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Diedorf

23.11.2018

Keime im Trinkwasser: So wirkt das Chlor auf die Diedorfer

Bis zum letzten Platz voll war der Saal der Traube in Anhausen. Die CSU hatte zu einem Bürgerratsch zum Thema Wasser geladen.
Bild: Horst Heinrich

Zum Thema Trinkwasser berichtet ein Landwirt von der geringeren Milchleistung seiner Kühe, auch ein Arzt spricht. Der Saal war bis auf den letzten Platz voll.

Warum hat zu solch einem Termin nicht die Gemeinde, sondern eine Gemeinderatsfraktion eingeladen? Diese Frage wurde beim Bürgerratsch der CSU Diedorf immer wieder gestellt. Der Saal der Traube in Anhausen war bis auf den letzten Platz voll, es ging ums Trinkwasser.

Die Ausgangslage der Trinkwasserversorgung in der Marktgemeinde beschrieb zunächst Fraktionsvorsitzender Thomas Rittel. Die Marktgemeinde verfüge über vier eigene Tiefbrunnen, zwei in Willishausen, jeweils einen in Anhausen und Diedorf sowie drei Übergabeschächte nach Augsburg. Seinen Worten nach ist das Wassernetz alt und marode, jetzt gelte es, dies schnell instand zu setzen. Nach dem Störfall im Sommer sei ein Hochbehälter aus den 70er-Jahren mit einer undichten Dichtung als Ursache des Problems identifiziert worden.

Vor Mitte 2019 ist mit Ende der Chlorung in Diedorf nicht zu rechnen

Sicher sei zudem, so Rittel, dass alle Hochbehälter im ähnlichen Alter seien und somit dem aktuellen technischen Stand angepasst werden müssten. Thomas Rittel befürchtet, dass vor Mitte 2019 nicht mit einem Ende der Chlorung zu rechnen sei. Aber auch die Bürger sind gefordert und haben ihren Beitrag zu leisten. Für sie gilt es sicherzustellen, dass die Leitungen in der eigenen Immobilie nicht verkeimen.

Über Maßnahmen der Wasserversorgung für Zuhause und in der Landwirtschaft informierte Installateur Erich Schulz. Stagnierende Wasserleitungen, klassische Totleitungen oder abgesperrte Außenleitungen über den Winter seien klassische Ursachen für Verkeimungen im Privathaushalt. Zur Anschauung hatte er verschiedene Ventile und bereits vorgeschriebene Systemtrenner mitgebracht, die dies verhindern. Entscheidend sei es, im Wassernetz eine Stagnation zu vermeiden. „Spülen, spülen, spülen, ist das Motto, insbesondere nach längerer Abwesenheit“, erklärte er mit Nachdruck.

Dass der Zusatz Chlor möglicherweise doch nicht ganz unbedenklich von Mensch und Tier vertragen wird, war aus den Schilderungen eines Landwirts zu entnehmen. Die Milchproduktion seiner Kühe, die 60 bis 80 Liter Wasser pro Tag trinken, sei seit Beginn der Chlorung von 50 Liter auf 36 Liter zurückgefallen. Damit verwies er auch auf die Schäden, die den Bürgern seiner Meinung nach durch die Gemeinde zugeführt wird. Bestehende Mehrkosten und Aufwände bemängelten auch weitere verärgerte Bürger.

Wasser aus dem Wasserhahn: Bürger befürchten gesundheitliche Nachteile

Dennoch waren sich die anwesenden Bürger weitgehend einig, das Wasser, das derzeit aus den Hähnen in ihren Wohnungen kommt, nicht zu konsumieren, da sie gesundheitliche Nachteile befürchten. Bei der abschließenden Fragerunde wollte ein Bürger wissen, warum der beschädigte Hochbehälter nicht einfach vom Netz genommen worden sei und stattdessen die Bürger mit Chlor traktiert würden. Hier erklärte Rittel, dass die Feuerwehr den Hochbehälter für Löschwasser benötigt habe.

Und dann ging es noch ums Geld. Welcher Anteil der Wassergebühren in Investitionen fließe, wenn dann doch nicht kontinuierlich etwas unternommen würde, schließlich zahle man ja auch regelmäßig, meldete sich ein anderer Fragesteller zu Wort. Es handele sich um ein umlagefinanziertes System, alles was investiert würde, müsse kostendeckend vom Bürger getragen werden.

Die Wasserwerke seien kein Gewinnbetrieb. Alles werde nur für Wasser und Kanal verwendet. Dabei seien regelmäßig Wartungen durchgeführt worden, wie etwa kürzlich bei der Sanierung der Bahnhofstraße antwortete Rittel.

Für die nun erforderlichen Investitionen in das Leitungsnetz müsse vom Gemeinderat der Wasserpreis entsprechend angepasst werden. Den Vorschlag eines Bürgers, einen Brunnen als Zapfstelle anzubieten, an der die Diedorfer sich selber mit qualitativ hochwertigem Wasser versorgen könnten, wollte Rittel gerne aus der Diskussion mitnehmen. Horst Heinrich, Ortsvorsitzender der CSU Diedorf-Biburg, unkte zum Abschluss: „Es wird Geld kosten, viel Geld!“.

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