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30.05.2014

Die Liebe schreibt so manche Geschichte

Josef und Erika Weindel leben mit zehn weiteren Personen, darunter die beiden Töchter, im Weiler Schäfstoß. Sie genießen ihren großen Garten und die Idylle.
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Josef und Erika Weindel leben mit zehn weiteren Personen, darunter die beiden Töchter, im Weiler Schäfstoß. Sie genießen ihren großen Garten und die Idylle.

Ortstermin Die Familie Weindel lebt seit Generationen in dem Weiler Schäfstoß bei Horgau. Die Abgeschiedenheit und Idylle in dem Ort gefällt sowohl Jung als auch Alt / Serie (2)

Horgau-Schäfstoß Zwei Privathäuser, eine Kapelle, ein Weiher und das Anwesen der Familie Weindel – diese Anordnung macht Schäfstoß bei Horgau zu einem Weiler, wie er im Buche steht. Zwölf Personen leben auf circa 140 Hektar Land, darunter auch Rosa Weindel. „Ich habe heuer Jubiläum“, verrät die 80-Jährige. Vor 55 Jahren ist sie von Häder bei Dinkelscherben nach Schäfstoß gezogen, der Liebe wegen. Seither habe sich viel verändert. Früher gab es noch Mägde, Dienstboten, Hofbeschäftigte und Tagelöhner auf dem Hof. Heute kümmert sich ihr Sohn Josef Weindel allein um die Landwirtschaft, die seit 1978 ohne Kühe und seit 1999 ohne Schweine betrieben wird.

Seine Urgroßeltern Lorenz und Catharina Weindel bauten 1860 die Marienkapelle. „Früher läutete meine Schwiegermutter pünktlich mittags die Glocken“, erinnert sich Rosa Weindel. Vor rund fünf Jahren begann Josef Weindel – neben den anderen Arbeiten auf dem Hof – mit der Sanierung der Kapelle, in der früher sogar die Maiandacht gefeiert wurde. „Zu tun gibt es immer etwas auf dem Hof“, erklärt der 51-Jährige, der sein ganzes Leben lang auf dem Weiler verbracht hat. „Und zu entdecken auch“, ergänzt seine Frau Erika schmunzelnd.

Akribisch sammelt sie alle Details, die sie über ihren Wohnort finden kann. Ein Rätsel gibt noch ein vermeintlicher, unterirdischer Gang auf, der zum Burgstall geführt haben soll. „Den Gang haben wir leider bis heute noch nicht gefunden“, erklärt die 50-Jährige. Dieser geht auf die Zeit zurück, als Schäfstoß noch ein fürstbischöflicher Forsthof war und den Namen Ostheim trug. Doch das ist nicht die einzige Legende, die von Schäfstoß überliefert wird. Auch eine Kriegskasse aus dem 30-jährigen Krieg, ein vermeintlicher Schatz, den Jana und Janosch im Jahr 1648 im Weiher verstecken wollten, sei nie entdeckt worden – das Liebespaar habe jedoch beim Versuch, die Goldstücke zu verstecken, den Tod gefunden. Auch die Horgauer Magd Filomena sei Überlieferungen zufolge nach einer Affäre mit Gallus, dem Hoferben des Kirchenbauerns, im Schäfstoßer Weiher ertrunken.

Doch zurück in die Gegenwart und auf den Hof, der seit 1832 im Besitz der Familie Weindel ist. Was macht die Bewohner des Weilers heute aus? „Ich glaube, man wird eigen und weniger anpassungsfähig“, erklärt Erika Weindel mit einem Schmunzeln. Sie selbst lebt seit 13 Jahren in Schäfstoß und kann sich kein anderes Leben mehr vorstellen. Damit trotzt sie allen pessimistischen Vorahnungen, in denen ihr nach ihrer Hochzeit erklärt wurde, sie käme bestimmt in zwei Jahren geschieden wieder zurück nach Wertingen.

Dem war nicht so, vielmehr empfindet sie sich heute selbst als „heimliche Bürgermeisterin von Schäfstoß“. Für sie ist der Weiler etwas Besonderes und gleichzeitig ihr persönlicher „großer Garten“, in dem sie keine uneingeladenen Besucher dulden möchte. Das teilt sie den Naturfreunden auch mit, die – insbesondere nach der Asphaltierung und Beschilderung des Weges – den Weiler als Ausflugsziel ansehen. „Ich setze mich ja auch nicht auf die Terrasse und in den Garten von fremden Leuten“, erklärt die 50-Jährige. Besonders ärgerlich sei es dann natürlich, wenn die ungebetenen Gäste auch noch Reste ihres Picknicks zurücklassen.

Und wie gefällt’s dem Nachwuchs? Die 13- und 17-jährigen Töchter von Erika Weindel leben gern in Schäfstoß – auch wenn es zu Zeiten der Einschulung ein Problem der Zuordnung gab. „Unklar war, ob die Kinder nach Biburg oder Horgau zur Schule gehen sollten“, erinnert sich die Mutter. Und damit ist auch die Lage kein Geheimnis mehr: Der idyllische Weiler liegt nur einen Katzensprung von Horgau und Biburg entfernt und ist nur durch Bäume und Felder von der Bundesstraße 10 entfernt. „Wir sind in nur zehn Minuten in Augsburg“, beschreibt Josef Weindel die verkehrsgünstige Lage. Bekannt ist der Weiler nur wegen des kleinen Schildes an der B10 und bei Kollegen aus der Landwirtschaft – und das sei auch gut so. Familie Weindel genießt die Ruhe und Freiheit in Schäfstoß. Und wenn es doch einmal etwas Trubel sein darf, sind sie ja gleich mitten im lebendigen Landkreis Augsburg.

Serie Im nächsten Teil unserer Weiler-Serie sind wir in Salmannshofen bei Biberbach zu Besuch.

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