1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Mann bestellt im Internet gefälschten Führerschein aus Polen

Aichach-Friedberg

23.01.2020

Mann bestellt im Internet gefälschten Führerschein aus Polen

Ein 34-Jähriger stand jetzt vor dem Aichacher Amtsgericht, weil er sich einen gefälschten polnischen Führerschein im Internet bestellt hat.
Bild: Symbolfoto Oliver Berg/dpa

Plus Ein 34-Jähriger aus dem Raum Aichach sucht Ersatz für seinen gesperrten Führerschein und findet ihn im Netz. Das gefälschte Papier bringt ihn vor Gericht

Das Ersparte der Oma gab ein 34-Jähriger aus dem Raum Aichach für einen gefälschten polnischen Führerschein aus. Er bestellte ihn im Herbst 2018 im Internet bei Anbietern, die laut seiner Aussage viele gute Bewertungen hatten. Die Polizei fand das gefälschte Dokument bei einer Durchsuchung seiner Wohnung. Wegen Verschaffens von falschen amtlichen Ausweisen stand der 34-Jährige jetzt vor dem Amtsgericht Aichach.

Als sehr kooperativ beschrieb der Beamte der Aichacher Polizei den Angeklagten. Er habe ihnen bei der Wohnungsdurchsuchung sofort den Führschein sowie eine beglaubigte Abschrift, die den rechtmäßigen Erwerb dokumentieren sollte, übergeben. Über das gefälschte Dokument sagte der Polizist: „Es war sehr gut gemacht, muss ich ehrlich sagen.“ Er konnte sich vorstellen, dass der falsche Führerschein bei Kollegen, die mit der Materie nicht so vertraut seien, durchrutschen könnte. Der Beamte, der Erfahrung im Umgang mit ausländischen Dokumenten hat, stellte bei dem sichergestellten Führerschein mehrere Abweichungen gegenüber einem echten polnischen Führerschein fest.

Im Internet stand: zu 100 Prozent gültig

Der Angeklagte hatte ihn für 2000 Euro im Internet gekauft. „Ich bin davon ausgegangen, dass es eine rechtlich gültige Sache ist“, sagte der 34-Jährige vor Gericht. „Im Internet stand: 100 Prozent gültig.“ Auch Fahrstunden brauche man keine. Worauf Richter Walter Hell den Angeklagten fragte: „Wie naiv sind Sie denn?“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Aufgeflogen war alles, weil die Polizei den Anbietern in Nordrhein-Westfalen auf die Schliche gekommen war. Über die Telefonnummer war die Kriminalpolizei auf den Abnehmer im Raum Aichach gestoßen und hatte den Hinweis an die Polizeiinspektion weitergegeben.

Auf Nachfrage des Richters erzählte der Angeklagte, der keinen Verteidiger hatte, warum er sich überhaupt darauf eingelassen hatte. Als Jugendlicher war er erwischt worden, als er alkoholisiert mit einem Mofa gefahren war. Um als 18-Jähriger für die Führerscheinprüfung zugelassen zu werden, musste er eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) machen. Das habe er versucht, sei wegen fehlender Vorbereitung aber durchgefallen, so der Angeklagte. „Ich habe es dann nie mehr probiert.“

Der tschechische Führerschein wurde eingezogen

Als Alternative wich er stattdessen auf einen tschechischen Führerschein aus. Den zog die Polizei jedoch vor rund drei Jahren ein. Der 34-Jährige war betrunken Auto gefahren und musste sich wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs vor Gericht verantworten. Der Führerschein wurde gesperrt.

Statt sich erneut zur MPU anzumelden, wurde er im Internet bei seiner Suche nach Anbietern für einen Führerschein fündig. Das Geld für den Schein habe er von der Oma bekommen, sagte er aus. „Es war ihr Erspartes.“

Die Aussage des Angeklagten, dass er das Dokument für gültig gehalten habe, sah Staatsanwalt Daniel Kulawig als Schutzbehauptung an. Er plädierte für eine neunmonatige Bewährungsstrafe sowie 1200 Euro Geldbuße.

Dem schloss sich Richter Hell an, setzte die Geldbuße aber auf 1000 Euro fest, zahlbar an das Diakonische Werk in Augsburg. Der Richter war überzeugt: „Sie sind nicht so blöd zu glauben, dass Sie das, was andere mit Hürden erreichen, durch Bezahlen erreichen können.

Lesen Sie dazu auch: 21-Jähriger kauft einen Führerschein im Internet

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren