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Gessertshausen: Brandanschläge: Feuer vernichtet in Tierklinik Futter fürs ganze Jahr

Gessertshausen

Brandanschläge: Feuer vernichtet in Tierklinik Futter fürs ganze Jahr

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    Teure Entsorgung. Statt in den Futternapf wandert der Grasschnitt auf die Sondermülldeponie. 
    Teure Entsorgung. Statt in den Futternapf wandert der Grasschnitt auf die Sondermülldeponie.  Foto: Marcus Merk

    Ihren Futtervorrat für ein ganzes Jahr hat die Tierklinik Gessertshausen beim Brand in der Nacht auf Sonntag verloren. „Es war unser einziges Lager“, sagt Dr. Robert Fitz. Rund 600 Rundballen mit je 250 Kilogramm hat das Feuer restlos vernichtet. 150 Tonnen Grasschnitt, der als Futter für die Patienten der Tierklinik eingelagert war. Rinder und Pferde, die im Schnitt fünf bis acht Tage in den 60 Boxen auf ihre Genesung warten. Und nur dank der Hilfebereitsschaft zahlreicher Landwirte aus der Region, konnte die Klinik eine größere Katastrophe verhindern.

    „Wir haben von den umliegenden Höfen alles aufgekauft, was zu haben war“, sagt Dr. Fitz. Ein Kauf zu diesem späten Zeitpunkt sei zwar teurer. „Aber so konnten wir zumindest den Jahresbedarf der Tiere bis zum nächsten Schnitt im Juni 2020 decken.“ Ein weiteres Problem aber war, dass nach dem Brand der Klinik ein Lagerhaus fehlt. Hier aber zeigten sich die Landwirte erneut flexibel. „Wir bekommen jetzt das Futter nach Bedarf geliefert“, sagt Fitz und lobt die große Hilfsbereitschaft der Bauern.

    500 Euro pro Tonne kostet die Entsorgung

    Auf sich allein gestellt bleibt die Klinik aber bei den Kosten, die der Brand verursacht hat. „Es ist ja nicht nur der Futtervorrat vernichtet worden“, sagt Fitz, „sondern wir müssen nun auch für die Entsorgung zahlen.“ Einfach auf den Kompost schmeißen, lassen sich die verbrannten Ballen aber nicht. 500 Euro kostet die Entsorgung einer Tonne in der Sondermülldeponie. Rechnet Fitz noch die Maschinen in der Halle und die Kosten für das Ersatzfutter dazu, liege der Schaden bei mehr als 110.000 Euro. Und es kommt noch dicker.

    Die Klinik habe die Lagerhalle lediglich gepachtet. „Für den Schaden haftet zwar in der Regel die Brandversicherung des Besitzers“, erklärt Fitz. Diese decke aber in der Regel lediglich die Schäden an dem Gebäude ab – es sei denn, dass auch das Inventar in der Police mit aufgenommen wurde. Dies aber sei offenbar nicht der Fall gewesen. Die Klinik droht nun, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

    Nicht nur ein materieller Schaden ist entstanden

    Doch es nicht nur ein materieller Schaden durch die jüngsten Brände entstanden. „Viele Menschen in Gessertshausen und Umgebung haben Angst“, sagt Fitz. Angst, dass der Brandstifter erneut zuschlagen wird. Einige Anwohner, deren Anwesen oder Stallungen etwas außerhalb liegen, würden nun bereits mit Nachtwachen die Objekte sichern. Fitz ist sich sicher, dass der Täter ganz gezielt den Tatort nach der optimalen Lage auswähle. „Unser Lagerhaus befand sich ja auch im Außenbereich und war somit ideal für den Brandstifter.“

    Die Tierklinik in Gessertshausen

    Tierärztliche Klinik Die Einrichtung in Gessertshausen ist die größte Tierklinik in Bayern und zählt zu den fünf größten Häusern in ganz Deutschland. Betreut werden in Gessertshausen jährlich rund 4800 Pferdestammkunden, 7500 Kleintierbesitzer und 450 Rinderbetriebe.

    Der Standort Seit 1987 werden Tiere aller Art in Gessertshausen behandelt. Die Klinik ist seit einiger Zeit ein Unternehmen der Altano-Gruppe. Rund 120 Mitarbeiter kümmern sich täglich rund um die Uhr um das Wohl der Patienten.

    Fachbereiche Unterteilt ist die Tierklinik in eine Klinik für Kleintiere, Exoten, Rinder und Pferde. Zudem gibt es eine Zahnstation für Pferde.

    Die Altano-Gruppe Der Klinikverbund bietet ein breites Spektrum diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen auf dem Gebiet der Tiermedizin. Aktuell sind in dem Verbund der Gruppe bundesweit zehn Kliniken integriert, die mehr als 62 000 Kunden betreuen. Unter dem Dach der Altano-Gruppe sind nach eigenen Angaben 440 Mitarbeiter beschäftigt und 160 Ärzte.

    Medizinisches Angebot Es werden Tiere aller Art vom Hamster bis zum Elefanten in jeder Fachrichtung tierärztlich versorgt, wobei der Schwerpunkt der tierärztlichen Tätigkeit mit über 40 Prozent des Umsatzes bei den Pferden liegt.

    Kontakt Die Anschrift ist „Tierärztliche Klinik Gessertshausen, Altano GmbH, Grasweg 2, 86459 Gessertshausen. Zu erreichen ist die Klinik telefonisch unter 08238/9618-0 oder per E-Mail an info@tierklinik-gessertshausen.de. (AL)

    Fitz denkt daher nicht, dass es sich bei dem wohl vorsätzlich gelegten Brand um einen gezielten Anschlag gehandelt habe. „Bei den vorherigen Brandstiftungen waren jeweils unterschiedliche Objekte das Ziel“, sagt er. Er denke daher, dass ausschließlich die isolierte Lage des Futterstadels den Täter animiert habe.

    Klinikgelände wird mit Überwachungskameras ausgerüstet

    Die Verunsicherung in der Tierklinik ist dennoch groß. Zusammen mit der Kriminalpolizei ergreift Fitz daher verschiedene Vorsichtsmaßnahmen. „Wir werden das gesamte Gelände der Klinik mit Überwachungskameras ausrüsten“, sagt er. Zudem sei Tag und Nacht Personal vor Ort. „Aber die müssen sich natürlich in erster Linie um die Tiere kümmern“, sagt Fitz.

    Regelmäßig werden die Stallungen kontrolliert, um zu schauen, ob es den Patienten gut geht. Bedarf es beispielsweise ob einer Kolik einer längeren Betreuung des Tiers, wären Teile des Geländes in dieser Zeit unbewacht.

    Zuletzt stand vor etwa zwei Wochen der Geräteschuppen neben dem Gessertshauser Feuerwehrhaus in Flammen.
    Zuletzt stand vor etwa zwei Wochen der Geräteschuppen neben dem Gessertshauser Feuerwehrhaus in Flammen. Foto: Marcus Merk

    Dr. Fitz und die 120 Mitarbeiter der Tierklinik hoffen nun, dass der Täter schnell gefasst wird. Doch noch gibt es keine heiße Spur, teilt die Polizei mit. „Die Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen“, sagt ein Pressesprecher. Zudem ist wie berichtet, auch die Polizei Zusmarshausen verstärkt mit Streifen unterwegs.

    Was in den vergangenen sieben Wochen in Gessertshausen passiert ist, lesen Sie hier:

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