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Wohnen

12.01.2020

Tiny-Häuser: Wie Nicole Häuslein aus Rehling um ihr Häuslein kämpft

Genug Platz für Frau und zwei Cavalier King Charles Spaniel: Nicole Häuslein, 49, wohnt in Rehling am Buchenweg alleine in einem Tiny-Haus.
Bild: Philipp Schulte

Plus Mittel gegen Wohnungsnot? Tiny-Häuser sind klein und ökologisch. Wie zwei Besitzer in zwei Gemeinden auf Widerstände stoßen.

Dass Nicole Häuslein in einem Häuslein wohnt, ist ihr Schicksal. Das sagt sie, als sie in ihrem Mini-Haus auf dem Sofa sitzt und ihr die sanfte Wintersonne ins Gesicht scheint. Die Strahlen kommen durch die nach Osten gerichtete Glasfront herein. Das mit dem Namen „ist doch der Hammer, oder?“, sagt Häuslein. Die große, blonde Frau, 49, zeigt an diesem Vormittag ihr Zuhause und entschuldigt sich, dass noch nicht alles fertig ist.

Region Augsburg: Zwei Tiny-Häuser gibt es im Wittelsbacher Land

Nicole Häuslein wohnt in Rehling im Kreis Aichach-Friedberg alleine in einem Tiny-Haus. Es ist eines von zweien im Wittelsbacher Land. Das andere steht in Baar. Ob es die Häuser auch im Kreis Augsburg gibt, ist nicht bekannt. Das Landratsamt Augsburg erhebt keine Statistik zu den kleinen Häusern.

Das kleine Häuschen hat kaum Garagengröße.

Tiny ist Englisch und heißt winzig. Die Idee, kleine Häuser zu bauen, stammt aus den Vereinigten Staaten. Dort hat sich 2017 eine Bewegung gegründet, die das Leben in kleinen Häusern voranbringt. Tiny-Häuser haben eine Größe zwischen 15 und 45 Quadratmetern, Kunden kaufen sie oft komplett. Die Häuser haben meist ein Satteldach und bestehen aus Holz. Manche stehen auf Rädern.

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Aichach-Friedberg: Nicole Häuslein zeigt ihren Chaos-Raum

Nicole Häuslein lebt auf 28 Quadratmetern. 100.000 Euro hat ihr Tiny-Haus gekostet. Wer es betritt, um dessen Füße wuseln die Hunde Suhani, 8, und Sukie, 10, beide Cavalier King Charles Spaniel, herum. Es riecht nach Holz. Rein in den Flur, links das Bad mit Dusche, vier Quadratmeter groß, rechts daneben ein Stauraum, in dem Wasserboiler, Stromkasten, Jacken, Hundespielzeug untergebracht sind. „Das ist mein Chaosraum“, sagt Häuslein und bückt sich, um ihn zu betreten. Über der Kammer herrscht Ordnung, das Bett ist gemacht und die Küche in der hinteren Haushälfte aufgeräumt. Küche und Wohnzimmer bilden einen Raum, wie eigentlich alles ein einziger Raum ist.

Häuslein wollte die zwölf Tonnen schwere Kabine, wie der Hersteller sie nennt, in Rehling zunächst an die Bergfeldstraße anstatt an den Buchenweg stellen. Da, wo sie auch eine Koppel für ihre zwei Pferde hat. Doch der Gemeinderat lehnte das in einer Vorbesprechung ab. Es seien sechs Räte dafür und sieben gegen das Projekt gewesen, sagt Häuslein, die in Rehling aufgewachsen ist und als Angestellte im Vertrieb eines großen Telekommunikationsunternehmens arbeitet. Über Umwege erfuhr sie von Äußerungen, ihre Pferde würden verschwinden, wenn sie das Projekt am ursprünglichen Ort weiterverfolge. Davon weiß auch Rehlings Bürgermeister Alfred Rappel, 62. Anwohner hätten befürchtet, dass an der Bergfeldstraße eine Tiny-Haus-Siedlung entsteht.

Wittelsbacher Land: Das müssen Besitzer von Tiny-Häusern beachten

Um ein Tiny-Haus aufzustellen, müssen Besitzer dieselben Vorgaben des Bebauungsplans erfüllen, wie wenn sie ein Haus bauen. Sie müssen etwa Abstände, Raumhöhe und Brandschutz einhalten. Auch Tiny-Häuser auf Rädern, in denen Besitzer dauerhaft wohnen, fallen unter diese Regeln.

Ausgenommen sind Wohnwagen, die auch kleine Häuser sind, aber wiederum anderen Vorschriften unterliegen. Die Gemeinde entscheidet in der Regel darüber, ob ein Tiny-Haus genehmigt wird oder nicht. Es braucht eine Baugenehmigung, wenn es größer als 75 Kubikmeter ist. Bei einer normalen Raumhöhe von 2,40 Metern sind das etwa 20 Quadratmeter.

Nicole Häuslein, 49, wohnt in Rehling am Buchenweg in einem Tiny-Haus. Sie hat es für 100 000 Euro gekauft und verfügt über 28 Quadratmeter.
Bild: Philipp Schulte

Nicole Häuslein wünscht sich, dass es einfacher geht, Tiny-Häuser aufzustellen. „Das Baurecht ist extrem“, sagt sie. Es heiße auch immer, dass Gemeinden Baugebiete für junge Familien anböten. Da habe sie als allein stehende Frau keine Chance. In Häusleins vorheriger 100 Quadratmeter großen Wohnung, die sich direkt gegenüber ihres Häusleins befindet, wohnt nun eine Familie. Die 49-Jährige brauchte nicht mehr so viel Platz und wollte Eigentum. 90 Prozent ihres Hausstands hat sie aussortiert.

Nicole Häuslein, 49, wohnt in Rehling am Buchenweg in einem Tiny-Haus. Sie hat es für 100 000 Euro gekauft und verfügt über 28 Quadratmeter.
Bild: Philipp Schulte

Das zweite Tiny-Haus im Wittelsbacher Land steht in Baar – auf Rädern. Maximilian Eller, 27, aus Meitingen im Kreis Augsburg ist der Besitzer. Allerdings wohnt er noch nicht darin, der Baarer Gemeinderat lehnte seinen Bauantrag für das Baugebiet Zeintl im Dezember vergangenen Jahres deutlich ab. Zwei Gemeinderäte sagten, dass sie lieber Wohnraum für Familien schaffen wollen und das Haus nicht in das Neubaugebiet passe.

Meitingen: Maximilian Eller findet einen „wunderschönen Stellplatz“, wie er sagt

Ellers „wunderschöner Wagen“, wie er ihn nennt, steht trotzdem seit einem Monat in dem Baugebiet Zeintl – auf dem Grundstück eines Freundes. Erst in ein paar Jahren muss dieser dort bauen, weshalb Eller zwei, drei Jahre bleiben möchte. Im Februar will der 27-Jährige, der gerade mit einem VW-Bus durch Marokko reist, die Gemeinderäte zu einem Tag der offenen Tür einladen, um sie von Tiny-Häusern zu überzeugen.

Schon an seinen Bauantrag hatte Eller eine Präsentation über Tiny-Häuser angehängt und geschrieben: „Ich will Baarer werden.“ Es sei ein schöner Stellplatz und Eller hat Verwandte im Kreis Aichach-Friedberg. Der selbstständige Caterer betreibt Foodtrucks, also eine Art Imbisswagen. Er würde Gewerbesteuern in Baar zahlen.

Das Bett findet Platz unterm Dach: Ein Blick auf Sternenhimmel ist möglich.


Tiny-Häuser sind Ellers Meinung nach keine Hippie-Häuser, sondern ökologisch nachhaltig. Der Holzofen in seinem Wohnwagen, der 33 Quadratmeter misst, heizt Wasser; sein Duschwasser würde der Blondschopf irgendwann gerne filtern und wiederverwerten. Auf dem Dach des Hauses kann Eller eine Solaranlage installieren. „Es geht immer um Flächenversiegelung“, sagt er. Tiny-Häuser wirken dem entgegen, sie könnten im Gegensatz zu Häusern den Ort wechseln.

Rehling: Nicole Häuslein möchte ihr Häuslein ungern teilen

Nicole Häuslein, die Frau aus Rehling, hat es im zweiten Anlauf geschafft: Die Gemeinde genehmigte ihren zweiten Bauantrag im Frühjahr des vergangenen Jahres. Die Nachbarn staunten, als das Haus im Oktober per Kran kam, sagt Häuslein und zeigt ein Video des Aufbaus auf ihrem Tablet-PC. Sie hat 130 Quadratmeter auf einem Grundstück einer Freundin für das Haus gepachtet. Ihre Freunde seien begeistert von ihrem Haus. Fehlt noch ein Mitbewohner, oder? „Nein“, sagt Häuslein. Auch wenn sie mal wieder einen Freund hat, teilt sie ihre vier Wände ungern. Allein ist sie dennoch nicht. Sie spricht mit der Sprachsteuerung Alexa.

Lesen Sie dazu auch: Meitinger sucht ein Zuhause für sein kleines Haus auf Rädern

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