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Prozess in Aichach

29.01.2019

Mann baut Cannabispflanzen in seinem Weinkeller an

Ein 36-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg baute in seinem Weinkeller Cannabis an. 18 Pflanzen entdeckte die Polizei dort.
Bild: Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein 36-Jähriger aus dem Landkreisnorden will das Cannabis angeblich für den eigenen Konsum nutzen. Doch ein anonymer Anrufer verpfeift ihn bei der Polizei.

Statt für die Lagerung eines edlen Tröpfchens nutzte ein 36-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis seinen Weinkeller anders: Er baute dort 18 Cannabispflanzen an. Die zweite Ernte holte die Polizei ein, nachdem ein anonymer Anrufer den Mann verpfiffen hatte. Der 36-Jährige musste sich am Montag wegen unerlaubten Handels mit Drogen vor dem Schöffengericht in Aichach unter Vorsitz von Richter Walter Hell verantworten. Das Gericht glaubte dem Angeklagten, dass er sein Leben geändert habe. Einen Punkt nahm es ihm aber nicht ab.

Schon mit etwa 20 Jahren fing der Angeklagte laut seiner Aussage mit dem Kiffen an. Etwa 80 Gramm Marihuana konsumierte er durchschnittlich pro Monat. Dann kam er auf die Idee, selbst anzubauen. Das nötige Wissen holte er sich aus dem Internet. Ebenso wie ein komplettes Aufzuchtset mit Gewächshausschränken und Filtern für rund 350 Euro.

Bei der zweiten Ernte „half“ ihm die Polizei

Die erste Ernte seiner Cannabiszucht konnte er noch einholen, bei der zweiten „half“ ihm im Januar vergangenen Jahres dann schon die Polizei. Die hatte von einem „mutmaßlich männlichen Anrufer“ einen anonymen Hinweis auf die Plantage erhalten. Normalerweise würden sie anonymen Hinweisen nicht nachgehen, sagte die Polizeibeamtin aus. In diesem Fall hatte der Anrufer aber viele Details genannt. Unter anderem, dass im Keller zwei Aufzuchtschränke stünden und eine Kamera am Hauseingang vor der Polizei warnen solle. Daraufhin veranlasste die Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung der Wohnung.

Neben den 18 Pflanzen fand sie dort weitere fünf Gramm Marihuana sowie zwei Gramm Kokain. Die Ernte der getrockneten Pflanzen ergab fast 500 Gramm Marihuana.

Diese Menge sei zum großen Teil für den eigenen Konsum seines Mandanten gedacht gewesen, sagte Verteidiger Jörg Sklebitz. Etwa ein Drittel davon habe er an Freunde abgeben wollen. Dass der Angeklagte das kostenlos tun wollte, glaubte das Schöffengericht ihm nicht. Vor allem, weil er ausgesagt hatte, dass sich der Anbau wegen der hohen Stromrechnung nicht gelohnt habe.

Gekauftes Marihuana war ohnehin besser als das eigene

Qualitativ sei das gekaufte Marihuana besser gewesen als sein Eigenanbau, räumte der 36-Jährige ein. Seine 500 Gramm hatten einen Wirkstoffgehalt von mindestens 5,8 Prozent. Die gekauften fünf Gramm lagen bei 13,8 Prozent.

Staatsanwältin Franziska Deisenhofer rechnete dem Angeklagten sein Geständnis an. „Obwohl es nicht mehr viel zu gestehen gibt, wenn die Polizei reinrumpelt und 18 Pflanzen findet.“ Gegen den 36-Jährigen sprach aus Sicht der Staatsanwältin, dass es eine erhebliche Menge Marihuana gewesen war und die Polizei teilweise auch harte Drogen gefunden hatte. Sie sprach sich für eine zweijährige Bewährungsstrafe aus und plädierte für eine Geldauflage von mindestens 3000 Euro sowie den Nachweis eines drogenfreien Lebens und Gespräche bei der Suchtberatung.

Verteidiger Sklebitz wies darauf hin, dass bei der Durchsuchung nur klassische Utensilien eines Drogenkonsumenten gefunden wurden. Auch bei der Auswertung des Handys seines Mandanten habe die Polizei nichts über Abnehmer gefunden. Sklebitz sprach sich für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten aus sowie den Nachweis eines drogenfreien Lebens.

Gericht verurteilt Angeklagten zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung

Das Schöffengericht verurteilte den 36-Jährigen wegen unerlaubten Besitzes von Drogen in nicht geringer Menge sowie Handels zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Außerdem muss er 3000 Euro an die Drogenhilfe Schwaben zahlen und drogenfrei leben.

Das Schlusswort des Angeklagten: „Es war mir eine Lehre.“ Er verlor seinen Arbeitsplatz, nachdem auch bei seinem früheren Arbeitgeber ein anonymer Anruf eingegangen war. Vermutlich von dem Gleichen, der ihn auch bei der Polizei verpfiffen hatte, mutmaßte der 36-Jährige.

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