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21.12.2019

Sand ist ein Dorf und kein Stadtviertel

Der Todtenweiser Gemeinderat ist gegen die Wohnquartier-Pläne eines Investors im Ortsteil Sand.
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Der Todtenweiser Gemeinderat ist gegen die Wohnquartier-Pläne eines Investors im Ortsteil Sand.
Bild: Erich Echter (Archv)

Plus Warum Anwohner und Gemeinderat recht haben, wenn sie die Pläne eines Investors für ein ganzes Wohnquartier im kleinen Dorf Sand ablehnen.

Sand ist ein kleines Dorf. 425 Einwohner leben derzeit im Ortsteil von Todtenweis. Die Lechraingemeinde selbst mit insgesamt rund 1400 Bürgern gehört zu den drei kleinsten Kommunen im Wittelsbacher Land. Wenn jetzt 175 Menschen in ein massiv bebautes neues Wohnquartier in Sand ziehen würden, bedeutet das einen Bevölkerungszuwachs von über 40 Prozent in ganz kurzer Zeit. Das ist so, als wenn München von heute 1,5 Millionen auf 2,1 Millionen wachsen würde oder wenn die Kernstadt von Aichach von derzeit 10650 Einwohnern in Jahresfrist auf über 15000 Einwohner explodieren würde.

Das würde jede Dorfstruktur sprengen

Jeder, der sich diese nüchternen Zahlen vor Augen führt, wird zustimmen, dass das jenseits von Gut und Böse oder vorstellbar ist. Nein, das würde jede Struktur sprengen. Aus einem Dorf würde zunächst ein Mischmasch aus Siedlung, Wohnblock-Bebauung und Altort und mittelfristig eine Trabantensiedlung. Wen wundert, dass Anwohner und Entscheidungsträger im Gemeinderat Sturm laufen und so ein Projekt ablehnen. Alles andere wäre doch Selbstaufgabe der eigenen Identität, Geschichte und der selbstbestimmten Entwicklung seiner Gemeinde.

Organisches und maßvolles Wachstum

Ja, auch Todtenweis wird wachsen und braucht Bauland und günstigen und kleinteiligeren Wohnraum und nicht nur Einfamilienhäuser – vor allem für die eigenen jungen Bürger, aber auch für andere Menschen. Aber Dörfer wie Sand dürfen nur organisch und maßvoll wachsen, damit sich die Menschen weiter zu Hause fühlen, wo ihre Heimat ist. Wer sehen will, wie kleine Orte vom Wohnblockbrei umzingelt werden, sollte mal in den Münchner Westen fahren und sich ehemalige Dörfer wie Gröbenzell, Eichenau, Olching, Puchheim anschauen und was daraus in wenigen Jahrzehnten geworden ist. Der barocke Kirchturm ist Restrelikt.

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Auch im Betongeld-Boom die Kapelle im Dorf lassen

In Zeiten der Wohnungsknappheit und im Betongeld-Boom scheint aber der Zweck alle Mittel zu heiligen. Es funkeln Dollarzeichen bei Grundstückseigentümern und Bauträgern und der Bedarf sei absolut da, argumentiert der Investor. Klar, wer nach eigenen Angaben den Quadratmeter Bauland für weniger als 100 Euro kauft und mit einer städtisch anmutenden Wohnbebauung maximal zupflastern will, der kann bei den Verkaufspreisen oder den Mieten deutlich unter der Konkurrenz im Großraum Augsburg bleiben und den Siedlungsdruck maximal für sich ausnutzen. Draufzahlen müssten die draußen auf dem Land. Sand hat ja keine Kirche, aber wer kann eigentlich nicht verstehen, dass die Menschen dort die „Kapelle im Dorf lassen“ wollen?

Lesen sie dazu den Artikel Todtenweis lehnt Wohnquartier in Sand einstimmig ab

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