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Langweid/Augsburg

18.03.2020

Plärrer-Absage: Das Coronavirus bedroht ihre Existenz

Stefanie Schmidt und ihr Mann Philipp Meeß wollten ihren Wohnwagen schon für die Sommersaison und das Leben auf Festen herrichten, als der Osterplärrer abgesagt wurde.
Bild: Marcus Merk

Plus Das Aus für den Osterplärrer wegen des Coronavirus bringt der Schaustellerin Stefanie Schmidt und ihren Kollegen große Probleme. Das Volksfest ist ihre wichtigste Einnahmequelle.

Die von der Regierung verfügten Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise haben weitreichende Folgen für alle Bürger. Für manche Berufsgruppen, wie die Schausteller, sind sie existenzbedrohend. So trifft beispielsweise Stefanie Schmidt und ihren Mann Philipp Meeß aus Langweid die Absage des Osterplärrers hart. Stefanie Schmidts Eltern betreiben sonst auf Schwabens größtem Volksfest das „Almdorf“. Sie selbst bietet in der „Hexenküche“ Crêpes an, und ihr Mann Beachjumping. „Für uns ist das wirklich eine Vollkatastrophe, wir wissen nicht, wie’s weitergeht.“

Augsburger Plärrer als wichtigste Einnahmequelle

Schmidt und Meeß waren schon dabei, ihren Wohnwagen für die Volksfestsaison herzurichten, als sie die Nachricht vom Plärrer-Aus erreichte. „Außerdem hätten wir danach noch mehrere Veranstaltungen für die Stadt Augsburg gehabt.“ Aber der Plärrer sei für die Schausteller der Region übers Jahr hinweg die essenzielle Einnahmequelle. Stefanie Schmidt betont: „Wir sehen es ja ein, dass der Plärrer abgesagt wurde, denn die Gesundheit der Menschen geht in jedem Fall vor.“ Daher wolle sie der Stadt Augsburg auch überhaupt keine Vorwürfe machen. „Die Stadt kann ja nichts dafür.“

Dennoch wissen sie und ihr Mann – aber auch viele Schaustellerkollegen nun nicht, wie es weitergehen soll. „Wir haben im Vorfeld schon viel Geld gezahlt, beispielsweise mein Mann für TÜV-Untersuchungen.“ Sie habe auch Kredite aufgenommen, um die benötigten Lebensmittel vorzufinanzieren. Jeder Schausteller plant mit seinem Einkommen bis zur ersten Veranstaltung im nächsten Jahr. Wenn diese ausfällt, wird es schnell finanziell sehr eng.“

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Personalkosten der Schausteller fallen weiter an

Außerdem müsse ja auch das Personal gezahlt werden. „Alleine in der Hexenküche habe ich vier Mitarbeiter, davon zwei aus Rumänien.“ Diese seien bereits bei ihr in Langweid angekommen. Der Job bei der Hexenküche sei der Hauptverdienst dieser Menschen. Diese treuen Mitarbeiter wolle sie auch nicht im Stich lassen. „Ich habe hier eine Fürsorgepflicht – sie brauchen den Verdienst ja dringend. „Meine Eltern warten noch auf zwölf rumänische Mitarbeiter, die am 1. April kommen sollten.“ Am Dienstag hat sie mit einem davon telefoniert: „Er könnte zwar Rumänien verlassen, aber danach geht es nicht mehr weiter.“ Denn es fahren keine Busse mehr nach Deutschland.

„Wir sind total verzweifelt – das gilt auch für meine Schaustellerkollegen.“ So hätten die teuren Fahrgeschäfte vielfach die vorgeschriebenen teuren TÜV-Untersuchungen bereits hinter sich, die Betreiber große Summen investiert. „Solch ein großes Fahrgeschäft wird über zahne Jahre und mehr finanziert, da kann der Ausfall des Plärrers die Pläne gewaltig durcheinanderbringen und das Unternehmen gefährden. „Das ist höhere Gewalt, da gibt es keine Versicherung, welche in solchen Fällen greift“, bedauert die Schaustellerin.

Plärrer-Absage: Schausteller haben Kurzarbeitergeld beantragt

Gefährdet sind aber auch die kleinen Betriebe. „Unsere Zahlungen laufen weiter: Wir sind als Selbstständige privat krankenversichert. Die Krankenversicherung lässt nicht mit sich handeln, wenn man einmal keine Beiträge zahlen kann.“ Für ihre Mitarbeiter hat Stefanie Schmidt jetzt Kurzarbeitergeld beantragt. „Ich hoffe, dass der Antrag auch bewilligt wird.“

Von den versprochenen Krediten, mit welchen die bayerische Staatsregierung die Unternehmer in der Corona-Krise unterstützen möchte, hält Stefanie Schmidt wenig: „Die Kredite müssen wir irgendwann zurückzahlen – sie ersetzen uns die Einnahmeausfälle nicht.“

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