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Landkreis Augsburg

27.11.2017

Falscher Pilot landet im Gefängnis

Der Angeklagte gab sich als Lufthansa-Kapitän aus (Symbolbild).
Bild: Marcus Merk

Ein Mann gibt sich als Lufthansa-Kapitän aus, schwört einer Frau seine Liebe und bringt sie um ihr Erspartes. Erst glaubt sie dem Hochstapler. Doch jetzt wurde der 61-Jährige verurteilt.

Sie reisen um die Welt, verdienen viel, tragen schicke Uniformen: Piloten scheinen auf Frauen mitunter eine große Anziehungskraft zu haben. Deshalb setzen auch Betrüger immer wieder auf die Piloten-Masche – besonders bekannt ist das aus der Gaunerkomödie „Catch me if you can“, wo Leonardo di Caprio den Hochstapler Frank Abagnale spielt, den es übrigens tatsächlich gab.

Filmreif ist auch der Fall, der heute vor dem Amtsgericht Augsburg verhandelt wurde. Ein Mann hat sich als Flugkapitän der Lufthansa ausgegeben, einer Frau seine Liebe geschworen und sie um ihr ganzes Erspartes gebracht. Deshalb muss er sich nun wegen Betrugs verantworten. Doch der Mann, der an diesem Nachmittag von zwei bewaffneten Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt wird, hat nichts von Leonardo di Caprio: braune Hose, blauer Pulli, Halbglatze, Bauch. Trotzdem hat der 61-Jährige es geschafft, eine 51-Jährige aus dem nördlichen Landkreis Augsburg so zu verführen, dass sie ihm blind vertraut hat.

„Es hat einfach sofort gepasst“, sagt die Lehrerin vor Gericht. Eine Freundin hatte den Mann im Internet kennen gelernt, bei ihr funkte es schon beim ersten Date. Und so gab die Frau dem Angeklagten nach wenigen Tagen ihren Wohnungsschlüssel. Und jede Menge Geld. 3000 Euro für eine Reise zur Formel 1 nach Abu Dhabi, 800 Euro für einen Thermenurlaub in Italien und 40.200 Euro für eine dubiose Geldanlage. Auf 100.000 Euro sollte sich ihr Vermögen innerhalb eines Jahres verdoppeln, versprach ihr Traummann. Der 61-Jährige gab nämlich nicht nur vor, Lufthansa-Kapitän und Millionär zu sein, er sagte auch, sein Bruder kenne sich mit Geldanlagen aus. Von ihrem Ersparten hat sie nie mehr etwas gesehen.

„Ich bin bis heute fassungslos, wie sich jemand so verstellen kann“, sagt die Betrogene vor Gericht. Sie erzählt von Telefonaten mit der Lufthansa, mit der Bank, mit dem Bruder, die sie mitgehört hat. Von Nachrichten ihres Liebsten aus Chile und Südamerika. Er habe auch ein großes Fachwissen über Flugzeuge gehabt, sagt sie. Einmal habe er seinen Co-Piloten sogar ein detailliertes Protokoll einer Landung aufs Handy schreiben lassen – „damit ich einmal mitbekomme, wie er das macht“.

Wenige Monate später stellte sich dann heraus: Das war alles gelogen. Ihr Traummann ist gelernter Maschinenschlosser, bezieht seit langem Hartz IV, hat 800.000 Euro Schulden und saß schon mehrere Jahre im Gefängnis. Die Reisen, für die ihm die 51-Jährige Geld gegeben hatte, fanden nie statt. Aus fadenscheinigen Gründen: Das Hotel in Italien hatte einen Wasserrohrbruch, der Flug nach Abu Dhabi kam nicht zustanden, weil er seinen Job bei der Lufthansa gekündigt hatte, um künftig nur noch Flugzeuge für Diamantenhändler zu fliegen. So sagte er es ihr. Und sie glaubte ihm. „Ich hatte keine Zweifel“, sagt die alleinerziehende Mutter. Sie hätten sogar nach einem gemeinsamen Haus gesucht und vom Heiraten gesprochen.

Alles kam schließlich heraus, als ihre damals 13-jährige Tochter sich den Tablet-Computer des Angeklagten ansah. Das Mädchen entdeckte, dass der Freund ihrer Mutter auf Sex-Seiten im Internet unterwegs war. Die 51-Jährige forschte genauer nach, ging zu einer Anwältin, dann zur Kriminalpolizei. Zwei Polizistinnen warfen den Mann im Februar schließlich aus ihrer Wohnung. Seit Mai sitzt er in Gablingen in Untersuchungshaft. Und er wird so schnell nicht mehr in Freiheit kommen: Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Ralf Hirmer verurteilt ihn zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Es ist nicht das erste Mal, dass er ins Gefängnis muss: Der Mann hat elf Vorstrafen und saß wegen Betrugs schon mehrmals in Haft. Er gibt zu, dass er sich als Pilot ausgegeben hat. Doch das Geld sei weiterhin gut angelegt. Er habe es an einen Dritten weitergegeben. Wer das ist, will er nicht sagen. „Sonst geht es mir sehr, sehr schlecht.“ Das Gericht glaubt ihm nicht.

Die Frau hat durch den Betrüger laut Anklage den Großteil ihres Vermögens verloren: 44.000 Euro. Doch nicht nur der finanzielle Schaden sei schlimm, sondern vor allem der psychische, berichtet die Lehrerin. „Es wühlt mich noch bis heute auf“, sagt sie und ihre bis dahin starke Stimme bricht, sie muss sich Tränen aus den Augen wischen. „Er hat doch immer gesagt: Ich bin sein ein und alles. Das ist so falsch, so skrupellos.“

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