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Kreis Augsburg

03.03.2017

Junge Fahrer werden schneller zu Rasern

Hohe Geschwindigkeiten sind bei jungen Autofahrern eine der Hauptunfallursachen.
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Hohe Geschwindigkeiten sind bei jungen Autofahrern eine der Hauptunfallursachen.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Experten erklären, welche besonderen Schwächen Senioren und Fahranfänger am Steuer haben. Aktuelle Zahlen der Polizei für das Augsburger Land bestätigen das.

Es war vermutlich der pure Übermut, der den 18-jährigen Fahranfänger bei Biberbach zu sehr aufs Gas steigen ließ. Kurz vor der Einmündung in eine Linkskurve kam sein Wagen nach rechts von der Straße ab. Zuerst prallte sein Auto in eine Leitplanke, schleuderte anschließend über die Straße und blieb letztlich in einem Graben liegen. Der 18-Jährige blieb unverletzt, den Sachschaden schätzte die Polizei auf 10000 Euro, als vermutliche Unglücksursache notierten die Beamten: zu schnell.

"Etwa jeder dritte Getötete ist ein Geschwindigkeitstoter"

Nicht immer gehen Unfälle, die auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind, so glimpflich ab. Die Polizei warnt: „Etwa jeder dritte Getötete ist ein Geschwindigkeitstoter.“ Zugleich belegt ihre aktuelle Unfallstatistik: Wenn bei Unfällen Raserei im Spiel war, sind auffällig oft junge Fahranfänger darin verwickelt.

Szenenwechsel: Weil er ein anderes Auto übersehen hat, hat ein 88-Jähriger in Meitingen einen Unfall verursacht. Wie die Polizei mitteilt, fuhr der Senior aus einer Parkbucht an der Hauptstraße in die Fahrbahn ein und übersah dabei das Fahrzeug einer 81-jährigen Frau, die in diesem Moment an ihm vorbeikam. Beide Fahrzeuge stießen zusammen. Es entstand ein Gesamtschaden in Höhe von rund 7000 Euro.

Auch dieser vergleichsweise Unfall ist typisch für eine Art von Zusammenstößen, die bei einer bestimmten Altersgruppe gehäuft vorkommt. Nach der aktuellen Unfallstatistik der Polizei verursachen Senioren am Steuer auffällig oft Unfälle, wenn es ums Abbiegen, Wenden, rückwärts Fahren oder Vorfahrtssituationen geht. Über die Hälfte aller Unfälle, die über 65-jährige Kraftfahrer im vergangenen Jahr im Landkreis verursacht haben, kamen so zustande. Zum Vergleich: Über alle Altersgruppen hinweg liegt dieser Wert nur bei 41 Prozent.

Fordert mehr Rücksicht auf ältere Autofahrer: Fahrlehrer Karl Mendlik 
Bild: Marcus Merk

Schon seit 54 Jahren arbeitet Karl Mendlik als Fahrlehrer. Er ist mittlerweile 77, würde also in der Statistik auch als Senior auftauchen. Mendlik erklärt sich die Unsicherheit, die viele Fahrer seines Alters an den Tag legen, vor allem durch Veränderungen im Straßenverkehr. „Als diese Menschen den Führerschein gemacht haben, war der Straßenverkehr noch viel ruhiger“, erklärt er. Technisch habe man damals noch nicht so schnell fahren können, es war weniger los auf der Straße und das Verhalten ein anderes. „Heute will jeder der schnellste sein und manche fangen an zu spinnen, wenn Ältere langsamer fahren“, beklagt der Fahrlehrer.

Der Neusässer Verkehrspsychologe Professor Edgar Rümmele sieht aber auch die Senioren in der Pflicht. „Viele sind unsicher und stur, wenn es darum geht, ihre Fahruntüchtigkeit einzusehen.“ Eine regelmäßige Kontrolle der Fahrtüchtigkeit im hohen Alter hält er durchaus für sinnvoll.

Stellt einen Zusammenhang zwischen Rasen und Bildung her: der Verkehrspsychologe Prof. Edgar Rümmele.
Bild: Marcus Merk

Karl Mendlik sieht das ähnlich, allerdings betont er, dass viele auf das Auto angewiesen seien und fordert mehr Rücksicht auf ältere Verkehrsteilnehmer. Beide sind sich einig, dass die Mehrheit der Senioren verantwortungsbewusst genug ist, den Führerschein zum gegebenen Zeitpunkt freiwillig abzugeben.

Unterschiedliche Schwächen bei jungen und alten Fahrern

Wo die Alten Schwächen haben, sind junge Fahranfänger (18 bis 24 Jahre) statistisch gesehen gut. Nur 38 Prozent der von ihnen verursachten Unfälle gingen auf das Konto von Vorfahrtsverletzungen oder Fehler beim Wenden oder Abbiegen. Dafür sind die Jungen oft zu schnell.

Überhöhte Geschwindigkeit löst bei den Anfängern beinahe jeden dritten Unfall (28 Prozent) aus. Über alle Altersgruppen hinweg ist sie nur bei 14 Prozent der Unglücke die Ursache, bei Senioren liegt dieser Wert gar bei nur sechs Prozent. Was die Raserei so gefährlich macht, sind die oft schweren Unfälle, die sie nach sicht zieht.

Verkehrspsychologe Rümmele erklärt, warum jüngere Menschen schneller zu Rasern werden: „Es galt unter Jüngeren schon immer als männlich und sexy sich als „Sensation Seeker“ zu präsentieren“. Das Auto biete jedem den dafür nötigen Adrenalinschub, den er suche. Anonym und problemlos.

Laut Rümmele spielt aber nicht nur das Alter des Fahrers eine Rolle, sondern auch der Bildungsgrad: „Die, die rasen, sind die bildungsmäßig abgehängten“, sagt der Professor.

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