begonnen. Zuvor hatte er bei einem Online-Versandhändler gearbeitet und in einem Lager. Wegen einer Fußverletzung hatte er diese Tätigkeit jedoch aufgeben müssen. Er war noch nicht lange für den Paketzusteller gefahren, als die Polizei ihm nach einer Unfallflucht im Herbst 2018 den Führerschein abgenommen hatte. Trotzdem war der Mann weiter mit dem Lieferwagen für den Paketzusteller unterwegs.

Der Richter findet klare Worte

Dafür fand Richter Walter Hell im Gerichtssaal klare Worte: „Es kann nicht angehen, dass man es vollkommen beiseite lässt, was die Polizei sagt.“ Es falle ihm schwer, die vom Verteidiger angeführte Reue des Angeklagten zu erkennen, sagte der Richter weiter: „Sie geben nur zu, was man Ihnen nachweisen kann.“

Das Vorstrafenregister des Griechen war innerhalb von drei Jahren zustande gekommen: Leistungserschleichung 2017, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz 2018, dann die Fahrerflucht und schließlich 2019 noch eine Verurteilung, weil der Mann eine Tafel Schokolade im Wert von einem Euro in einem Augsburger Supermarkt geklaut hatte. Während der Tat hatte er ein Taschenmesser in seiner Hosentasche, sodass daraus ein bewaffneter Diebstahl wurde, der ihm sieben Monate Haft auf Bewährung einbringen sollte.

Zeitweise lebte der Angeklagte auf der Straße

Zeitweise hatte der Angeklagte auch auf der Straße gelebt. Dass er nun wieder Arbeit bei einer Firma gefunden hat, die ihm ein Zimmer zur Verfügung stellt, führte vor Gericht zu einer positiven Sozialprognose.

Staatsanwalt Alexander Egger hielt eine Gefängnisstrafe mit Blick auf die Vorstrafen dennoch für unerlässlich. Verteidiger Stefan Mayer wollte es bei einer Geldstrafe belassen.

Richter Walter Hell verurteilte den Mann zu einer Gesamtstrafe von zehn Monaten Haft auf Bewährung. Die vorangegangene Gefängnisstrafe wurde hier gleich mit einberechnet. Außerdem muss der Mann 1500 Euro an die Drogenhilfe Schwaben als gemeinnützige Einrichtung zahlen. Frühestens in einem Jahr darf er wieder einen Führerschein beantragen.

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