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Stadtbergen

27.02.2021

Beim Thema Holzhaus scheiden sich im Stadtrat die Geister

Vor allem bei Einfamilienhäusern wird die Holzbauweise immer beliebter.
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Vor allem bei Einfamilienhäusern wird die Holzbauweise immer beliebter.
Foto:  Uwe Weiser, dpa (Symbolfoto)

An der St.-Florian-Straße in Stadtbergen soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. Über die Bauweise entwickelt sich eine rege Grundsatzdiskussion und erst nach knapp zwei Stunden fällt die Entscheidung.

Zu einer Grundsatzdiskussion über die Vor- und Nachteile eines Massiv- und eines Holzhauses entwickelte sich die Stadtratssitzung am Donnerstag im Bürgersaal. Erst nach einer fast zweistündigen Debatte über den geförderten Wohnungsbau mit zehn Einheiten in der St.-Florian-Straße/Leitershofer Straße waren die Würfel gefallen. SPD und die Grünen konnten sich trotz teilweise engagierter Wortmeldungen mit ihren zehn Stimmen nicht gegen CSU, Freie Wähler und Pro Stadtbergen durchsetzen.

Dank der Gelder aus dem Topf der kommunalen Wohnraumförderung soll an der St.-Florian-Straße ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohneinheiten entstehen. Vorgesehen sind Wohnungsgrößen zwischen 50 und 113 Quadratmetern. Das gesamte Objekt ist barrierefrei geplant und verfügt zudem über eine Tiefgarage. Bis auf wenige Details waren die Stadträte mit den Plänen des Augsburger Architekturbüros Seiler und Habereder auch zufrieden. Über die Art der Bauweise aber gab es unterschiedliche Standpunkte. Während sich SPD und die Grünen ganz klar für eine Holz- oder Hybridbauweise aussprachen, sahen die anderen Parteien die Vorteile bei einem massiven Ziegelbau. Doch diese Bauweise setzte sich letztendlich erst nach lebhafter Diskussion durch.

Mehr Parkplätze statt eines Waschraums

Einige Verbesserungsvorschläge legte zunächst Stadträtin Roswitha Merk (CSU) auf den Tisch. Sie wünschte sich unter anderem eine Verlegung der Besucherparkplätze von Süden gen Norden, um mehr Platz beispielsweise für den Garten zu gewinnen. Hierzu müsste jedoch die Zufahrt von der Kreisstraße aus erfolgen, was laut Bürgermeister Paul Metz "eine spannende Herausforderung" sei, da dies erst vom Landratsamt genehmigt werden müsse. Auch einen weiteren Parkplatz in der Tiefgarage statt des angedachten Waschraums hielt Merk für sinnvoller. "Heute hat jeder die Waschmaschine in der eigenen Wohnung stehen", sagte sie. Besser sei es, zusätzlichen Parkraum für Familien mit zwei Autos zu schaffen. Auch dieser Vorschlag wurde angenommen. Ein weitere Idee sorgte jedoch für reichlich Diskussionsstoff.

Aufgrund der Bauweise würde die Terrasse einer Wohnung direkt vor dem Badezimmer der anderen künftigen Mieter liegen. Ob nun das WC-Fenster einem "harmonischen Zusammenleben zuträglich" sei, gab Merk zu bedenken und regte eine andere Zimmeraufteilung an. Stadtbaumeister Rainer Biedermann war jedoch der Meinung, dass "störender als Toilettengeräusche" sei, wenn Fremde einem ins Kinder- oder Schlafzimmer schauen. Als Kompromiss bleibt es daher beim WC, allerdings soll es statt eines Fensters lediglich ein Oberlicht in einer Höhe von 1,90 Metern geben. Zudem wird Anna Pauls (Grüne) Vorschlag geprüft, den Balkon im Obergeschoss zur Entschärfung der Situation "ums Eck zu legen".

Tiefgarage muss aus Beton bestehen

Anna Paul war es dann auch, die mit ihrem ausführlichen Plädoyer für eine Holzbauweise eine rege Diskussion in Gang setzte. Die Bauphysikerin hatte auf mehreren Din-A4-Seiten die Vorteile dieser Bauweise mit Blick auf die Ökobilanz zusammengefasst. "Ein Holzhaus bedeutet Klimaschutz", betonte die Grünen-Politikerin und führte als Beispiel einige bereits gebaute Objekte in anderen Städten an. Bürgermeister Metz konterte, dass ein reiner Holzbau schon aus dem Grund nicht möglich sei, da die Tiefgarage aus Beton sein müsse. Für ihn seien Ziegel „immer noch ein Naturprodukt“. Massiver Holzeinschlag etwa in Rumänien, wo ganze Wälder abgeholzt würden, verursache stattdessen große Umweltschäden. Biedermann wies zudem auf die Gefahr hin, wenn ein Mieter versehentlich eine Wasserleitung anbohre. "Die Feuchtigkeit in einem Holzhaus ist ein ganz anderes Problem als in einem Massivhaus", sagte er.

Das sogar Hochhäuser aus Holz bestehen können, zeigt das neue "Hoho Wien", ein Hochhaus das vom ersten Stock an aufwärts zu 75 Prozent aus Holzteilen besteht.
Foto: Michael Baumgartner, dpa (Symbolfoto)

Paul stellte schließlich das beauftragte Architekturbüro in Frage, da Planer Erwin Seiler ihrer Meinung nach zu sehr auf ein Massivhaus fixiert sei. Unterstützung bekam sie von ihrem Fraktionskollegen Fabian Münch. "Als Stadtrat möchte ich objektiv informiert werden", sagte er. Dies sei nicht der Fall. Gerhard Heisele von den Freien Wählern sah die ganze Sache eher pragmatisch. "Wir sind offen für beide Lösungen." Entscheidend sei letztlich, welche zeitlichen Verzögerungen es bei einem Holzbau gebe und wie sich diese Bauweise finanziell auswirke. Frank Haug (CSU) tendierte eher zur Ziegelbauweise, da in einem Mehrfamilienhaus der Schallschutz wichtig sei.

Auch die SPD zeigt klare Kante für ein Holzhaus

Klare Kante für ein Holzhaus zeigte jedoch auch die SPD. "Holz ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff und sorgt für optimale Luftfeuchtigkeit", sagte Jürgen Brendel. Zementwerke hingegen seien regelrechte "Drecksschleudern", die so gut wie alles verbrennen dürften. Ein Holzhaus könne daher für Stadtbergen ein "Leuchtturmprojekt" werden. Doch auch Münchs eindringlicher Schlussappell ("Klimaschutz hat Bedeutung für unsere Kinder" und "Holzbau ist am Gemeinwohl orientiert" ) vermochte es nicht, das Gremium zu überzeugen. CSU, Freie Wähler und Pro Stadtbergen votierten nach knapp zweistündiger Diskussion gemeinsam für den Massivbau, die zehn Stimmen von SPD und den Grünen erreichten keine Mehrheit.

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