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Theater

27.10.2012

Ein Krimiautor auf Luthers Spuren

Die Gewissensnöte des jungen Martin Luther (Lorenz Wiedemann, rechts) gehen dem Ordensoberen Staupitz (Kathrin Amman) auf die Nerven.
Bild: Markus Maiwald

Die Gruppe Tramödians wagt einen unkonventionellen Blick auf den Reformator

Meitingen/Dinkelscherben Einen faszinierenden, spannenden und zugleich höchst vergnüglichen Theaterabend erlebten die zahlreichen Besucher der Uraufführung des neuen Stücks „Luther“. Die Dinkelscherber Theatergruppe Tramödians wurde für ihren Auftritt im evangelischen Gemeindesaal in Meitingen mit tosendem Applaus belohnt.

Das Drama des Allgäu-Krimiautors Willibald Spatz spannt einen Bogen vom jungenhaften Jurastudenten Martin Luther, der ebenso unter seinem Liebeskummer wie unter seinen moralisch-religiösen Skrupeln leidet, bis hin zur Heirat mit Katharina von Bora im Jahr 1525 und entfacht dabei ein Feuerwerk phantasievoller und oft auch witziger dramaturgischer Einfälle. Die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der Reformation werden eindrücklich zu Szenen verdichtet, die anschaulich machen, welche weltlichen Interessen das Leben von Martin Luther und den Lauf der Reformationsgeschichte mitbestimmt haben.

Wohltuend ist, dass all die sattsam bekannten Klischees über den Reformator gerade nicht in Szene gesetzt werden. Da werden keine Thesen an eine Kirchentür genagelt, und da wird kein Tintenfass auf den Teufel geschleudert.

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Stattdessen gibt immer wieder geradezu kabarettistische Szenen, die mehr von der Reformationszeit zeigen als alle peniblen Historienschinken: Boffi Freundlinger gibt beispielsweise komödiantisch einen Kaiser Maximilian, der mit Wiener Dialekt an einen alternden Strizzi erinnert, und Andreas Bücken liefert als Ablasshändler Tetzel ein Solokabarett, das die Zuschauer immer wieder zu Szenenapplaus hinriss.

Insgesamt 29 Charaktere der frühen Reformationszeit verkörpern die sieben Tramödians, bis zu fünf Rollen sind es pro Schauspieler, und jede davon wird mit inbrünstiger theatralischer Lust und Leidenschaft gespielt. Lorenz Wiedemann als Martin Luther mutiert mühelos während des Stücks vom jugendlichen Studenten über den skrupulösen Mönch zu dem mit sich selbst hadernden Reformator. Schließlich setzt er die innere Zerrissenheit Luthers angesichts der Bauernkriege geradezu gewalttätig in Szene.

Der Autor Willibald Spatz spart in seinem Stück nicht mit Kritik an Luthers politisch-theologischer Option für Stabilität, Recht und Ordnung und gegen die revoltierenden Bauern und Ritter, und trotzdem wird der „linke Flügel der Reformation“ nicht platt idealisiert.

Sicher, ein ganz klein wenig mehr von der Theologie Martin Luthers hätte man sich in dem Stück gewünscht, der reformatorische Durchbruch zum „allein aus Gnade“ wird nur angedeutet, der Bibelübersetzer fehlt. Aber dafür gibt es einen erfrischend unkonventionellen Blick auf Luther und seine Zeit und gut zwei Stunden pralles Theater, die im Nu verflogen sind.

Weitere Aufführung Das Stück ist nochmals am kommenden Mittwoch, 31. Oktober, um 20.15 Uhr in der Philipp-Melanchthon-Kirche in Dinkelscherben (Kohlstattstr. 2, bei der Grundschule) zu sehen.

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