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Landkreis Augsburg

16.04.2019

Retten Hunde Menschen aus Freundschaft?

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Filmhund Lassie und ihr bester Freund.
Bild: Bert Reisfeld/dpa

Plus Hund Oslo stapft seit seiner Rettungsaktion beim TSV Meitingen in Lassies Spuren. Doch kann ein Vierbeiner der beste Freund sein? Martin Rütter klärt auf.  

Hund Lassie hat es vor mehr als 60 Jahren allen anderen gezeigt. Todesmutig rettete die Collie-Dame in der gleichnamigen Fernsehserie den kleinen Jeff immer wieder aus gefährlichen Situationen und beschützte ihn in allen Lebenslagen. Lassie erreichte Kultstatus. Auf einem ähnlichen Weg ist seit Sonntag der Australian Shepherd Oslo.

Hund Oslo ist beim Fußballspiel des TSV Meitingen sofort Herrchen zur Hilfe geeilt, als diesen ein gegnerischer Spieler vom SC Altenmünster gefoult hat. „Der Hund ist der beste Freund des Menschen“ heißt es seitdem. Doch ist dem wirklich so? Oder ist es eher Wunschdenken?

Tschako bellt Hilfe herbei

Andreas Graf Riebler von Rowell hat dazu eine klare Meinung. „Mein Sohn hat einmal an einem Weiher gespielt und Steine ins Wasser geworfen“, sagt er. Plötzlich sei sein Hund Tschako aufgesprungen, ans Wasser gelaufen und habe lautstark gebellt. Zunächst habe er sich gedacht, der Mischling aus Boarder- und Berner Sennhund sei auf eine Katze losgegangen. „Doch dann habe ich gesehen, dass mein Sohn im Wasser liegt." Tschako hatte es sofort bemerkt und quasi Hilfe herbei gebellt.

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„Es ist eine ganz besondere Beziehung, die ein Hund mit seiner Familie hat“, sagt Riebler, der vor einiger Zeit, die BRH-Rettungshundestaffel Augsburg und Umland gegründet hat. Er hat seine beiden Hunde als Welpen im Alter von zehn Wochen bekommen „und es sind ganz treue Seelen“. Eine intensive Bindung sei jedoch auch mit älteren Hunden möglich. „Und zwar mit jeder Rasse“, sagt er. Etwas Vergleichbares gebe es in der gesamten Tierwelt nicht und sei bei Katzen beispielsweise nicht möglich. Eines sei aber bei aller Liebe zum Hund wichtig. „Die Chefs im Rudel sind immer meine Frau und ich“.

Martin Rütter: Gefühle beim Hund sind messbar

Deutschland bekanntester Hundetrainer Martin Rütter, der auch bereits mehrfach in der Region aufgetreten ist, sieht die Sache allerdings ein wenig differenzierter. „Der beste Freund des Menschen ist immer noch der Mensch“, sagt er. Wer etwas anderes glaube, der ziehe sich aus dem Menschlichsein zurück. In einem Punkt aber ist Rütter der gleichen Meinung. „Wenn wir jetzt die verschiedenen Tiere vergleichen, dann passt der Hund tatsächlich am besten von allen zum Menschen.“ Denn: Gefühle beim Hund seien messbar, da sie Hormone ausschütten. „Und Hunde, die ihren Halter wiedersehen, empfinden Glück und, ja, so etwas wie Liebe, weil eben die entsprechenden Hormone ausgeschüttet werden.“

Außerdem habe der Hund eine Eigenschaft, die sonst kein Tier hat: „Der Hund ist in der Lage, einen Artfremden als gleichwertigen Sozialpartner zu sehen.“ Schließlich wisse er, dass wir Menschen keine Hunde sind. „Aber wir können für ihn so wichtig werden wie ein anderer Hund“, sagt Rütter. Und so etwas könne keine Katze, kein Pferd und kein Wellensittich. „Selbst ein Affe kann das nicht“. Rütters Fazit: „Der Hund kann sich also wirklich auf einen Menschen einlassen, und dadurch entsteht eine ganz besondere Nähe.“

Martin Rütter greift dieses Thema auch in seiner neuen Live-Show auf. „Freispruch“ heißt das Programm, in dem der Hundetrainer die Besucher zielsicher durch den skurrilen Beziehungsdschungel von Mensch und Hund lotsen will.

Der Hund ist ein Rudeltier

Bestens mit der Beziehung von Hasso und Herrchen kennt sich auch Polizeihauptkommissar Michael Deißler aus. Er ist Leiter der Diensthundestaffel in Königsbrunn und sagt: „Seit es durch die Domestizierung die Haltung des Hundes als Haustier gibt, entsteht grundsätzlich – bei guter Haltung – eine Freundschaft zwischen Mensch und Hund.“ Der Hund sei schließlich ein Rudeltier und fühlt sich daher in seinem „Rudel mit Menschen“ sehr wohl, wenn ihm eine artgerechte Haltung geboten wird.

Bezugsperson und Chef im Rudel wird immer der Mensch sein, der sich am intensivsten mit dem Hund beschäftigt. Eine Bindung könne somit nicht „anerzogen“ werden, sondern entstehe durch gemeinsame positiven Erlebnisse zwischen Mensch und Tier.

Allerdings könne eine zu starke Bindung auch Nachteile haben, weil der Hund dann niemand anderes mehr an die Bezugspersonen heranlässt und sogar fremde Menschen anfallen könnte. „Wie diese Verteidigung im Einzelfall aussieht, kann aber nicht generell beurteilt werden“, sagt der Hundeführer.

  • Leseraktion: Wir suchen „Kumpel Lumpi“

Wie halten es Herrchen und Frauchen im Augsburger Land? Ist hier der Hund der beste Freund? Schicken Sie uns doch ihre schönsten Fotos mit ihrem Vierbeiner. Wir werden die Bilder in der Online-Ausgabe unserer Zeitung und auf Facebook veröffentlichen. Die schönsten Fotos werden zudem in der Zeitung abgedruckt. Einsendungen bitte als PN auf Facebook an Augsburger Landbote oder per Mail an redaktion.landbote@augsburger-allgemeine.de. Stichwort „Kumpel Lumpi“.

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