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Gemeinderat

23.06.2018

Zoff um Kinderbetreuung in Sitzung

Bekommt Baar einen Waldkindergarten? Nach mehreren Anläufen kam das Thema jetzt auf die Tagesordnung des Gemeinderats. Doch eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Stattdessen gab es heftige Kontroversen.

Baar fehlt ein Betreuungskonzept für Nachwuchs. In der Verwaltungsgemeinschaft mangelt es an Personal, um Projekte umzusetzen. Das sorgt für eine scharfe Debatte – ohne Ergebnis

Endlich hatte es das Thema „Waldkindergarten“ am Donnerstag auf die Agenda der Gemeinderatssitzung in Baar geschafft. Seit der Antragstellung im Februar waren einige Sitzungen ins Land gegangen. Gemeinderätin Christine Winter-Bächer hatte regelmäßig nach einem aktuellen Sachstand gefragt, obgleich sie in der jüngsten Sitzung vehement betonte, dass sie nicht allein, sondern nebst sieben anderen Räten den Antrag gestellt hatte. Zu einem Ergebnis kam es in der Sitzung nicht. Stattdessen entbrannte eine Diskussion unter den Räten, mit Baars Bürgermeister Leonhard Kandler sowie im Wortgefecht zwischen Dieter Zach und Stefan Hummel, dem Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Pöttmes.

Angefangen hatte die Sitzung dabei durchweg positiv. Hoch motiviert präsentierte Sandra Zerle, die Leiterin des Waldkindergartens Lechfasane Rain, was sie gemeinsam mit einer Erzieherin, einer Kinderpflegerin und einer Praktikantin im Wald mit insgesamt 20 Kinder tagein, tagaus anstellt. Neben einigen Details aus dem Kindergartenalltag nannte Sandra Zerle auch Faktoren, die für die Baarer wichtig werden könnten – wenn sie sich für einen Waldkindergarten entschließen würden. Der Rainer Waldkindergarten hat beispielsweise Öffnungszeiten von 7.45 bis 13.50 Uhr. Auszuweiten wären diese Öffnungszeiten, wenn Strom am Standort vorhanden wäre.

Eröffnet wurde der Rainer Waldkindergarten vor drei Jahren mit gerade einmal sechs Kindern. Doch bereits nach einem Jahr waren alle Plätze belegt und es gab eine Warteliste, erklärte Sandra Zerle. Für die Erstausstattung bekam das Kindergartenteam einmalig 12000 Euro. Die Referentin bestätigte, dass es generell einen Mangel an Erziehern gebe, der auch den Baarern Probleme bereiten könnte.

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Im Ort jedoch schwelen ganz andere Konflikte, die in der Sitzung auch deutlich benannt wurden. Der Knackpunkt, der die heiße Diskussion entfachte, war die Beschlussvorlage, die seitens der VG zum Thema Waldkindergarten vorbereitet wurde. Darin legte VG-Mitarbeiter Peter Fesenmeir dar, welche Hürden er aktuell beim Aufbau eines Waldkindergartens in Pöttmes stemmen muss – angepasst auf die Situation in der Gemeinde Baar. Für die Gemeinderäte schien dieser Sachstandsbericht in allen Punkten gegen einen Waldkindergarten zu sprechen. Die Zusammenfassung endete mit den Worten, dass die Bearbeitung des Projekts auf absehbare Zeit nicht möglich sei.

Für die Räte hieß das: Bürgermeister Kandler, der erklärte, dass es nicht möglich sei, durch die Installation eines Waldkindergartens im bestehenden Kindergarten Platz für eine Kinderkrippe zu schaffen, weil die Räumlichkeiten nicht ausreichen, ist gegen die Idee der Räte. Und auch die VG ist (mit der Stellungnahme von Fesenmeir) gegen die Baarer.

Das wollte VG-Chef Hummel nicht auf sich sitzen lassen und sprach – vor allem an Gemeinderat Dieter Zach gerichtet – deutliche Worte. Regelmäßig werde die Arbeit der VG-Mitarbeiter „durch den Dreck gezogen“, erklärte Hummel und ergänzte, dass es gerade seitens des Baarer Gremiums vergleichsweise viele Aufträge an die VG gebe – wohlgemerkt an eine VG, die nicht nur im Bauamt unterbesetzt sei, sondern die mit 25 Mitarbeitern weit über 1000 Überstunden angesammelt habe, weil die Arbeit nicht mehr zu stemmen sei. Johanna Ruisinger konterte: „Wir wollen, dass etwas vorangeht.“ Christine Winter-Bächer wünschte sich ein schrittweises, aber stetes Vorankommen. Es gehe ihr keineswegs darum, Schuldige auszumachen, sondern darum, eine Lösung zu finden – für die Kinder und die Eltern in Baar. Vitus Riedl forderte ein Konzept, das weit mehr umfasste, als die Planung eines Waldkindergartens. Die grundlegende Intention – das Angebot einer Kinderkrippe aufzugreifen – war dabei nur ein Faktor, der ebenso mit ins Konzept einbezogen werden müsse wie die Tatsache, dass der bestehende Kindergarten sich in kirchlicher Trägerschaft befindet, der Waldkindergarten wohl aber unter kommunaler Trägerschaft stehen würde.

Martin Moser beklagte den Mangel an Ehrlichkeit im Gemeinderatsgremium und erklärte: „Unehrlichkeit bringt niemanden weiter.“ In Richtung Kandler forderte er: „Hartl, du müsstest vorweglaufen!“ Kandler beraumte daraufhin eine Sondersitzung zum Thema an, die am Donnerstag, 5. Juli, stattfinden soll. Auch beharrte der Rathaus-Chef darauf, den Träger des Kindergartens, die Kirche, einzuladen: „Die Meinung des Trägers ist wichtig.“ Eine Konkurrenzsituation bringe niemanden weiter.

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