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Aichach-Friedberg

22.08.2020

Wolf aus Igenhausen hat jetzt Schafe in den Alpen gerissen

Der Wolf, der in Igenhausen und zuletzt im Bregenzerwald insgesamt 15 Schafe getötet hat, stammt wahrscheinlich aus Brandenburg. Davon gehen Fachleute aus Österreich aus.
Bild: Pleul, dpa (Symbolfoto)

Plus Vor vier Wochen tötet ein Wolf sieben Schafe in Aichach-Friedberg, vor zwei Wochen acht im Bregenzerwald. War er auch im Ostallgäu? Offensichtlich ist der Wolf aus Brandenburg auf „Durchreise“.

Der Wolf, der vor vier Wochen sieben Schafe in Igenhausen (Gemeinde Hollenbach) gerissen hat, ist offenbar ein Dauerläufer aus Brandenburg und inzwischen in den Alpen unterwegs. Vor zwei Wochen hat er acht Schafe im Bregenzerwald ( Österreich) getötet und teils fürchterlich zugerichtet. Ein Gentest beweise, dass es sich um das gleiche Tier handelt, sagte ein Sprecher des Landesamtes für Umwelt auf Anfrage unserer Redaktion. Es gibt auch Berichte, dass der gleiche Wolf dazwischen drei Schafe im südlichen Teil des Landkreises Ostallgäu gerissen hat. Da ist aber nicht offiziell bestätigt.

Wölfe laufen im Schnitt täglich einen Marathon

Wölfe laufen im Schnitt täglich einen Marathon (also über 40 Kilometer) und können so in kurzer Zeit weite Strecken zurückliegen. Schon die Luftlinie zwischen der Schafweide in Igenhausen bis zum nächsten Riss auf zwei Vorsäßen (Alpen) im Mittelbregenzerwald im Raum Großdorf-Schetteregg (Bundesland Vorarlberg) liegt bei rund 140 Kilometer und der Wolf ist auf diesem Weg sicherlich deutlich mehr Kilometer gelaufen. Schon vor zwei Wochen gingen alle Experten davon aus, dass ein Wolf am Wochenende auf zwei Schafweiden bei Schetteregg wütete.

Der DNA-Test beweist, was das Bild der Wildkamera in Igenhausen vermuten ließ: Es war ein Wolf
Bild: Josef Haimer

Wie in Igenhausen hat das Raubtier dort in zwei Nächten zugeschlagen. Beide Male auf einer mit einem Stromzaun umgebenen Koppel. Der Wolf übersprang den Zaun, riss ein Mutterschaf und fraß es zum Teil auf. Ein anderes Schaf stieß bei der Flucht in den Zaun und verendete. Die Nacht darauf riss der gleiche Wolf fünf Schafe, an einem fraß er ebenfalls. Ein weiteres Schaf verletzte er schwer, es musste getötet werden. Schafzüchter im Bregenzerwald, die von der Zucht leben, sind verstört. Die Tiere seien nun sehr verschreckt.

Wildbiologe: "Er scheint keine Scheu vor menschlichen Siedlungen zu haben"

Der von den Vorarlberger Nachrichten befragte Wildbiologe Hubert Schatz zeigte sich besorgt: „Bedenklich stimmt mich die Tatsache, dass der Wolf diesen vorschriftsmäßig errichteten Zaun überspringt. Dieses Verhalten hat er sich nun antrainiert. Er weiß in ähnlichen Situationen: Ich muss nur über diese Barriere drüber, dann bin ich beim Esstisch. Was mir noch Sorgen macht: Der Wolf hielt sich relativ nahe bei menschlichen Siedlungen auf. Er scheint keine Scheu vor den Behausungen zu haben.“ Die Landwirte in der Region wurden aufgerufen, Weidetiere genau zu beobachten und in der Nacht an gesicherten Plätzen unterzubringen. Für die Schafzüchter im Bregenzerwald ist es allerdings schwierig, die Tiere über Nacht in einen Stall zu treiben, weil sie sich oft auf verschiedenen Koppeln befinden und ein Zusammentreiben zu aufwendig wäre.

Wolf von Igenhausen stammt wahrscheinlich aus Population in Ostdeutschland

Nach den DNA-Untersuchungen der österreichischen Umweltbehörden handelt es sich um ein männliches Tier, was nach Einschätzung des Biologen gut ist, da Wolfsrüden über weite Strecken umherstreifen; die Möglichkeit von Wolfsnachwuchs sei gering. Der fragliche Wolf stamme definitiv aus Deutschland, wahrscheinlich von der Wolfspopulation in Brandenburg, so die Einschätzung der Fachleute im Nachbarland Österreich. Das würde bedeuten, dass der Wolf durch halb Deutschland bis nach Vorarlberg (Luftlinie rund 600 Kilometer) unterwegs war. Am Montag, 3. August wurden im Landkreis Ostallgäu drei tote und zwei verletzte Schafe gefunden. Das Landesamt für Umwelt bestätigte, dass ein Wolf die Tiere angefallen hat. Herkunft und Identität sind aber noch nicht ermittelt.

Sechs Schafe riss der Wolf in Igenhausen, zwei weitere wurden verletzt - eines davon so schwer, dass der Jagdpächter es von seinem Leiden erlösen musste.
Bild: Josef Haimer

Da wissen die Österreicher schon mehr, obwohl der große Beutegreifer erst eine Woche später in ihrem Zuständigkeitsbereich zugeschlagen hat. Zuletzt hat es im Februar Hinweise auf einen Wolf im Bregenzerwald gegeben. Oft zeigten sie sich erst ab Spätsommer in diesem Bundesland. Auch dort wird übrigens der Abschuss des Tieres von Politikern und Landwirten gefordert. Mit dem Auftreten des Wolfes sei die Weidetierhaltung massiv gefährdet. Die jüngsten Fälle zeigten, dass sich der Wolf nicht abwehren lasse.

Wildkamera nimmt Raubtier auf Weide in Igenhausen auf

Im Wittelsbacher Land ist die Stimmung nach dem erstmals nachgewiesenen Wolfsriss ähnlich. Experten des Landesamts für Umwelt analysierten nach dem Vorfall in Igenhausen Genproben aus den Bissspuren an den Schafen und aus Kot, der sogenannten Losung. Das Ergebnis war alles andere als eine Überraschung: Denn eine Wildkamera hatte am Abend des damaligen Samstags Aufnahmen geliefert, die stark auf einen Wolf hindeuteten. In den vergangenen Wochen wurden im Landkreis keine weiteren Sichtungen bekannt. Unter den sieben toten Tieren der kleinen Herde von Rupert Reitberger, früher Bürgermeister von Hollenbach und stellvertretender Landrat, und dessen Sohn waren vier Mutterschafe und drei Lämmer; ein weiteres Mutterschaf wurde ebenfalls verletzt, überlebte jedoch.

Reitberger will die verbliebenen fünf Schafe weiter auf einer Wiese hinter seinem Haus grasen lassen und sie heuer voraussichtlich nicht mehr auf die Weide bringen – „weil ich damit rechnen muss, dass sich der Wolf wieder Futter holt“. Er würde mit der Schafhaltung am liebsten ganz aufhören und spricht sich eindeutig für den Abschuss aus. Der ist in Bayern aber nur in Ausnahmefällen möglich: zum Beispiel, wenn ein Wolf „ernsten wirtschaftlichen Schaden an Nutztieren anrichtet“, so die Regierung von Schwaben auf eine frühere Anfrage unserer Redaktion. Besitzer getöteter Tiere erhalten im Freistaat und auch in Vorarlberg eine finanzielle Entschädigung. Außerdem werden Schutzmaßnahmen gegen den Wolf gefördert.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ein Wolf auf Durchreise

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