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Landkreis

13.03.2020

Coronavirus bringt die Ärzte im Augsburger Land ans Limit

Wer Corona-Patienten behandeln will, braucht Schutzkleidung. Die ist aber immer schwerer zu bekommen und wird immer teurer. Ärzte bekommen häufig keinen Nachschub mehr.
Bild: Salvatore Di Nolfi, dpa (Symbolfoto)

In Diedorf ist eine Ärztin in Quarantäne. Ihre Kollegen arbeiten trotz Materialmangels auf Hochtouren. Wie Mediziner mit dem Ausnahmezustand umgehen.

In den Arztpraxen herrscht Ausnahmezustand. Doktor Bernhard Baur bringt die Lage der Mediziner in der Corona-Krise ziemlich deutlich auf den Punkt: „Ich sehe schwarz für das Gesundheitssystem im westlichen Landkreis, wenn das so weitergeht“, sagt der Internist aus Diedorf.

Auch Doktor Sören Dülsners Praxis in Langweid arbeitet auf Hochtouren. „Nicht nur wegen Corona, auch wegen der saisonalen Grippe“, sagt der Arzt. Seine Patienten machten, ähnlich wie die von Baur, aber trotz aller Besorgnis weiterhin einen Termin für die Sprechstunde aus. Das hatten die Behörden empfohlen. „Nur ein Patient ist unangemeldet gekommen. Er gehörte auch zur Risikogruppe“, erinnert sich Stechele. Der Test sei aber negativ ausgefallen.

Auch die Arzthelferinnen könnten ausfallen

Auch vor den Ärzten macht das Virus nicht halt: Eine von Baurs Kolleginnen ist bis nächste Woche in Quarantäne, obwohl sie negativ getestet worden sei. Sie hatte Kontakt mit einem Erkrankten. Auch seine Arzthelferinnen könnten ihm ausfallen, fürchtet der Mediziner: „Da sind mehrere alleinerziehende Mütter dabei. Wenn die Kindergärten schließen, muss sich jemand um ihre Kinder kümmern.“

Coronavirus bringt die Ärzte im Augsburger Land ans Limit

Ein weiteres großes Problem für die tägliche Arbeit ist der Schutz: „Es mangelt uns an Material“, sagt der Diedorfer. Überall seien Kittel, Handschuhe, Schutzmasken und Desinfektionsmittel ausverkauft. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern habe man ihm Nachschub versprochen, aber selbst dort fehlen die Materialien. „Wir benutzen die Masken mehrmals und mussten schon auf suboptimale OP-Masken zurückgreifen“, sagt Baur. Die böten wenigstens etwas Schutz.

Preise schießen wegen der Coronakrise in die Höhe

Desinfektionsmittel sei schon länger nicht zu bekommen. Baurs Praxis lässt sich in einer Apotheke Isopropylalkohol anmischen. Das sei zwar nicht so effektiv wie andere Chemikalien, aber besser als nichts. Die Preise würden bei der gesteigerten Nachfrage in die Höhe schießen: „Wir müssen das alles selbst bezahlen“, sagt Baur.

DÜlsners Praxis ist noch mit Material versorgt: „Wir haben, Gott sei Dank, bereits im Januar vorgesorgt und Schutzkleidung auf Vorrat gekauft“, sagt der Allgemeinmediziner, der in Langweid in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet. Handschuhe könne man mehrmals verwenden, aber für Kittel und die meisten Schutzmasken gelte das nicht. Auch Dülsner hat Probleme, Nachschub zu bekommen: „Wenn das so weitergeht, wird es in sechs bis acht Wochen knapp.“ Die Abstriche, die man braucht, um auf Corona zu testen, seien aber relativ leicht zu bekommen. Man benötige dort keine großen Mengen.

Mehr Unterstützung von staatlicher Seite gewünscht

Dülsner hat sogar eine eigene Corona-Sprechstunde eingerichtet. „Die ist aber nur für unsere eigenen Patienten. Wenn jeder, der glaubt, dass er Corona hat, hier aufkreuzt, kommen wir nicht hinterher“, befürchtet er. Die Reaktion der Behörden hält er für angemessen: „Dort handelt man überlegt und mit Hand und Fuß“, findet er. Man habe bereits früh angefangen, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. In anderen Ländern habe man erst angefangen zu handeln, als es die ersten Todesfälle gab. Baur sieht das ähnlich, aber er wünscht sich mehr Unterstützung von staatlicher Seite: „Die Politik muss sich was einfallen lassen, um die Ärzte in dieser Krise zu unterstützen“, glaubt Baur. Dort müsse man umdenken.

Dülsner kann die Verunsicherung bei seinen Patienten spüren: „Die Leute sind maximal beunruhigt“, sagt er. Er rät dazu, sich bei offiziellen Stellen wie dem Gesundheitsamt und dem Robert-Koch-Institut zu informieren. „In den sozialen Medien ist eine riesige Gerüchteküche entstanden. Da machen sich die Leute nervös“, findet er.

  • Info Die telefonische Hotline des Gesundheitsamts ist ab sofort täglich von 8 bis 19 Uhr erreichbar.
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