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Naturschutz

21.06.2017

Er pflegt und bändigt die Wildnis

Christian Fendt in seinem Lieblingsbiotop bei Oberschönenfeld. Der Landwirt wurde mit dem „Grünen Engel“ für seine Arbeit ausgezeichnet.
Bild: Tobias Karrer

Landwirt Christian Fendt aus Gessertshausen hat den „Grünen Engel“ bekommen. Wofür er ausgezeichnet wurde und worin er seine Aufgabe sieht

Christian Fendt steht auf einer frisch gemähten Wiese, nahe des Klosters Oberschönenfeld. Er hüpft einige Male auf und ab. Schnell bildet sich unter seinen festen Arbeitsschuhen eine Pfütze. Es platscht und schmatzt. „Mit konventionellen Maschinen kommt man hier nicht weit“, erklärt der Landwirt aus Gessertshausen. „Dieses hier ist eines meiner Lieblingsbiotope, hier ist alles noch so wild und natürlich“, betont er und schaut sich um. Mitten in der gemähten Fläche sind Inseln von hohem Gras und blühenden Gewächsen stehen geblieben. „Das bleibt so bis zum Herbst, damit die Blumen aussamen können“, sagt Fendt.

Schon seit über sechs Jahren ist der Landwirt zusammen mit seiner Familie als Landschaftspfleger im Landkreis Augsburg tätig. Für sein Engagement hat er Anfang Juni den „Grünen Engel“ vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz erhalten. Die Auszeichnung erhalten Privatpersonen und Betriebe, die sich besonders für „Artenhilfs-, Schutz- und Pflegemaßnahmen“ einsetzen. Der Landwirt selbst freut sich über die Auszeichnung. „Es ist schön, dass unser Einsatz honoriert wird, und es zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betont der Preisträger.

Eigentlich hat Fendt Zimmerer und Landwirt gelernt und anschließend Betriebswirtschaft studiert, doch mit der Pflege und Nutzung „besonderer Flächen“ hatte er schon immer zu tun. Angefangen hat alles auf seinem eigenen Hof im Schmuttertal zwischen Margertshausen und Wollishausen. Auf dem Gelände gab es schon immer Flächen, die besondere Zuwendung brauchten. Als sich dann die Landwirte, die sich vor Fendt um die Biotope in der Region gekümmert hatten, in den Ruhestand verabschiedeten, stand die Familie vor einer Entscheidung. Das Ergebnis: „Wenn wir die Landschaftspflege übernehmen, dann machen wir es aber richtig.“

Mittlerweile ist die Pflege von Flächen, die nicht „in klassischer Weise“ landwirtschaftlich nutzbar sind, ein Standbein von Fendts Betrieb. „Wir bekommen Aufträge vom Naturpark Augsburg Westliche Wälder und von Gemeinden aus der Region“, sagt er. Er kümmert sich um über 50 Flächen in der Region. Das Ziel ist dabei immer die Erhaltung der Artenvielfalt und des Biotops an sich.

Um Landschaftspflege professionell zu betreiben, braucht es leichte Geräte und Maschinen. „Ich habe schon große Schlepper verkauft, nur um kleinere anzuschaffen“, lacht Fendt. Sonderanfertigungen sorgen dafür, dass er die Tragachsen seiner Fahrzeuge mit mehreren breiten Reifen bestücken kann. Er zeigt ein Foto von einem Anhänger, an dessen Achse sechs Räder angebracht sind. „So verteilt sich das Gewicht ordentlich und der Boden wird geschont“, sagt der Landwirt.

Außerdem muss sich Fendt auf die Arbeit in unwegsamem Gelände besonders vorbereiten. Er nutzt Luftbilder, um zu kontrollieren, welche Hindernisse sich im hohen Gras oder Schilf verstecken und welche Flächen besonders schützenswert sind. „Ich fühle mich manchmal wie ein Sportler, der die Abläufe immer wieder gedanklich durchgeht“, sagt Fendt. Viele der Aufgaben erfordern allerdings auch Handarbeit. So hat er kürzlich versucht, die Samen des Wiesenknopfs per Hand zu sammeln, zu trocknen und wieder auszusäen.

Doch Fendt ist nicht nur Landwirt und Landschaftspfleger, sondern auch Mittler zwischen konventioneller Landwirtschaft und Naturschutz. Er arbeitet im Spannungsfeld zwischen der extensiven Bewirtschaftung von Flächen, die Raum für Artenvielfalt und Naturschutz lässt, und der intensiven Nutzung. Letztere arbeitet mit schwerem Gerät und nutzt Ackerflächen für den Anbau von Mais oder ähnlichen Produkten. Eine Gefahr für Artenvielfalt und Böden.

Für Fendt trägt die Politik eine Mitschuld. Bei dem niedrigen Milchpreis und den Zuschüssen für Biogasanlagen hätten viele Bauern keine andere Wahl, als intensiv zu wirtschaften, betont er. Abhilfe schaffen könnte eine staatliche Förderung der extensiven Bewirtschaftung von Flächen.

Zurück auf Christian Fendts Lieblingsbiotop nahe des Klosters Oberschönenfeld, untersucht er eine der bunten Inseln in der gemähten Wiese. „Es ist das natürliche, wilde und ursprüngliche, das uns fasziniert“, sagt er. Man merkt ihm einen gewissen Idealismus an. „Man macht das nur, wenn es einem wirklich Spaß macht“, betont Fendt. Es seien vor allem die „faszinierenden Kleinigkeiten“, bei denen ihm das Herz aufgehe. Dazu gehörten Rehe, die ihnen bei der Arbeit begegnen, oder Störche, die hinter seinem Traktor auf der frisch gemähten Wiese etwas zu fressen finden.

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