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Mittelneufnach

17.04.2015

Praktikum am Pizzaofen bietet Perspektiven

Muhammad Rezaul Karim bereitet im Gasthof Adler in Mittelneufnach auch Pizza zu.
Bild: Alexander Sing

Nach drei Monaten dürfen Flüchtlinge hier eine Arbeit aufnehmen. Etwas zu finden, ist aber nicht einfach.

Mit flinken Händen verteilt Muhammad Rezaul Karim, kurz Karim, in der Küche des Gasthofs Zum Adler in Mittelneufnach Tomatensoße und Käse auf dem Pizzateig. Die Pizza soll später in der Bar im Keller des Gasthofs von Frank Zott in Mittelneufnach verkauft werden. Karim stammt aus Myanmar und lebt derzeit im Asylbewerberheim in Walkertshofen, dem ehemaligen Hotel Burgberg. Der 32-Jährige kam ohne seine Familie nach Deutschland.

Früher hatte er als Koch gearbeitet. So kam er zu einem zweiwöchigen Praktikum in Frank Zotts Küche. Der möchte seinen Mitarbeiter jetzt nicht mehr hergeben. „Er passt gut in meinen Laden. Er sieht, wo Arbeit ist, und ist immer hilfsbereit.“ Das einzige Problem sei die Sprache. Karim spricht nur wenig Deutsch, fühlt sich mit Englisch wohler. „Er versteht die Kommandos nicht und kennt auch die Geräte noch nicht“, meint Frank Zott. Aber der Wille zu lernen, sei bei Karim da. Ob er allerdings lange genug bleiben kann, um als Koch in Deutschland angelernt zu werden, ist ungewiss. Solange das zuständige Bundesamt nicht über seinen Asylantrag entscheidet, wird sein Bleiberecht immer nur für drei Monate verlängert.

Dass diese Entscheidung manchmal jahrelang auf sich warten lässt, kritisiert Walkertshofens Bürgermeisterin Margit Jungwirth-Karl scharf. Sie hatte Karim das Praktikum verschafft. „Das ist einfach keine Perspektive. So können die Asylsuchenden nicht Fuß fassen“, sagt Jungwirth-Karl. Sie hat bereits einige Arbeits- und Praktikumsplätze für die Flüchtlinge in ihrer Gemeinde vermittelt und weiß um die Schwierigkeiten, gerade auf dem Land. Denn die Situation von Karim ist sinnbildlich für viele Flüchtlinge in der Region. Es gibt wenige Stellen, die Arbeitsplätze und Berufsschulen sind ohne Auto schwer erreichbar.

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Die IHK Schwaben hat Ende des vergangenen Jahres einen Versuch gestartet, Praktikumsplätze an junge Kriegsflüchtlinge zu vermitteln. Sie sollen mit Unternehmen zusammengebracht werden, zunächst in Kurzzeitpraktika. Die Arbeitserlaubnis stellt das Landratsamt in der Regel ohne Probleme aus und für Unternehmen entstehen dabei keine Kosten. Ziel ist es, einen Ausbildungsplatz oder zumindest eine Einstiegsqualifizierung zu vermitteln. Von 180 in Schwaben erfassten Flüchtlingen gelang das bisher bei sechs.

Auch neun Unternehmen aus der Region haben sich als Partner angeboten. Bisher ist die Resonanz allerdings überschaubar. Lediglich ein Unternehmen, das Autohaus Müller & Klöck in Schwabmünchen, hat bisher einen Praktikanten vermittelt bekommen. Geschäftsführer Martin Jennissen war durchweg zufrieden. „Wir hatten einen jungen Mann aus Afghanistan da. Obwohl er wenig Deutsch konnte, hat er auch von sich aus mit Kunden gesprochen. Leider haben wir momentan keinen Ausbildungsplatz für ihn.“ Das Autohaus wolle aber dennoch weiterhin Plätze anbieten.

Anna Bergmair von der IHK meint, es sei schwierig, die Asylbewerber zu erreichen. „Wir versuchen es über die Berufsschulen und Deutschklassen. Aber die Ehrenamtlichen vor Ort wissen meist besser Bescheid, wo Bedarf da ist.“ Interessenten im ausbildungsfähigen Alter könnten sich jederzeit melden.

Eine dieser Ehrenamtlichen ist Petra Kohnle. Die Königsbrunnerin sieht bei solchen Projekten nur begrenzten Erfolg. „Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, aber wenn es konkret wird, ist es so schwierig, jemanden unterzubringen.“ Zudem würde sie sich wünschen, dass entsprechende Initiativen auch beworben würden. „Es gibt hier ein Projekt, da ein Projekt. Aber bis man es mitkriegt, ist es schon vorbei oder voll“, so Kohnle.

Karim dürfte das egal sein. Er ist einfach nur dankbar, in Mittelneufnach endlich ein wenig Geld zu verdienen und eine Aufgabe zu haben.

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