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Gablingen

29.04.2019

Ein Gablinger ist einer der weltbesten Schafkopfer

Erich Engel hat bei der Weltmeisterschaft im Schafkopf den sechsten Platz erreicht. 
Bild: Marcus Merk

Der ehemalige Geschäftsführer der Vhs im Augsburger Land, Erich Engel, wird bei der Weltmeisterschaft in Cham Sechster. Zum Sieg hat nicht viel gefehlt.

Sonnige Bräune im Gesicht, flinke wache Augen, schlank und vor Energie sprühend: Kaum einer glaubt, dass Erich Engel in Kürze 75 Jahre alt wird. Er steigt auch noch aufs Motorrad. Erst jüngst hat er eine genussvolle Spritztour in den Landkreis Dillingen unternommen, dann über die schöne Landschaft um Kloster Holzen wieder zurück nach Gablingen. Und, das betont er, dem Alter entsprechend nicht mehr mit dem Fuß auf dem Gaspedal, sondern eben gemächlich: „Es geht nicht mehr um Geschwindigkeit. Ich bin ein Schönwetterfahrer und fahre nur zum Spaß!“

Für so etwas hat Engel nun wieder Zeit und Muse. 37 Jahre war er Geschäftsführer der Volkshochschule Augsburger Land. Seit 2009 ist der umtriebige Senior in Ruhestand – und pflegt nun auch ein Hobby aus Kinderzeiten wieder intensiv: das Schafkopfspielen. Wen wundert’s, dass Erich Engel, der die Volkshochschule Augsburger Land maßgeblich entwickelt hat, auch da erfolgreich ist: Im April wurde er bei der zehnten Schafkopfweltmeisterschaft in Cham Sechster – und dies bei 472 Teilnehmern. „Zum ersten Platz haben mir nur 32 Punkte gefehlt“, sagt Engel und freut sich über den Erfolg. Zu diesem braucht man nicht nur gute Karten, „da muss man schon auch was können“, stellt er fest.

Ein Mann der Tat und der Ideen

Seit 2017 leitet er den „Schafkopfclub Pfersee 2“ und konnte die Zahl der Mitglieder des Clubs binnen Kurzem von 32 auf 58 steigern. Jetzt will er auch seiner Frau Karin, mit der er seit inzwischen 27 Jahren in Gablingen wohnt, das Karteln beibringen. Ein Mann der Tat und der Ideen. Denn auch, als er 1972 Geschäftsführer der Volkshochschule im Landkreis Augsburg wurde, ging es dank neuer Organisationsstrukturen bei der Einrichtung bergauf: „Wir haben pro Jahr zehn bis 15 Prozent Zuwächse gehabt und zeitweise 1000 Dozenten in unserer Datei!“

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Dabei begann Erich Engels Weg nicht gerade einfach. Ein Kriegskind, am 25. Mai 1944 in Tussenhausen geboren, da die Mutter zur Geburt wegen der Fliegerangriffe von Augsburg weg wollte. Danach ging es aber wieder nach Bergheim, ein Dorf bei Augsburg, in dem der Bub mit einer Schwester aufwuchs. Als Erich zwölf Jahre alt war, verstarb die Mutter, und der Bub musste viele Pflichten im Haushalt übernehmen. Das hat ihn geprägt. Acht Jahre ging er in Bergheim in die Volksschule; aufs Gymnasium nach Augsburg war damals nicht möglich, obwohl er das Zeug dazu gehabt hätte.

1971/1972 bekam er die Geschäftsführung der Volkshochschule

Über seinen Paten Albert Kaifer, Bürgermeister von Neusäß und Landrat, schlug Engel die Verwaltungslaufbahn ein, kam ans Landratsamt Augsburg und arbeitete dort in der Finanzverwaltung und in der Krankenhausverwaltung; nicht als Beamter, betont er, sondern im öffentlichen Dienst: „Ich wollte nicht gegängelt werden.“ Dass er 1971/1972 die Geschäftsführung der Volkshochschule bekam, bezeichnet Erich Engel heute nachträglich als „Glücksfall“.

Hier konnte er sich verwirklichen, die Angebote der Erwachsenenbildung in den 46 Mitgliedsgemeinden ausbauen. „Der Beruf hat mich zeitlich und inhaltlich voll ausgefüllt.“ Keine Zeit mehr für Bergsteigen, Tennis, Golf, die früheren Hobbys – da fielen dann auch manche Kontakte zu Freunden weg. Als Begleiter von Volkshochschulreisen kam er dafür weit in der Welt umher. „Die Volkshochschule war mein Herzblut, wie ein Kind“, gibt Erich Engel unumwunden zu, dass ihm 2009 das Ende der Berufszeit recht schwer fiel.

Genau an seinem Geburtstag war die Verabschiedung in den Ruhestand, und gleichzeitig wurde das 45. Bestehen der Volkshochschule Augsburger Land gefeiert. „Ich musste loslassen“, erinnert sich Engel. Aber eine ganze Weile noch hat er die Abteilung Studienfahrten unterstützt. „2017 habe ich die letzte Tour gemacht.“

Vom Skifahren bis zum Bergwandern

Doch auch im Ruhestand ist Erich Engel immer in Bewegung. Da braucht es, außer dem Skifahren, keinen weiteren Sport. Er pflegt seinen Wald, sorgt als Hobbykoch täglich für ein gutes Mittagessen und verwöhnt mit seiner kreativen Küche auch Gäste, geht zum Bergwandern ins Trentino – und organisiert natürlich den Schafkopfclub und Turniere.

Als er, damals noch berufstätig, nach „überstressigen“ Tagen in der Volkshochschule das erste Mal wieder Schafkopf spielte, „war ich wie neugeboren!“ Beim Schafkopfen, das er schon als Bub beherrschte, sei „alles ausgeblendet“, und überdies sei das Kartenspiel „gut für den Kopf.“

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