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Königsbrunn/Diedorf

04.11.2017

Kämpfer gegen die Lungenpest

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Helfer vor Ort in Schutzanzügen. Die Aufklärung über die Gefahren und Symptome der Pest sind gerade vor der Regenzeit wichtig. Auch auf Madagaskar unterhalten das Rote Kreuz und der rote Halbmond Partnergesellschaften, die sich im Land auskennen.
Bild: Kreisverband BRK

Johann Keppeler aus Diedorf und Alexander Leupolz aus Königsbrunn engagieren sich fürs Rote Kreuz auf der von einer Seuche heimgesuchten Insel Madagaskar.

Die Handyverbindung nach Antananarivo funktioniert nicht gut. Alexander Leupolz aus Königsbrunn ist einer der Delegierten, die der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes ins Krisengebiet in Madagaskar entsendet hat. Seine Stimme klingt etwas verzerrt und bricht manchmal ab. Trotzdem ist er zu verstehen. Gerade steht er vor dem Eingang des Krankenhauses, das internationale Vertreter des Roten Kreuzes in den letzten Wochen für die Behandlung von Infektionen eingerichtet, erweitert und umgebaut haben. 33 Tonnen Hilfsgüter waren dafür nötig.

Kürzlich ist in der madagassischen Hauptstadt die Lungenpest entdeckt worden. Eine der gefährlichsten Formen der Krankheit. Leupolz hat gute Nachrichten: Mittlerweile haben er und seine Kollegen das Krankenhaus offiziell in Betrieb genommen. Alle notwendigen Maßnahmen seien abgeschlossen, das Infektionskrankenhaus betriebsbereit. „Das Wasser fließt aus allen Hähnen“, freut sich Leupolz.

Lungenpest kann innerhalb von 24 Stunden tödlich sein

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Auch für Johann Keppeler ist das eine gute Nachricht. Der Diedorfer ist gerade erst aus Madagaskar zurückgekehrt. Zwei Wochen lang war auch er für das Rote Kreuz im Krisengebiet und hat beim Aufbau des Krankenhauses geholfen.

Madagaskar hat die Hilfe der Freiwilligen des Roten Kreuzes bitter nötig. Die Lungenpest ist eine Infektion, die sich über direkte Tröpfcheninfektion ausbreitet. Ein Husten kann schon ansteckend sein. Wenn die Krankheit ausbreche, könne sie innerhalb von 24 Stunden zum Tod führen, erklärt Johann Keppeler. „In einer Stadt wie Antananarivo würde sich die Lungenpest rasend schnell ausbreiten“, sagt der Diedorfer. Gerade deshalb ist der schnelle Einsatz der Delegierten aus dem Landkreis und der ganzen Welt so wichtig.

Profis für den Katastrophenfall

Im Gespräch merkt man, dass der Elektromeister in Rente ein absoluter Profi auf dem Gebiet der Katastrophenhilfe ist. Er kennt die Abläufe genau, weiß was zu tun ist. Bei der Errichtung des Krankenhauses in der Hauptstadt des Inselstaates war er für die gesamte Technik zuständig. „Alles was ein normales Krankenhaus benötigt“, erklärt er. Wichtig sind hierbei vor allem die Entsorgung von Abwasser und Abfall. Es darf kein Krankheitserreger zurück in die Natur gelangen. Zum Schutz von Patienten und Helfern wird auch das Nutzwasser aufwendig gereinigt und mit Chlor versetzt.

Johann Keppeler und Alexander Leupolz haben Erfahrung. Zusammen waren sie schon in den verschiedensten Gebieten und Ländern der Welt tätig. Der Diedorfer hat schon Krankenhäuser in China, auf Haiti und in Jordanien mitaufgebaut. Auf gesperrten Autobahnen und leeren Fußballstadien. Seit über 12 Jahren ist er für das Deutsche Rote Kreuz auf der ganzen Welt unterwegs, war davor aber schon im Kreisverband engagiert.

Angst und Vorsicht gehören für die Helfer dazu

Abgebrüht ist Keppeler trotzdem nicht. „Ein gewisses Maß an Angst und Vorsicht gehört dazu und ist ein guter Begleiter “, betont er. Vor allem in Gebieten wie Madagaskar, die von Infektionskrankheiten betroffen sind, achtet er besonders auf die eigenen Hygiene, trinkt nur sein „eigenes Wasser“ und ist auch beim Essen vorsichtig.

Für Günter Geiger, den Leiter des Kompetenzzentrums für die Internationale Arbeit des Bayerischen Roten Kreuzes, ist die „Sicherheit im Einsatz in wesentlicher Faktor“. Alles in allem bereitet das Rote Kreuz seine Freiwilligen sehr gut auf die Einsätze im Ausland vor. Jeder durchlaufe eine Art Grundausbildung und werde vor dem Einsatz genauestens informiert. Dabei komme der Organisation vor allem ihr internationales Netzwerk und die lokalen Partnergesellschaften von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond zu Gute, erklärt Geiger.

Die Helfer bilden eine internationale Gemeinschaft

Am Ende des Telefonats mit Alexander Leupolz in Antananarivo wird die internationale Gemeinschaft der Helfer noch einmal deutlich. Eine weitere Keppeler bekannte Stimme meldet sich am Telefon. Sam, ein finnischer Kollege, der ebenfalls in Antananarivo tätig ist, grüßt freudig. „Vielleicht treffen wir uns ja bei der nächsten Katastrophe“, scherzt Keppeler auf Englisch bevor Alexander Leupolz auflegt. Auch er darf bald nach Hause fliegen. Der Einsatz des roten Kreuzes auf Madagaskar ist aber nicht vorbei. Das Krankenhaus bleibt bestehen und Delegierte bilden weiter Helfer im Kampf gegen die Pest aus.

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