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Auto-Training

12.09.2019

Wie Sie Ihr Fahrzeug in gefährlichen Situationen unter Kontrolle halten

Augsburg Fahrsicherheitszentrum Augsburg Auto-Intensivtraining
2 Bilder
Das Fahrsicherheitszentrum Augsburg des ADAC liegt zwischen Flughafen und Autobahn 8 an der Abfahrt Augsburg-Ost. Es ist das älteste der Zentren in Südbayern. Teilnehmer fahren auf nassen Pisten. Auch Schnee und Eis können simuliert werden.
Bild: Philipp Schulte

Bremsen, ausweichen oder draufhalten: Das Augsburger Fahrsicherheitszentrum macht fit für die Straße. Worauf es ankommt, wenn eine Gefahr auftritt.

Fontänen schießen in die Höhe, der Skoda beschleunigt auf 60 Stundenkilometer, fährt auf die Wasserstrahlen zu, will links ausweichen. Auf der Straße steht Wasser, das Heck des Autos bricht aus. Der Wagen kommt ins Schlingern, prescht durch die Fontänen, die Scheibenwischer gehen an. Als der Fahrer die Kontrolle zurück gewinnt, umkurvt er die zweite Fontäne. Durchatmen.

Auto-Intensivtraining im Fahrsicherheitszentrum in Augsburg: 31 Grad, die Sonne brennt auf den Asphalt. Ein Auto nach dem anderen versucht sich an dem Fontänen-Parcours. Neben der Piste steht Marc Lindgens, Sonnenbrille, gut gebräunt, schulterlanges, blondes Haar, und hat ein Funkgerät in der Hand. Er ist Fahrsicherheitstrainer und leitet den Kurs mit zwölf Teilnehmern.

Augsburg: Der Trainer fragt nach der Wurzel aus 25

„Jawohl Andreas, super!“ – „Voll rein bremsen, Manfred!“ Lindgens Worte kommen in den Autos der Fahrer an: Ihre Funkgeräte liegen in der Nähe der Schaltknüppel. Trainer und Teilnehmer haben sich auf das Du geeinigt, die Atmosphäre ist locker. Trotzdem stellt Lindgens seinen Schülern Rechenaufgaben bei der Fahrt. Wenn das Ergebnis gerade ist, nach rechts ausweichen, wenn ungerade nach links. Jetzt fragt er nach der Wurzel aus 25.

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Bis zu 200 Euro kostet ein Auto-Intensivtraining. Der Preis ist abhängig von Wochentag und Mitgliedschaft. Das Fahrsicherheitszentrum des ADAC befindet sich an der A8 nahe der Abfahrt Augsburg- Ost. Es ist eines von fünf in Südbayern, neben Regensburg, Ingolstadt, Kempten und Landshut. Der Automobilklub bietet Trainings für Autos, Motorräder, Kleintransporter, Busse, Wohnwagen und Lastwagen an. Das Gelände wurde 1997 eröffnet, es ist das älteste und mit sieben Hektar größte in Südbayern. Trainings finden auch abends unter Flutlicht oder auf simulierten vereisten sowie schneebedeckten Straßen statt. Zu den Herausforderungen gehören zwei Bergstrecken mit neun und elf Prozent Gefälle.

Auto-Training: Bei einer Gefahr so stark wie nötig bremsen und weich lenken

Heute geht es für die Teilnehmer um das richtige Bremsen. Wenn eine Gefahr auftritt, soll man nicht hektisch am Lenkrad reißen, sondern so stark wie nötig bremsen und weich lenken. „Wenn man ein ABS hat, geht beides gleichzeitig“, sagt Lindgens. So richtig in die Bremse getreten hat Dominic Hein zuletzt während der Fahrstunden für seinen Führerschein. Das ist elf Jahre her. „Bei einer Vollbremsung merke ich, wie alles vibriert“, sagt er. Man könne ein bisschen lenken, aber nicht viel. Aber auch wenn der 28-jährige Batterie-Entwickler auf der nassen Trainingspiste bei Tempo 60 bremst, kommt er nicht ohne zu rutschen um die Fontänen.

Er hat inzwischen eine bessere Sitzposition eingenommen als noch zu Beginn des Trainings. Hein stellt nun die Lehne weiter nach vorne, setzt sich näher ans Lenkrad und achtet auf den richtigen Winkel für Beine und Arme. Sie dürfen nicht durchgestreckt sein.

Neben den Fahrtests stehen Theorie-Einheiten auf dem Programm. Trainer Lindgens zeigt im Seminarraum auf die gelben Zettel an der Schautafel. Darauf stehen Begriffe wie: plötzliche Hindernisse, Verhalten bei Aquaplaning, Notbremsen, Auffangen und Korrigieren. Die Teilnehmer haben sich Namensschilder gebastelt: Sergej BMW, Andreas Seat Leon, Lena E-Klasse, Yannick Audi A3. Sie fahren, wie vom ADAC empfohlen überwiegend mit ihren privaten Autos. Ihre Nummernschilder zeigen, wo sie herkommen: STA, RT, MÜ, TÜ, KEH, FFB, SR – also aus ganz Süddeutschland.

A8: Eine Sekunde entscheidet zwischen Klinik und Zuhause

Nun geht es darum, dass eine Sekunde zwischen Klinik und Zuhause entscheiden kann; dass Autofahrer bis zu 16 Sekunden abgelenkt sein können; dass man dahin schaut, wohin man lenkt. Eine Frau sagt, dass sie bei einer Strecke von 300 Kilometern viel Zeit hat, sich abzulenken. Ein Mann fragt, was zu tun ist, wenn plötzlich ein Reh auf der Straße auftaucht. „Bremsen und umfahren“, antwortet einer. Lindgens klärt auf: Das Tier bleibe vielleicht nicht stehen. Deshalb: „Nicht ausweichen, sondern draufhalten und eine Vollbremsung machen!“ Das Leben eines Menschen sei wichtiger als das eines Tiers.

Von 1998 bis 2018 haben etwa 320.000 Menschen ein Fahrsicherheitstraining in Augsburg absolviert. Welchen Effekt die Kurse haben, lasse sich nicht messen, sagt Sandra Gölz vom ADAC. Sie verweist aber darauf, dass Verkehrsteilnehmer nach einem Training sicherer auf den Straßen unterwegs seien. Sie hätten eine vorausschauendere Fahrweise und könnten Gefahren erkennen und vermeiden.

Klaus Trieb ist 71 Jahre alt und aus Straubing hergekommen. Bei dem Training will er testen, ob seine „Reaktionen noch funktionieren“, wie er sagt. Als er 20 Jahre alt war, hat er seinen Käfer kaputt gefahren – und wieder repariert. Heute fährt er einen blauen BMW und steuert ihn bei einer weiteren Übung in einen Kreisel. Die Straße ist nass. Trieb bremst auf Kommando. Sein Wagen bleibt mittig in der Spur.

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Die Autobahn A 8 ist eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in Mitteleuropa. Güter werden transportiert, Pendler fahren zur Arbeit, Urlauber steuern ihre Ferienziele an. Die A 8 ist auf 100 Kilometern eine der Lebensadern in Bayerisch-Schwaben. Schon 1938 eröffnet, ist sie seit 2015 auf sechs Spuren ausgebaut und als eine der ersten Autobahnen als Public-private-Partnership finanziert. In unserer Sommer-Serie haben wir „unsere“ Autobahn einmal näher in den Fokus gerückt: Was passiert da so alles auf der Autobahn und nebendran? Wie leben Menschen an der Autobahn? Wer arbeitet dort?

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Mit diesem Beitrag endet die Serie - hier finden Sie alle anderen Folgen zum Nachlesen:

Teil 1: Autos rasen, Rinder grasen: Wie reagieren die Tiere an A8 auf Lärm?

Teil 2: Kampf gegen Lärm: Anwohner geben nicht auf

Teil 3: Abendbrot im Abendrot - zu Gast bei Fernfahrern an der A8

Teil 4: Mit diesen Brücken kommen Reh und Sau sicher über die A8

Teil 5: Feuerwehr-Kommandant über A8: „Man spürt die Aggressivität"

Teil 6: Fehlende Lkw-Parkplätze sorgen immer wieder für A8-Unfälle

Teil 7: Bauernmarkt: Der Hofladen mit dem Autobahn-Blick

Teil 8: Alltag bei der Autobahn-Polizei: "Wir sind nicht Cobra 11"

Teil 9: Retter auf zwei Rädern auf der Autobahn

Teil 10: Arbeiten auf der A8: Diese Menschen sind immer in Gefahr

Teil 11: Die Ruhe an der rauschenden Autobahn


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