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SEK-Einsatz in Diedorf

22.12.2019

Erst stiller Einsatz, dann Zugriff: So ist die Polizei in Diedorf vorgegangen

Zunächst hatte die Polizei in einem stillen Einsatz versucht, Kontakt zu dem 23-Jährigen aufzunehmen. Als dieser nicht antwortete, griff die Polizei schließlich zu, stürmte das Haus und befreite die Geiseln.
Bild: Marcus Merk

Plus SEK-Einsatz in Diedorf: Ein Mann hat am Samstagabend fünf Menschen festgehalten und mit einem Messer bedroht. Ein Protokoll des Einsatzes.

Es ist 23.15 Uhr, als ein lauter Knall die nächtliche Stille im kleinen Ort Anhausen zerreißt. Schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte stürmen über einen angrenzenden Garten das Wohnhaus im Elsternweg. Schreie sind zu hören. Dann wieder Stille. Nur wenige Minuten später kommen die SEK-Beamten um die Ecke und legen ihre Ausrüstung ab. Sie haben soeben nach fünf Stunden eine mutmaßliche Geiselnahme in dem Ortsteil von Diedorf (Landkreis Augsburg) unblutig beendet und drei Menschen befreit. Doch der Einsatz hatte schon viele Stunden zuvor begonnen. Ein Reporter und ein Fotograf unserer Redaktion waren unmittelbar vor Ort und berichten, wie sich der Polizeieinsatz abgespielt hat.

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Diedorf: So wurde der Polizei-Großeinsatz ausgelöst

Bereits um 18.10 Uhr gibt es nach Angaben der Polizei einen ersten Hilferuf aus dem Wohnhaus. Zu diesem Zeitpunkt ist die Lage völlig unklar. Angeblich hält ein Mann mit einem Messer fünf Menschen gegen ihren Willen fest und bedroht sie.

Weil die Einsatzleitung nicht genau weiß, wie dramatisch die Lage ist und in welcher Verfassung sich der Täter befindet, geht sie auf Nummer sicher: Ein Großeinsatz wird ausgelöst. Spezialeinsatzkräfte versammeln sich ab 19 Uhr am Parkplatz des Aldi-Discounters in Diedorf, kilometerweit weg vom Tatort.

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Der Parkplatz und der Supermarkt werden zum Stützpunkt für die Einsatzkräfte. Krankenwagen fahren vor, immer mehr Beamte des Spezialeinsatzkommandos aus München preschen auf den Parkplatz und beginnen, ihre Ausrüstung anzulegen und sich bereitzuhalten. Der Verpflegungszug des Roten Kreuzes stellt Tische und Bänke auf und bereitet Essen zu. Immer wieder laufen Polizisten hin und her, hektische Betriebsamkeit bestimmt das Bild.

Auf diesem Anwesen in Anhofen bei Diedorf hat es am Samstagabend einen Großeinsatz gegeben. Die Polizei griff gegen 23.15 Uhr ein und befreite die Geiseln.
Bild: Marcus Merk

Wie der Chef des Verdächtigen der Polizei helfen wollte

Unterdessen herrscht im Ortsteil Anhausen gespenstische Ruhe. Wüsste man nicht, was los ist, würde man nicht ahnen, dass hier gerade ein dramatischer Einsatz läuft. Am Feuerwehrhaus haben Techniker des SEK Aufstellung genommen.

Der Elsternweg ist abgeriegelt, aber nicht mit großem Brimborium. Alles geschieht ruhig und leise, um den Geiselnehmer nicht nervös zu machen. Bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass die kleinen Straßen alle voll sind mit Einsatzautos der Polizei. Die Beamten warten in den Wagen auf ihren Einsatz.

Die Einsatzleitung versucht, mit dem Täter in Kontakt zu kommen. Ihr kommt zur Hilfe, dass der Chef des 23-jährigen Markus S. sich meldet. Er überlässt den Beamten sein Handy mit den Kontaktdaten des Verdächtigen, sie schreiben ihm WhatsApp-Nachrichten. Doch Markus S. antwortet nicht.

Kein Kontakt zum Geiselnehmer - die Polizei entscheidet sich zum Zugriff

Er hält die Menschen in dem Haus weiter fest. Nach Angaben der Polizei stehen alle Geiseln in einem verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Verhältnis zum mutmaßlichen Täter. Nach Informationen unserer Redaktion sind die Mutter des 23-Jährigen und seine Freundin unter den Festgehaltenen.

Zwei der Geiseln können dann das Haus verlassen. Unklar ist, ob sie geflüchtet sind oder ob der Tatverdächtige sie hat gehen lassen. Doch drei Menschen hält er weiterhin gewaltsam fest. Als dauerhaft kein Kontakt zustande kommt, entschließt sich die Polizei zum Zugriff.

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Bild: Marcus Merk

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