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Aichach-Friedberg

29.07.2020

Sind die Seen im Landkreis Aichach-Friedberg überlastet?

Noch hält sich die Zahl der Besucher an den heimischen Seen, wie etwa dem Radersdorfer Baggersee, in Grenzen. Mit dem Auftakt der Sommerferien könnte sich das allerdings ändern.
Bild: Helene Monzer

Plus Viele Menschen suchen trotz Corona Badespaß - auch im See. Welche Folgen der Ansturm auf die Natur hat und was das für Aichach-Friedberg bedeutet.

Die Vorschriften wegen Covid-19 vergällen vielen Badegästen die Freude am Besuch im Freibad. Umso mehr ist diesen Sommer an den Seen los. Doch welche Folgen hat dieser Ansturm für die Natur? Ohnehin haben einige Seen mit Problemen zu kämpfen. So ist Franz Reißner aufgefallen, dass der Wasserstand am Friedberger See gesunken sei: „Vor 18 Jahren hat die Stadt Friedberg Uferbefestigungen in Form von Steinen angebracht, die zur Hälfte im Wasser lagen. Mittlerweile sind diese komplett freigelegt“, erzählt der ehemalige Stadtrat. Für diese Entwicklung sei wahrscheinlich der niedrige Grundwasserspiegel verantwortlich, glaubt Reißner. Ursprüngliche Idee sei es gewesen, durch die Steine das Erdreich vor Wellen zu schützen, damit es nicht weggeschwemmt wird. Im Moment reicht das Wasser nicht einmal über den Kies am Ufer hinaus.

Herbert Lipp vom Fischereiverein Friedberg macht dafür ebenfalls den Grundwasserstand verantwortlich: „Der Grundwasserpegel fällt und steigt immer wieder, doch ist er in den letzten Jahren insgesamt gesunken.“ Dadurch sinke auch der Wasserstand der Seen, erläutert er. Ein weiterer Grund sei die vergangene Dürrezeit.

Wenig Wasser: Die Gefahren am Friedberger Baggersee steigen

Die Wasserwacht am Friedberger See hofft, dass der Wasserpegel durch mehr Regen wieder ein wenig steige. Trotzdem entstehen durch den niedrigen Stand des Wassers am Friedberger Baggersee laut Reißner auch Gefahren für Badegäste: „Das Ufer fällt sehr schnell steil ab, dadurch kann man schnell nicht mehr stehen, wenn man ins Wasser läuft.“ Am See kommt es immer wieder zu Unfällen mit Badegästen, die nicht gut schwimmen können und sich überschätzen. Vor einigen Jahren ertrank ein junger Mann, vergangenes Jahr konnte die Wasserwacht einen anderen gerade noch retten. Reißner sieht aktuell ein besonders hohes Gefahrenpotenzial. „Am Samstag waren mindestens 200 Kinder am Baggersee“, erzählt er.

Sind die Seen im Landkreis Aichach-Friedberg überlastet?

Für Herbert Lipp stellen solche Besuchermassen auch eine Herausforderung für die Seen an sich dar: „Dass mehr Menschen an die Seen gehen, ist auf alle Fälle eine Mehrbelastung für die Gewässer.“ Es komme aber sehr darauf an, wie sich die Badegäste verhalten. Frischwasser komme zwar immer wieder nach, trotzdem habe es Einfluss auf die Wasserqualität, wenn derart viele Menschen darin baden. Laut Patricia Ernst vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth ist derzeit an der Messstelle St. Afra kein niedriger Grundwasserstand verzeichnet. Obwohl die Lechregion durch den Schotterboden bekannt dafür sei, dass der Grundwasserstand Auswirkungen auf die Pegel der Gewässer hat, sei den Messungen nach kein Zusammenhang zu erkennen.

Mehr Menschen an den Seen verursachen auch höhere Kosten

Elisabeth Burkhard, Geschäftsführerin des Erholungsgebietevereins Augsburg, sagt zur Belastung der Seen: „Mehr Menschen an den Seen bedeuten auch höhere Kosten für die Verwaltung.“ Die Müllentsorgung sei ein Punkt, der dabei schwer ins Gewicht fällt. Viele Leute lassen ihren Abfall einfach auf der Wiese liegen. Das ist auch den Aichacher Wasserwachtlern aufgefallen.

Der technische Leiter André Seitz sagt, dass Müll am Badesee grundsätzlich ein Problem sei. Er fragt sich, warum die Leute ihre Abfälle nicht mit nach Hause nehmen können. Am Radersdorfer See stehen keine Mülltonnen, weil diese die Insekten anziehen. Am Mandlachsee in Pöttmes gibt es zwar Mülltonnen, aber rundherum sehe es nicht gerade aufgeräumt aus, berichtet der Wasserwachtler. Langfristige Schäden rund um die Ufer oder in den Seen selbst seien im Moment nicht zu beklagen. Die Wasserproben waren an beiden Seen unbedenklich.

Insgesamt sei die Lage ruhig. Am Mandlachsee herrscht ungefähr so viel Betrieb wie in anderen Sommern auch. Am Radersdorfer Baggersee sind dagegen etwas mehr Badegäste als in anderen Jahren zu verzeichnen. Der große Ansturm ist aber auch hier bislang ausgeblieben. Infolgedessen hatten die Retter in etwa so viel zu tun wie sonst auch.

Jedes Wochenende werden die Badeinseln im Eisweiher kontrolliert

Wie es in den Ferien weitergeht, kann auch die Wasserwacht Aindling nur schwer einschätzen. Der technische Leiter Jürgen Liepert sagt, dass an den Sander Seen bei Todtenweis nicht viel mehr los sei als sonst. „Wir von der Wasserwacht freuen uns auf viele Badegäste“, erklärt er. Vorbereitet seien sie auf den Ansturm: Jedes Wochenende werden die zwei Badeinseln im Eisweiher und im U-Weiher kontrolliert. Taucher überprüfen deren Sicherheit unter Wasser. Außerdem werden die Liegeflächen regelmäßig gemäht.

Wie voll sie in den nächsten Wochen werden, wird sich zeigen. Vor allem Hitze könnte die Situation schnell ändern. Dann können auch Blaualgen wieder zum Problem werden. Sie wurden 2019 im Merchinger Mandichosee (Lechstausee) entdeckt. „Für Hunde war das eine sehr gefährliche Situation. Der Gewässerschutz testet das Wasser der Seen aber regelmäßig, dieses Jahr ohne Befund von Blaualgen, dafür mit guten Ergebnissen bezüglich der Wasserqualität“, sagt Fischer Lipp. Außerdem bestand die Gefahr, dass die Blaualgen sich den Lech hinunter ausbreiten könnten. Laut Lipp ist es schwer vorauszusehen, ob Blaualgen oder ähnliche Problematiken wieder aufkommen. Im Moment seien die Seen im Umkreis aber in guter Verfassung. (mit kabe)

Lesen Sie dazu auch:Das eigene Sommerparadies schützen

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