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Gersthofen

19.08.2020

Islamfeindlichen Post geteilt: CSU reicht Entschuldigung nicht aus

Auf dem sozialen Netzwerk Facebook hatte Gersthofens zweiter Bürgermeister Reinhold Dempf (Freie Wähler) ein islamfeindliches Statement geteilt. Nun steht er dafür in der Kritik.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Gersthofens Zweiter Bürgermeister Reinhold Dempf betont, dass er die Äußerung nur auf seinem Facebook-Profil verlinkt habe. Der Post stamme von jemand anderem.

Die Diskussion um einen islamfeindlichen Post in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Du bist Gersthofer, wenn …“ geht weiter. Aufgrund eines Missverständnisses kam es bisher zu einem Fehler in unserer Berichterstattung. Wir haben das inzwischen korrigiert.

Wie berichtet, geht es um einen Screenshot mit dem Spruch „Wir lassen die Kirche im Dorf und die Moschee in Istanbul“, offenbar von der Facebook-Seite eines mehrfach verurteilten Islamgegners.

Reinhold Dempf betont im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich habe den Post gelikt und auf meinem Profil geteilt. Jemand anders hat dann einen Screenshot davon in der Gruppe ‘Du bist Gersthofer, wenn …’ gepostet.“ Er selbst habe den Spruch dort nicht reingestellt. „Ich habe mich entschuldigt und gesagt, dass es ein Fehler war. Weiter möchte ich mich in dieser Sache nicht mehr äußern“, erklärt er. „Ich habe von der Türkisch-Islamischen Gemeinde Gersthofen eine Einladung zum Dialog erhalten.“ Diese werde er „selbstverständlich annehmen: Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mich immer um Ausgleich und Vermittlung bemühe“.

Islamfeindlicher Post auf Dempfs Profil wurde noch am Sonntag gelöscht

Dempf hat den Eintrag auf seinem Profil noch am Sonntagnachmittag gelöscht, und auch in der Gersthofer Facebook-Gruppe wurde der Screenshot inzwischen entfernt. Wer den Screenshot gepostet hat, war bislang nicht zu erfahren.

Peter Schönfelder, der Vorsitzende der Fraktion SPD/Grüne, betont, dass sich jeder Demokrat von der inhaltlichen Aussage des Posts distanzieren müsse. Allerdings betont er: „Ich sehe das eher locker, denn ich kenne den Menschen Reinhold Dempf und schätze ihn als langjährigen politischen Weggefährten und Freund.“

Schönfelder zieht einen Vergleich zu einer Waage: „Wenn ich auf die eine Waagschale Dempfs soziales, politisches, kulturelles, sportliches und persönliches Engagement lege, wird sich die Waage auch keinen hundertstel Millimeter bewegen, wenn ich auf die andere Waagschale die fünf Worte ‘und die Moschee in Istanbul’ lege.“ Denn fünf Worte in einem politischen Leben, das sich über 50 Jahre erstrecke, „spielen für mich keine Rolle“, so Schönfelder weiter. „Er hat sich entschuldigt, damit ist es für mich erledigt.“

CSU-Fraktionsvorsitzender Frank Arloth: „Der Post war ein schwerer Fehler"

Anders sieht es CSU-Fraktionsvorsitzender Frank Arloth: „Der Post war ein schwerer Fehler, der einem Zweiten Bürgermeister nicht passieren darf.“ Es sei ein Unterschied, ob man das als Privatmann oder als Funktionsträger tue. Er finde überdies in diesem Zusammenhang die Diskussion in den Netzwerken entsetzlich: „Es ist fürchterlich, dass viele User diesen Post auch noch verteidigen“, so Arloth. Zwar habe Dempf sich entschuldigt. „Aber man darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“

Gersthofens Vize Reinhold Dempf zog Kritik auf sich, weil er einen islamfeindlichen Post auf Facebook geteilt hat.
Bild: Marcus Merk

Albert Kaps (Pro Gersthofen) versteht nicht, dass Dempf den Link zu der Äußerung auf seinem Profil geteilt hat: „Er steht in der Öffentlichkeit, daher ist das nicht einfach ein Klick.“ Die demokratischen Politiker in Gersthofen hätten gemeinsam erreicht, dass die AfD bei den Wahlen für den Stadtrat nicht angetreten sei.

Josef Koller (W.I.R.): "Wir haben zu viele wichtige Aufgaben, die wir erledigen müssen"

„Es wäre schlimm, wenn das gute gemeinsame Verhältnis mit der Islamischen Gemeinde in Gersthofen gespalten würde“, so Kaps. „Schließlich haben wir gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Siegfried Deffner für die Moschee gekämpft. Das war nicht leicht und erforderte viele Kompromisse auf beiden Seiten“, so Albert Kaps weiter.

Josef Koller (W.I.R.) betont: „Das müssen die Freien Wähler als Dempfs Partei und der Bürgermeister klären.“ Von seiner Fraktion werde es keine Forderungen geben. „Ich hoffe nur, dass das Thema nicht den Stadtrat wochenlang beschäftigen wird. Wir haben zu viele wichtige Aufgaben, die wir erledigen müssen“, so Koller.

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Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Islamfeindlichen Spruch gepostet.

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