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Aichach

23.05.2019

Alket Nrecaj im Porträt: Über den Fußball zum Abitur

Den Ball und den Gegner im Blick: Alket Nrecaj gehört zu den hoffnungsvollen Talenten des BC Aichach. Der 17-Jährige hat mit dem BCA noch viel vor und auch abseits des Platzes hohe Ziele.

Alket Nrecaj ist Abwehrchef und Kapitän der erfolgreichen B-Junioren des BC Aichach. Auch abseits des Platzes hat der 17-jährige Kosovare einiges vor.

Wenn Alket Nrecaj das Kommando übernimmt, hören seine Mitspieler zu. Das Wort des Kapitäns hat Gewicht bei den U17-Fußballern des BC Aichach. Nrecaj überzeugt aber weniger durch viele Worte, sondern vielmehr durch seine Präsenz auf dem Platz. Der Innenverteidiger strahlt Ruhe aus und gibt seinen Mitspielern das Gefühl, dass hinten nichts anbrennt. Der 17-Jährige gehört zu den fußballerischen Hoffnungen beim BCA, dabei begann er mit dem Sport erst relativ spät.

2012 meldete Vater Agim ihn beim Aichacher Ballsportclub an. Zuvor hatte er ausschließlich auf der Straße gespielt. „Meine Cousins haben immer auf irgendwelche Mauern geschossen und ich war natürlich dabei“, erinnert sich Nrecaj an seine Kindheit in Gjakova im Kosovo: „Vereinsfußball gab es nicht wirklich. Wir haben immer gegen die Kinder einer anderen Straße gespielt. Das waren die festgelegten Teams.“ Vor acht Jahren ging es für die Nrecajs nach Deutschland ins rund 1400 Kilometer entfernte Aichach. „Mein Vater war schon während des Krieges in Deutschland und wollte irgendwann zurückkehren.“ Der Anfang war für den damals neunjährigen Alket Nrecaj alles andere als einfach: „Ich konnte kaum ein Wort Deutsch, das machte es auch schwer, Freunde zu finden.“ Obendrein musste er die dritte Klasse wiederholen. Doch ähnlich wie auf dem Fußballplatz fing er an, zu kämpfen. Zusammen mit seinem Vater lernte er fleißig Vokabeln. „Anfangs war es schwierig, aber dann wurde es immer besser.“ Auch durch den Eintritt beim BC Aichach: „Das hat sicher geholfen, denn auf dem Platz versteht man sich meist auch ohne viele Worte und man findet natürlich schneller Freunde.“

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Bild: Sebastian Richly

Sportporträt: Warum sich Alket Nrecaj beim Fußball anfangs schwer tut

Gerne erinnert sich Nrecaj aber nicht an alles aus dieser Zeit: „Ich war fußballerisch so was von schlecht. Meine Defizite waren nicht zu übersehen.“ Mit der Zeit wurde er auch auf dem Rasen besser, fand seinen Platz in der Innenverteidigung und führt das Aichacher Jugendteam jetzt im vierten Jahr als Kapitän aufs Spielfeld. „Die meisten wollten nicht in der Abwehr spielen und als Not am Mann war, habe ich meine Leistung gebracht.“ Nrecaj interessiert sich aber nicht nur für die Ergebnisse des BCA. Schon als kleines Kind verfolgte er Fußballspiele aus aller Welt vor dem Fernseher. „Damals war der FC Barcelona das Maß aller Dinge“, so Nrecaj, der heute vor allem dem FC Liverpool um Trainer Jürgen Klopp die Daumen drückt. Nicht zuletzt auch aufgrund eines Spielers namens Virgil van Dijk. Der niederländische Innenverteidiger ist das große Vorbild Nrecajs. Ähnlich wie der Profi ist auch der Aichacher mit seinen 1,85 Metern kopfballstark und immer für ein Tor gut. In der aktuellen Saison kommt er auf vier Treffer. Mit seinen 17 Jahren ist Nrecaj auch bereits selbst ein Vorbild – in erster Linie für die Bambinis des BCA, die er zusammen mit Teamkollege Can Rachid seit rund einem Jahr trainiert: „Das fand ich schon immer interessant und es macht mir viel Spaß, mit den Kleinen zu üben.“ Bis zu 15 Kinder betreut er zwei mal pro Woche, danach geht es direkt zum B-Jugend-Training. Zwar könne sich Nrecaj später eine Tätigkeit als Trainer vorstellen, doch zuvor steht zunächst seine eigene Laufbahn an. Sportlich sieht er seine Zukunft beim BCA: „Profi werde ich wohl nicht mehr, aber ich habe viel vor. In der Jugend so viel wie möglich gewinnen und dann den Sprung in die Erste Mannschaft schaffen.“

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Alket Nrecaj: Das sind die Stärken des Innenverteidigers

Die Voraussetzungen, Kreisliga oder höher zu spielen, hat der Innenverteidiger laut seinem langjährigen Coach Klaus Ratzeck. „Er ist meiner Meinung nach der beste Spieler der Liga.“ In jedem Fall hat der 17-Jährige maßgeblichen Anteil am derzeitigen Höhenflug der Paarstädter B-Junioren. Aktuell steht Platz drei der Kreisliga Augsburg zu Buche. Vor allem defensiv sind die Aichacher stark. In 16 Spielen gab es zwölf Gegentreffer – nur Spitzenreiter Friedberg ist besser. Nrecaj selbst bleibt bescheiden: „Wir funktionieren als Abwehrverbund einfach gut. Meine Stärken liegen im Spielaufbau. Läuferisch kann ich aber noch zulegen.“ Für seinen Leistungen wurde er auf Platz drei bei der Sportlerwahl der Aichacher Nachrichten für das Jahr 2018 gewählt.

Abseits des Platzes träumt der Kosovare vom Abitur. Derzeit besucht er die zehnte Klasse des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums. Neben Schule und Sport bleibt für Hobbys nicht viel Zeit. Zu seinen Freizeitbeschäftigungen zählen Basketball und Tennis. Auch das Fußball-Videospiel FIFA gehört dazu, neulich siegte er bei einem mannschaftsinternen Turnier. „FIFA ist in der Kabine ein Thema, aber zuhause spiele ich fast gar nicht mehr.“ Lieber nutzt er die Zeit, um zu lernen, sagt er.

Die ertsen drei der Wahl zum AN-Sportler des jahres kamen zur preisverleihung in die Redaktion. Auf Platz drei Alket Nrecaj.
Bild: Sebastian Richly
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