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Horgau

02.07.2018

Heimat entsteht auch in Horgau nicht irgendwie

Johann Huber ist von dem Erfolg des Projekts überzeugt.
Bild: Dieter Jehle

In Horgau gibt es konkrete Pläne für Dorfladen mit Kaffeewirtschaft: Wie Ortskerne wieder fit werden sollen erklärt Johann Huber.

In Horgau plant die Genossenschaft Herzstück einen Dorfladen mit Kaffeewirtschaft: Sie sollen Plattform für viele Angebote sein. Das Projekt erhält Unterstützung von Am für Ländliche Entwicklung, weil es einer besorgniserregenden Entwicklung in Bayern entgegensteuert. Darüber spricht Behördenleiter Johann Huber im Interview.

In vielen ländlichen Gemeinde herrscht Disharmonie: Der Dreiklang aus BMW - das sind Bäcker, Metzger und Wirtschaft – bleibt aus. Viele Gastwirte geben auf, Bäckereien werden durch Filialen ersetzt und die Wurst gibt es nur noch im Discounter. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Johann Huber: Die Menschen im ländlichen Raum erwarten gleichwertige Lebensbedingungen und eine hohe Lebensqualität mit einer funktionierenden Grundversorgung in ihrem Lebensumfeld. Darauf sind besonders ältere Menschen und Menschen ohne eigenes Auto, aber auch Familien dringend angewiesen. Hier bietet die Ländliche Entwicklung Hilfe zur Selbsthilfe.

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In Horgau soll ein Dorfladen mit Kaffeewirtschaft entstehen. Dahinter steht eine Genossenschaft. Welche Chancen geben Sie dem Projekt?

Huber: Wenn hinsichtlich dieses Projektes der dörfliche Zusammenhalt gegeben ist und die Gemeinde Horgau dahintersteht, dann wird es aus unserer Erfahrung heraus zu einer positiven Umsetzung kommen. An die heute schon 100 Mitglieder der Genossenschaft sprechen dafür.

Wie kann das Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben unterstützen? Und wie kann das Amt den Prozess der Umsetzung begleiten?

Huber: Die Unterstützung ist vielfältig. In der Dorferneuerung können unter anderem Machbarkeitsstudien und Konzepte gefördert werden, um zu klären, ob das geplante Projekt sinnvoll und wirtschaftlich ist. In der Dorferneuerung können aber auch Kleinstunternehmen gefördert werden, wenn sie in die Grundversorgung der ländlichen Bevölkerung investieren. Dazu zählen etwa Bäckereien, Metzgereien, Gastwirtschaften oder Dorfläden. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass diese zu keiner Wettbewerbsverzerrung vor Ort führt.

Das Amt fördert insbesondere auch Projekte, bei denen sich Menschen an der Gestaltung ihres Lebensraums beteiligen. Eigentlich sollte es doch ganz normal sein, dass sich Menschen um ihr Umfeld kümmern. Haben Sie eine Erklärung, warum das heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist?

Huber: Dies ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Leider geht die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, in vielen Bereichen zurück. Hierfür gibt es viele Gründe. Hohe Arbeitsbelastung im Berufsleben oder andere Formen der Freizeitgestaltung außerhalb des dörflichen Angebots, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Welche Bedeutung haben Initiativen wie das „Herzstück“ generell für den ländlichen Raum?

Huber: Wohnen und Arbeiten sowie ein örtlich verfügbares Angebot mit Waren und Dienstleistungen gehören für einen attraktiven Standort zusammen. Aus diesem Grunde hat auch die für die Ländliche Entwicklung in Bayern zuständige Ministerin, Michaela Kaniber, die Initiative „Heimat-Unternehmen“ ins Leben gerufen. Mit dieser Initiative soll die Nahversorgung in den ländlichen Regionen gestärkt und unternehmerische Menschen unterstützt werden. Ziel ist es, aus Ideen gute Projekte zu machen. Wichtig dabei ist, eine gezielte Vernetzung der richtigen Leute und die passenden Finanzierungsmöglichkeiten zu finden. Um es auf den Punkt zu bringen: Solche Initiativen fördern den ländlichen Raum und machen seine Dörfer zukunftsfähig und lebenswert. Heimatgefühl entsteht nicht irgendwie und sowieso, sondern dafür muss etwas getan werden.

Kennen Sie ein Beispiel, das zeigt, wie ein Dorfladen zur Bereicherung für eine Gemeinde wurde und das Gemeindeleben noch weiter bereichert hat?

Huber: Die Dorfladenprojekte in Rögling und Tagmersheim im Landkreis Donau-Ries haben Vorbildcharakter.

Warum brauchen wir wieder mehr Leben in den Dorfkernen?

Huber: Die Revitalisierung von Ortskernen ist ein wichtiges Ziel in jeder Dorferneuerung. Unser Grundsatz lautet stets „Innen- vor Außenentwicklung“. Dorfkerne müssen wieder zu ihrer früheren Funktion zurückgeführt werden und zu Orten der Begegnung werden. Geben wir die Ortskerne auf, verkommen Dörfer zu reinen „Schlaf- und Wohnstätten“. Mit einer erhöhten Förderung werden Initiativen belohnt, wenn sie leer stehende Bausubstanz in Ortskernen zeitgemäß und effizient nutzbar machen. Dies steigert auch die Attraktivität jeden Dorfes, dient dem Erhalt der innerörtlichen Infrastruktur, wie Ver-und Entsorgungsleitungen, und hilft Flächen sparen.

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