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Porträt

25.03.2020

Rot-Grünes Ehepaar im Gemeinderat in Langweid: Kann das funktionieren?

Sie ziehen seit bald 50 Jahren gemeinsam an einem Strang: Christine und Heinz Koutecky.
Bild: Sonja Diller

Plus Christine Koutecky wurde in Langweid mit ihrem Mann Heinz in den Gemeinderat gewählt. Das stellt die beiden privat vor völlig neue Fragen.

Im neuen Langweider Gemeinderat sind gleich zwei Stühle auf den Namen „Koutecky“ reserviert. Heinz Koutecky sitzt mit Unterbrechungen schon seit 14 Jahren für die SPD im Gemeinderat. Seine Frau Christine ist mit dem neuen Grünen-Team angetreten und hat auf Anhieb eines der drei Mandate der Gruppierung ergattert. (siehe auch: Alles zu Langweid)

Die neue Gemeinderätin ist „immer noch ganz von den Socken“ über den Erfolg, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Sie wollte mit ihrer Kandidatur vor allem „das Engagement der jungen Leute“ unterstützen. Dass sie nun am runden Tisch mit dabei ist, wenn es um Entscheidungen für Langweid geht, freut die im Ort für ihr soziales Engagement bekannte 66-Jährige „ganz arg.“

Langweid: Typisch grüne Themen sind Koutecky wichtig

Typisch grüne Themen sind ihr wichtig, doch nicht Parteipolitik, sondern vor allem das Arbeiten für die Belange der Gemeinschaft sollte in den Gemeinden vorrangig sein. Darin sind sich die beiden Partner des neuen, ganz speziellen Rot-Grünen Bündnisses unter einem Dach einig.

Genug Übung hat das Team Koutecky nach bald 50 gemeinsamen Jahren im Kompromisse finden jedenfalls reichlich. So hat Heinz Koutecky lange vor den ersten politischen Debatten beschlossen, dass künftig der Drahtesel sein bevorzugtes Transportmittel ins Rathaus sein wird.

Langweid: Beruflich war Heinz Koutecky in der ganzen Welt unterwegs

Wenn jeder sein eigenes Fahrzeug dabei hat, dann gibt es nach dem obligatorischen Sitzungsausklang im Sportheim schon keine Debatten über den richtigen Zeitpunkt um den Heimweg anzutreten, beseitigt der gewitzte Kommunalpolitiker Konfliktpotenzial schon im Vorfeld.

Drei Kinder haben sie im Familienheim in der Lechwerksiedlung großgezogen, über sieben Enkel freuen sie sich jeden Tag. Beruflich war Heinz Koutecky bei der Koordination von Großprojekten in der ganzen Welt unterwegs, durch die Unterstützung der Schwiegermutter musste Christine Koutecky ihren Beruf als Beamtin bei der Telekom nicht aufgeben.

Das Paar, das mit beiden Beinen im Leben steht, hat mit viel Humor, Liebe und Gottvertrauen auch im Ruhestand noch viel vor. Der Wunsch, anderen zu helfen war der Anlass zur Gründung ihres Vereins „Hilfe ConKret“. Seit neun Jahren werden Geld- und Sachspenden eingesammelt um vorwiegend in Osteuropa Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Wenn wieder einmal das Geld aufgetrieben werden muss um einen Sattelschlepper voller Möbel, Kleidung oder Krankenbetten zu Not leidenden Menschen zu transportieren, dann schickt Christine Koutecky ein Stoßgebet zum Himmel und einen Spendenaufruf an ihre Mitmenschen. Bis jetzt hat beides zusammen immer geholfen.

Kinder und Jugendliche aus Tschernobyl kommen jedes zweite Jahr nach Langweid

Seit dem Atomunglück in Tschernobyl kommen Kinder und Jugendliche jedes zweite Jahr nach Langweid um eine Atempause vom anstrengenden Leben zu Hause zu genießen. Ein finanzieller und organisatorischer Kraftakt, den die beiden gemeinsam stemmen. Als von einem Tag auf den anderen Migranten nach Langweid kamen, die sich nur in französischer Sprache verständigen konnten, war Heinz Koutecky als Übersetzer und Helfer bei Behördengängen zur Stelle. Und das, obwohl er sich nach 30 Jahren an der Spitze des großen Langweider Sportvereins langsam eine Pause im ständigen Einsatz für andere gönnen wollte. Unterstützen, zupacken wenn es irgendwo klemmt, das ist für beide selbstverständlich.

Langweid: Ihr Lachen verrät immer, wo sich Koutecky aufhält

Auf die Arbeit im Gemeinderat ist Christine Koutecky schon sehr gespannt. Gemeinsam mit „ihrem“ Heinz, auf dessen Erfahrung in der Gemeindepolitik sie große Stücke hält, will sie genau zuhören, wo den Langweidern der Schuh drückt. Bei Veranstaltungen, beim Treff in der Kirche, auf der Straße oder auch im buch7- Kulturbahnhof, in der sie einmal in der Woche ehrenamtlich hinter der Kaffeetheke steht, hofft sie auf viele Begegnungen und Gespräche.

Wer sie sucht, aber nicht gleich findet, der sollte einfach nur kurz die Ohren spitzen. Die kleine, quirlige Neu-Gemeinderätin ist vielleicht in einer Menschenmenge nicht gleich zu sehen, doch ihr herzliches Lachen verrät ihren Standort immer.

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