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Kreis Augsburg

10.10.2016

Nachteile auf dem Arbeitsmarkt: Frauen brauchen oft zwei Jobs

Frauen mit Kindern müssen oft mit Teilzeitjobs über die Runden kommen. Darunter leidet die Rente. (Symbolbild)
Bild:  Jan-Philipp Strobel (dpa)

Im Landkreis arbeiten so viele Frauen wie noch nie. Und dennoch droht vielen die Altersarmut, weil ihre Rente im Schnitt nur halb so hoch ist wie die der Männer.

Sabrina Miehlich aus Gersthofen hat gleich zwei Jobs. Sie arbeitet in Teilzeit in einer Bäckerei und hat daneben noch eine Putzstelle in einem Büro. Die 27-Jährige macht das, weil sie wegen ihrer Tochter nicht Vollzeit arbeiten kann. Heutzutage brauche man als Familie zwei Einkommen, ist sie überzeugt. Außerdem wolle sie finanziell unabhängig von ihrem Mann sein, sagt sie.

Geschichten wie diese kennt Dr. Anette Rosch von der Agentur für Arbeit Augsburg genügend. Rosch ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Sie weiß, mit welchen Schwierigkeiten Frauen und speziell Mütter bei der Arbeitssuche zu kämpfen haben.

Rund 55 Prozent aller Frauen in der Region gehen arbeiten

Dabei sind immer mehr Frauen berufstätig. Das zeigt ein Blick in den Regionalatlas. Deutschlandweit ist die Beschäftigungsquote von Frauen in den vergangenen 15 Jahren stetig gestiegen. Im Landkreis Augsburg hatten zuletzt rund 55 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle. Im Jahr 2000 lag der Anteil noch bei 46,1 Prozent.

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Nicht miteingerechnet in diese Zahlen sind Beamte, Selbstständige oder Minijobber. Zum Vergleich: Bei den Männern weißt die Statistik eine Beschäftigungsquote von 64,1 Prozent aus.

Rosch hat mit vielen Frauen gesprochen, die wieder in den Beruf einsteigen wollen und sie kennt auch den meistgenannten Grund dafür. Es ist die finanzielle Not. „Man denkt oft, den Frauen gehe es um Selbstverwirklichung, das ist aber nur sehr selten der Fall“, sagt sie. Weil aber die meisten Wiedereinsteigerinnen nur Teilzeit arbeiten wollen oder können, gebe es schon gleich zu Beginn der Arbeitssuche Probleme.

Für Frauen mit Kindern ist es schwer, die passende Arbeit zu finden

Denn: Zwar gebe es Teilzeitstellen, doch dafür sollen die Bewerberinnen flexibel sein. Und genau da hakt es. Solange der Nachwuchs noch klein ist, ist die Betreuung in den Kindertagesstätten für viele noch machbar. Doch Rosch weiß, dass für viele Mütter die Probleme dann losgehen, wenn der Sohn oder die Tochter in die Schule kommt. Hortplätze seien rar und es gebe nicht genügend Ganztagsklassen, sagt Rosch.

Diesen Eindruck bestätigt Tanja Köhler, die Fachfrau für das Thema Wiedereinstieg bei den beruflichen Fortbildungszentren der bayerischen Wirtschaft (bfz). „Es liegt nicht daran, dass die Frauen nicht gut genug qualifiziert sind“, erklärt sie. Der Knackpunkt sei, dass die meisten Frauen am liebsten von acht bis zwölf Uhr arbeiten wollen und die Firmen nicht so flexibel sein können und wollen.

Doch beim Thema Arbeit und Frauen gehe es nicht nur um die Wiedereinsteigerinnen. Sorgen bereiten Rosch derzeit auch die Frauen, die um die 50 Jahre alt sind und eine neue Beschäftigung suchen. „Kürzungen in den Betrieben betreffen oft Teilzeitstellen und somit Arbeitnehmerinnen“, erklärt sie. Veränderungen gebe es aktuell beispielsweise im Bankenwesen. Gerade Frauen, die 30 Jahre lang in einem Betrieb gearbeitet haben, brauchen eine besondere Unterstützung, wenn sie sich mit 50 Jahren in einem anderen Betrieb bewerben sollen. Dafür gebe es in der Arbeitsagentur ein spezielles Team.

Frauen bekommen im Schnitt fast nur halb so viel Rente wie Männer

Rosch appelliert an alle Frauen, sich genau zu überlegen, wie sie sich beruflich entwickeln wollen, auch wenn die Kinder noch klein sind. Dabei sollten die Mütter auch überlegen, wie es nach einer Trennung oder einer Scheidung weitergehen könnte. „Die Altersarmut ist weiblich“, gibt Rosch zu bedenken.

Das zeigen auch aktuelle Zahlen zur Rentenhöhe, die die Staatsregierung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im Landkreis herausgegeben hat. Demnach erhalten Frauen im Landkreis Augsburg aus eigenem Verdienst im Schnitt eine Rente von 559 Euro pro Monat, bei den Männern sind es 506 Euro mehr, also insgesamt 1065 Euro für Einzelrentner.

Damit liegen die Frauen im Landkreis Augsburg unter dem Schnitt in Bayern (569 Euro) und leicht über dem in Schwaben (553 Euro). Die durchschnittliche Einzelrente für Männer liegt im Landkreis aber über dem bayernweiten Durchschnitt (1003 Euro) und Schwaben (1004 Euro). Besonders von Altersarmut bedroht sind alleinerziehende Frauen. Das zeigt auch der vor kurzem erschienene Bericht der Staatsregierung „Soziale Lage in Bayern“. Danach haben die über 65-jährigen Frauen ein Armutsrisiko von 25 Prozent, Alleinerziehende - überwiegend Frauen - von 42 Prozent.

Berufsrückkehrerinnen können sich mit ihren Fragen an Dr. Anette Rosch von der Agentur für Arbeit, Telefonnummer 0821/3151-379, wenden.

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