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Asylbewerber im Wittelsbacher Land

04.07.2015

„Unsere Helfer sind völlig überlastet“

Nicht nur, wenn es um den Papierkrieg geht, brauchen Flüchtlinge Hilfe. Die ehrenamtlichen Helfer stoßen an ihre Grenzen.
Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Die ersten Asylkreise im Wittelsbacher Land schlagen Alarm. Sie schaffen es kaum noch, die Neuankömmlinge umfassend zu betreuen. Was ihre Arbeit so schwierig macht

1500 werden bis Ende des Jahres erwartet. Dabei hatte sich der Landkreis Aichach-Friedberg ursprünglich auf etwa 1000 Asylbewerber vorbereitet. Händeringend wird seit Monaten nach Unterkünften gesucht, nach Fahrrädern, Decken oder Sportschuhen. Vor allem aber nach Menschen aus dem Wittelsbacher Land, die den Fremden dabei helfen, ein neues Leben aufzubauen. Mittlerweile haben sich diese Helfer in vielen Gemeinden in Asylkreisen organisiert. Petra Bachmeir leitet einen solchen Asylkreis in Affing. „Wir sind hart an unserer Grenze“, sagt sie. So geht es vielen im Landkreis.

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Die Arbeit der etwa 25 freiwilligen Helfer in Affing ist anstrengend. Neben ihren Jobs, Familien und Vereinsverpflichtungen engagieren sich die Helfer für 18 Geflüchtete in Anwalting, 14 in Mühlhausen und vier in Affing. Sie geben den Fremden Deutschunterricht, fahren mit ihnen zum Jobcenter, zum Arzt oder zu Behörden, füllen Formulare aus, reparieren Fahrräder und kümmern sich um andere Belange. Gerade erst haben die Helfer einen Schwimmkurs für die Asylbewerber auf die Beine gestellt. Petra Bachmeir sagt: „Wir müssen oft spontan reagieren.“ Zum Beispiel, wenn plötzlich ein Streit in der Unterkunft ausbricht. Es sei nicht einfach, in beengten Mehrbettzimmern mit anderen Fremden zurechtzukommen.

Für Petra Bachmeir überwiegen die Vorteile einer dezentralen Unterbringung im Vergleich zu Sammelunterkünften mit mehr als 80 Bewohnern. Es entstehe weniger Konfliktpotenzial, Menschen aus den verschiedenen Kulturen können räumlich getrennt wohnen und die Asylbewerber seien unter diesen Umständen leichter zu integrieren. Allerdings verfügen größere Asylunterkünfte über einen Hausleiter, das wiederum fehle in Affing. Und was könnten die Asylkreise noch brauchen?

„Unsere Helfer sind völlig überlastet“

Petra Bachmeir muss nicht lange überlegen. „Wir würden uns über mehr Helfer freuen.“ Oft habe sie das Gefühl, zwischen den Stühlen zu sitzen. Das sei belastend und manchmal auch sehr ärgerlich.

So zum Beispiel, als die Flüchtlinge beispielsweise mithalfen, die Tornadoschäden in Affing zu beseitigen. „Ich wurde immer wieder gefragt, wo die Flüchtlinge denn waren“, berichtet Petra Bachmeir. Und wenn Asylbewerber beim Helfen gesichtet wurden, habe es geheißen: „Die sind eh nur zum Klauen da. Egal, was sie machen, sie machen es immer falsch.“

Ohne Ehrenamtliche würde gar nichts gehen. Davon ist Christine Kaltenstadler überzeugt. Sie leitet den Asylkreis in Pöttmes und würde sich über mehr Verständnis für die Asylbewerber freuen. „Die Menschen sind vor Krieg und Terror geflohen“, erzählt sie. Viele haben Angst um ihre Familien, die sie in den Krisengebieten zurückgelassen haben. Mehr als 60 Menschen aus der Fremde leben in Pöttmes, am Donnerstag sollten noch weitere hinzukommen. Das Problem des Pöttmeser Asylkreises: Mindestens 40 Helfer hatten sich in die Listen eingetragen, aber nur acht sind tatsächlich regelmäßig im Einsatz. Kein Wunder, dass diese acht von der Belastung beinahe erdrückt werden. In Pöttmes werden Helfer, vor allem für Fahrdienste, gesucht. Es genüge oft schon, wenn die Nachbarn mal kurz erklären könnten, wie hierzulande Müll getrennt wird, oder wo die Bank ist und was auf dem Wertstoffhof zu tun ist, sagt Christine Kaltenstadler. Sprachbarrieren würden das Aufeinanderzugehen jedoch erschweren. Christine Kaltenstadler schlägt vor, Asylbewerber nach Nationalitäten in den Einrichtungen unterzubringen. Das könnte die Arbeit erleichtern und Spannungen untereinander verringern. „Unsere Helfer sind völlig überlastet“, sagt sie. So weit ist es in Rehling offenbar noch nicht. Die Zweite Bürgermeisterin Ingeborg Gulden hilft mit im Asylkreis in Rehling: „Man macht, was man kann“, sagt sie, und noch sei es zu schaffen. 24 erwachsene Flüchtlinge leben mit ihren Kindern in Rehling. „Wenn es mehr werden, wird’s schwierig“, vermutet Ingeborg Gulden. Etwa zwölf bis 14 Helfer sind mit viel Herzblut aktiv. Warum sie das tun? „Wenn man die Leute sieht, muss man schon sehr kalt sein, wenn man dann sagt, es geht mich nichts an.“ Auch in Rehling sind die Helfer mit Fahrdiensten, Formularen und Sprachunterricht beschäftigt. Bei Stefanie Kratzer von der Freiwilligenagentur im Landratsamt holen sich die Helfer Hilfe. Hier fragen sie nach, wie entmutigte Asylbewerber zum Deutschkurs bewegt werden können, erkundigen sich nach versicherungstechnischen oder rechtlichen Aspekten. Stefanie Kratzer ist beeindruckt von der Arbeit der Helfer: „Dieses Engagement ist wirklich herausfordernd. Chapeau!“

In einer gerade herausgegebenen Broschüre hat die Freiwilligenagentur versucht, die Fragen der Asylkreise zu beantworten. Stefanie Kratzer will sich für einen hauptberuflich tätigen Ansprechpartner und Berater für die Ehrenamtlichen einsetzen, der an die Freiwilligenagentur angegliedert ist. "Diese Woche

Die Info-Broschüre für Asylhelferkreise ist in der ständig aktualisierten Version auf der Homepage des Landratsamts abrufbar.

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