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Geburtstag

16.06.2018

Todtenweiser Altbürgermeister wird heute 80

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"Wasserversorgung Todtenweis" steht auf der auf der Mappe, die im Todtenweiser Gemeindearchiv liegt. Der Umbruch vom alten zum modernen Todtenweis, basierend auf der Historie, bleibt untrennbar mit dem Namen Josef Kodmeir verbunden.
Bild: Martin Golling

Josef Kodmeir hat als Bürgermeister viele wichtige Entscheidungenfür den Ort mitgeprägt. Seine Leidenschaft sind Musik und die Geschichte – am heutigen Samstag wird er 80

Josef Kodmeir, Altbürgermeister und Ehrenbürger von Todtenweis, feiert am heutigen Samstag  seinen 80. Geburtstag. Er blickt mit Gelassenheit und zufrieden auf ein aktives Leben zurück. „Mein Vater stammt aus Aindling, meine Mutter war Näherin in Todtenweis“, erzählt der Jubilar. Nach 25 Jahren als Bauernknecht heuerte der Vater als Maschinist bei der Raiffeisenkasse Todtenweis an. Ein Glücksfall, war er doch dadurch der Einzige, der im Weltkrieg als „nicht abkömmlich“ im Ort eingestuft wurde.

Der Vater war es auch, der seinen Buben davon abhielt, eine Lehre zu machen. „Du braugsch nix lerna. I hob o nix glernt und hob’s trotzdem zu wos bracht“, zitiert der Altbürgermeister seinen Erzieher. Also machte der 15-jährige Josef erst mal Bauernknecht beim Oberwanger (Leopold) in Todtenweis. Schon nach einem Jahr wechselte er zur Firma Hoechst, wo er bis 1956 blieb. Als Lastwagen- und Tankzugfahrer war er anschließend bis 1966 für die Firma Südramol unterwegs. „Als in dieser Zeit das neue Trevira-Werk in Gersthofen Leute suchte, bin ich dorthin gegangen. Weil, so dachte ich mir, in einem neuen Betrieb kann keiner sagen: Des mach ma so, des hamma immer scho so gmacht.“ Dieser Satz offenbart einen typischen Kodmeir-Charakterzug: Schon als junger Mensch hinterfragte er jeden noch so vertrauten Arbeitsschritt. Bereits zwei Jahre nach seinem Firmeneintritt hielt er als Vorarbeiter den Facharbeiterbrief (Chemikant) in seinen Händen, kaum vier Jahre später, 1972, den Meisterbrief.

Parallel zur Karriere im Beruf entwickelte sich die Familie. 1960 schon begannen die Arbeiten am Haus, 1962 führte er seine Agnes zum Traualtar. Fünf Kinder zogen die beiden groß, auf neun Enkel und vier Urenkel ist die Großfamilie bis heute angewachsen. Seine Frau starb vor 13 Jahren, erlebte diese Entwicklung also nur bis zum Jahr 2005 mit.

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Parallel zu den familiären und beruflichen Entwicklungen schaffte es Josef Kodmeir 1972 in den Gemeinderat seiner Heimatgemeinde. „Adolf Metzker, damals ebenfalls neu gewählter Bürgermeister, nahm mich bald überall hin mit, zu Sitzungen und Treffen. So erhielt ich einen tiefen Einblick und umfassendes Hintergrundwissen“, verrät Kodmeir. Insgesamt betrieb er 36 Jahre Kommunalpolitik, davon sechs Jahre als Bürgermeistervertreter (1984-1990) und 18 Jahre (1990-2008) als Erster Bürgermeister. Gerade die 1970er-Jahre gelten mit der Gebietsreform, der Standardisierung im Trinkwasser- und Abwasserwesen und mit der Gründung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) als eine Zeit großer Umwälzungen. Josef Kodmeir wurde, völlig überraschend, nicht nur Vorsitzender der VG, sondern auch Vorsitzender des neu gegründeten Abwasserzweckverbands Kabisbachgruppe. Während die Gemeinde Todtenweis vergleichsweise ruhig unterwegs war und sich zielstrebig entwickelte, gab es jede Menge Ärger in den Verbänden. „Mit dem Abwasserzweckverband bin ich gewaltig unter Druck gekommen“, erinnert sich der Altbürgermeister. „Doch als ich 2008 gegangen bin, war alles in trockenen Tüchern.“ Es sei einfach schön, in gutem Einvernehmen gehen zu können und vor allem freiwillig, sagt Kodmeir zehn Jahre nach seinem selbstbestimmten Karriereende als Kommunalpolitiker.

Und was war das einschneidendste Erlebnis in diesen 36 Jahren? „Die Wiederwahl zum Abwasserzweckverbandsvorsitzenden im Jahr 1996“, antwortet Kodmeir ohne lange überlegen zu müssen. Petersdorf sei damals noch nicht stimmberechtigt gewesen. Im ersten und zweiten Wahlgang seien je vier Stimmen auf Josef Lentscher und ihn (Josef Kodmeir) gefallen. So sei es zum Losentscheid gekommen, erinnert sich Todtenweis’ Ehrenbürger. „VG-Vorsitzender Sattler hielt mir zwei Papierröllchen hin und forderte mich auf, ein Los zu ziehen. Ich sagte, dass ich um ein politisches Amt kein Los ziehen würde. So zog Josef Lentscher – und erwischte den leeren Zettel.

Neben dem Familienmenschen und dem Kommunalpolitiker darf man den Kulturmenschen Josef Kodmeir nicht übersehen. „Schon 1956 haben wir in Todtenweis eine Blasmusikkapelle gegründet. Josef Riß, Johann Ettinger und ich sind die letzten übrig gebliebenen halbwegs Aktiven“, lässt sich der Jubilar entlocken. Ein erstes, großes Highlight sei die allererste Fahrt mit der Kapelle Haltmeir nach Fürstenfeld gewesen. Später kamen Bierzeltauftritte mit den Bajuwaren unter Rupert Reitberger dazu, mit denen der Tuba-Bläser in Irland und regelmäßig in Kaltern (Südtirol) spielte.

2008 feierte Todtenweis sein 975. Gründungsfest – ganz groß, mit vielen Veranstaltungen und vor allem mit etwas Bleibendem: dem großen Heimatbuch. „Das hat mich immer interessiert. Pfarrer Karl Michler hat mich in Sachen Geschichte schwer beeindruckt“, verrät Kodmeir. Seine große Leidenschaft diesbezüglich heißt „Schlacht auf dem Lechfeld“. Die sei definitiv auf Todtenweiser Flur geschlagen worden, ist er sich sicher, und um das zu bestätigen, will er auch weiterhin nach Beweisen suchen. Das goldene Pferdegeschirr sieht Kodmeir als schweres Indiz für die Bestätigung seiner Theorie, und auch das Ulrichsmarterl. „Das gibt es sonst nirgends“, argumentiert er.

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