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Aichach

12.10.2019

Mann ist 135 Mal ohne Führerschein unterwegs

Am Amtsgericht Aichach musste sich ein 31-Jähriger verantworten. Er fuhr 135 Mal ohne Führerschein. (Symbolbild)
Bild: Katja Röderer

Plus 31-Jähriger fährt ohne Fahrerlaubnis regelmäßig. Weder als Zeitsoldat, noch bei Firmen fliegt er auf. Bis eine genauer hinschaut.

Er belog seine Lebensgefährtin, er belog seine Arbeitgeber. Nur seine engsten Angehörigen wussten Bescheid, dass er gar keinen Führerschein besaß – und trotzdem regelmäßig Auto fuhr. Sage und schreibe 135 Mal saß er am Steuer, ohne eine Fahrerlaubnis zu haben. Bis der Schwindel aufflog und sein Arbeitgeber ihn fristlos rauswarf.

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Auf der Anklagebank im Amtsgericht Aichach versucht der 31-Jährige gar nicht erst, sich herauszureden. Im Gegenteil. „Ich bin froh, dass es jetzt raus ist“, sagt er. Schon bei der Polizei gibt er zuvor mehr Autofahrten zu, als sie ihm nachweisen könnte. Deshalb – und nicht etwa, weil er 135 Mal erwischt worden wäre – ist die Zahl der unerlaubten Autofahrten in der Anklageschrift so hoch. Doch bis dahin hat die Täuschung Methode.

Aichach: Der Mann war sogar bei der Fahrschule

Seine Lebensgefährtin stellt ihm für die tägliche Fahrt zur Arbeit ein Auto zur Verfügung. Der 31-Jährige, der aus dem nördlichen Landkreis stammt, erzählt ihr nicht, dass er in seinem ganzen Leben noch keinen Führerschein besessen hat. Zwar geht er, nachdem er volljährig ist, sehr wohl zur Fahrschule. Doch bei der ersten Theorieprüfung fällt er durch. Als er ein Vierteljahr später mit ein paar Kumpels einen zweiten Anlauf unternimmt, scheitert dieser an den Folgen des feuchtfröhlichen Vorabends. Zur praktischen Prüfung tritt er nie an.

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Auch deshalb, weil er bald darauf als Zeitsoldat zur Bundeswehr eingezogen wird. Dort gibt er erfolgreich vor, einen Führerschein zu besitzen. Weil seine Lüge unentdeckt bleibt, schicken ihn seine Vorgesetzten sogar in eine Art Aufbau-Kurs, damit er mit Fahrzeugen mit Bundeswehr-Kennzeichen auf öffentlichen Straßen unterwegs sein darf. Mit denen fährt er denn auch tatsächlich auf öffentlichen Straßen – nur eben ohne den Führerschein, den er vor dem Aufbaukurs eigentlich gebraucht hätte.

Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr arbeitet er bei unterschiedlichen Firmen im nördlichen Wittelsbacher Land. Nur eine schaut genauer hin. Weil er ersatzweise als Fahrer einspringen soll, wenn Not am Mann ist, will das Unternehmen die entsprechende Berechtigung in seinen Führerschein eintragen lassen. Als er ihn nicht vorlegen kann, fragt eine Mitarbeiterin beim Landratsamt nach und erfährt dort die Wahrheit. Die vorherigen Wege zur Fahrschule legt der 31-Jährige übrigens ebenfalls mit dem Auto zurück.

Amtsgericht: 2000 Euro an die Verkehrswacht

Was Richter Walter Hell schwer zu denken gibt, ist ein Urteil des Amtsgerichts Augsburg von 2017. Es verurteilt den Angeklagten zu einer Geldstrafe – wegen Fahrens ohne Führerschein. „Das hat Sie offenbar wenig beeindruckt“, hält Hell dem Mann vor. Dieser nickt. Was seine Lebensgefährtin gesagt habe, als sie die Wahrheit erfuhr, will der Richter wissen. Sie sei „wenig begeistert“ gewesen, räumt der Mann auf der Anklagebank ein. „Das Vertrauen war sehr gebrochen, weil ich sie die ganze Zeit angelogen habe.“

Staatsanwalt Nikolaus Bernhard fordert wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in 135 Fällen eine neunmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung für den 31-Jährigen. Dem schließt sich der Richter an. Der Angeklagte muss außerdem eine Geldauflage von 2000 Euro an die Kreisverkehrswacht zahlen. Weil er ohne Rechtsanwalt erschienen ist, erklärt ihm der Richter noch einmal ganz genau, was das Urteil bedeutet: Drei Jahre darf er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen, sonst muss er seine Strafe absitzen. „Und beim nächsten Mal Fahren gibt’s keine Bewährung mehr“, stellt Hell klar. Er rät dem Angeklagten: „Gehen Sie so bald wie möglich in eine Fahrschule und schauen Sie, dass Sie einen Führerschein kriegen!“

Eine Sperre verhängt der Richter nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Angeklagten sei der 31-Jährige ehrlich gewesen und habe sehr viel mehr zugegeben, als ihm nachgewiesen werden konnte. Regelrecht freudestrahlend nimmt dieser das Urteil auf. Als der Richter verdutzt nach dem Grund fragt, erklärt der Angeklagte: Er kenne sich mit Rechtsangelegenheiten nicht so aus, aber er habe im Internet nachgelesen, welche Strafe ihn wohl erwarte; er habe mit einem lebenslangen Fahrverbot und 12000 Euro Strafe gerechnet. Es tue ihm leid, was er getan habe, versichert er. Noch im Gerichtssaal nimmt er das Urteil an. Es ist damit rechtskräftig.

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