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15.04.2019

Ein Mann, der Nein sagen konnte

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Der Augsburger Josef Felder spielte eine wichtige Rolle in der bayerischen Politik

Gleich vornweg, all unseren interessierten Lesern sei eine Internetseite von Schülern des Gersthofer Paul-Klee-Gymnasiums empfohlen, die sehr eingehend das Leben und Wirken der Persönlichkeit vorstellen, über die wir diesmal berichten: Josef Felder, Buchdrucker, Widerstandskämpfer, Politiker und Journalist aus Augsburg (http://www.joseffelder.de). Ein Mann, der – wie er selbst betonte – Nein sagen konnte. Nein zu politischen Entwicklungen, die er als falsch erkannt hatte, und das auch dann, wenn es gefährlich war.

Josef Felder kam am 4. August 1900 in Augsburg als Sohn einer Kaufmannsfamilie zur Welt. Seine Kindheit war von mehreren Umzügen geprägt, erst nach München und dann wieder zurück ins Schwäbische nach Mindelheim. Dort machte er nach Volks- und Realschule eine Ausbildung im grafischen Gewerbe und anschließend eine Buchdruckerlehre. 1915 ging er dann wieder nach München.

Mit 18 arbeitete er als Journalist beim Badener Tagblatt. Es entwickelte sich sein soziales Bewusstsein, er engagierte sich parteipolitisch links, gründete 1919 die Ortsgruppe der USPD, eine sozialdemokratische Konkurrenz der SPD. Schon ein Jahr später verließ er diese Partei, die sich den Kommunisten öffnete. Er wechselte in die SPD, der er bis zu seinem Tod am 20. Oktober 2000 in München treu blieb.

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Im Jahr 1925 zog er wieder nach Augsburg, wo er bis 1933 Redakteur der Schwäbischen Volkszeitung war. In diesen Jahren trat er auch als polnischer Redner für die SPD auf, ein Dorn im Auge der Nazis, die seine Veranstaltungen stets störten. 1929 wurde Felder Augsburger Stadtrat und 1932 als Vertreter seiner Heimatstadt Reichstagsabgeordneter. Nur ein Jahr später war er SPD-Ortsvorsitzender und mobilisierte seine Partei, gegen das Ermächtigungsgesetz (alle Gewalt ging auf Hitler über) zu stimmen. Ergebnis: Die SPD wurde verboten.

Kurze Zeit gelang es Felder, unter einem Pseudonym aufzutreten und Reden zu halten. Doch schon im Jahr darauf floh er zunächst nach Österreich, dann zurück nach Deutschland, wo er verhaftet wurde und in Dachau einsaß. Nach zwei Jahren gelang es einem seiner Brüder und dem Chef der Bekleidungsfirma Bogner, Felder aus dem KZ zu holen. Er fand Arbeit in der Buchhaltung der Bogners. Nach Kriegsende war er bis 1954 Verleger und Chefredakteur des Südostkuriers in Bad Reichenhall. Als bekennender Sozialdemokrat übernahm er 1955 bis 1957 die Chefredaktion des Vorwärts. Danach ging er als Abgeordneter der SPD nach Bonn. Warum er Nein sagte, schilderte er in einem gleichnamigen Buch. Darin berichtete der überzeugte Demokrat eindringlich über seinen Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Abschließend ein Zitat aus dem privaten Internetportal Augsburgwiki zu dem mit zahlreichen Ehrungen und Preisen ausgezeichneten Felder: 1995 wurde von der bayerischen SPD der Josef-Felder-Preis gestiftet, der Bürger ehren soll, „die sich in hervorragender Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht und Zivilcourage bewiesen haben“. Aus der Region gewann den Preis 2004 eine Gersthofer Schülergruppe für ihr Geschichtsprojekt „Zwangsarbeit in der NS-Zeit“.

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