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Gersthofen

31.03.2020

Speditionen müssen in der Corona-Krise Vollgas geben

Container-Stapel im Güterverkehrszentrum: In einigen Bereichen haben die Speditionen alle Hände voll zu tun und müssen Gas geben.
Bild: Marcus Merk

Plus Gersthofer Unternehmen liefern viele Güter, die jetzt dringend gefragt sind. Das ist wegen der Corona-Krise schwierig.

Sie sorgen dafür, dass die Waren in den Supermarkt kommen, liefern das was unsere Wirtschaft am Laufen hält: Speditionen. Doch auch an ihnen geht die Coronakrise nicht spurlos vorbei, wie zwei Fallbeispiele aus Gersthofen zeigen.

„Wir sind fast unter Volllast unterwegs, sagt Gianluca Crestani, einer der Geschäftsführer der Roman Mayer Logistik Group in Gersthofen. Das Unternehmen hat eine Flotte von rund 400 Fahrzeugen und etwa 550 Fahrer. Derzeit gebe es eine überproportionale Nachfrage im klassischen Supermarkt- sowie im medizinischen Bereich. „Dafür sinkt die Nachfrage rapide im klassischen Maschinenbau, bei der Autozulieferung sowie bei Industriegütern“, so Crestani weiter. Teilweise sei hier die Nachfrage auch komplett zusammengebrochen.

Augsburger Land: Hamsterkäufe machen sich bemerkbar

„In unserem Bereich haben wir allerdings einen Anteil von circa 80 Prozent an Konsumgütern und Pharmabereich, das kommt unserer Unternehmensgruppe derzeit noch zugute. Crestani geht davon aus, dass sich die Nachfrage im Handel abkühlen wird, wenn nach den Hamsterkäufen wieder die Normalität einkehrt.

Schwierigkeiten bereiten die Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus nicht zuletzt auch beim internationalen Lieferverkehr. „Hier ändern sich die Richtlinien, nach welchen unsere Fahrer die Grenzen übertreten dürfen, teilweise täglich oder gar mehrmals am Tag.“ Da reiche es oft, wenn auf einem Dokument ein Häkchen fehle, dass der Fahrer nicht über die Grenze dürfe. „So gab’s zum Beispiel den Megastau an der polnischen Grenze“, so Crestani weiter. „Die Bürokratie in Süd- und Osteuropa ist wesentlich ausgeprägter als bei uns.“

Die Coronakrise wirkt sich auf die Wirtschaft im Augsburger Land aus.
Bild: Benedikt Siegert,dpa (Symbol)

Vom Auftragsvolumen unverändert stark ist die Andreas Schmid AG mit Stammsitz in Gersthofen laut Vorstand Alessandro Cacciola. „Denn Teile des wegbrechenden stationären Handels werden über das Online-Geschäft mehr als kompensiert.“ Bei Lebensmittel- und Drogeriemärkten sei derzeit das Auftragsvolumen um rund 50 Prozent aufgestockt worden. Weil das Unternehmen sehr breit aufgestellt sei, sei es noch verhältnismäßig wenig betroffen. Für das Unternehmen sind bis zu 200 Fahrzeuge unterwegs, gesteuert von insgesamt etwa 300 Fahrern.

Zudem sei der Bereich der Lagerung sehr stark ausgelastet. „Es gibt viele Firmen, die weiter produzieren, aber derzeit nicht mehr exportieren können. Da helfen wir mit Lagerkapazitäten aus“, sagt Cacciola. Die Importe seien allerdings zurückgegangen. „Zudem sind wir sehr stark in der Sparte Sondergut aufgestellt – hier fallen viele Nachtfahrten an.“

Corona-Krise: In Italien ist Diesel knapp

In den letzten Wochen müssen den beiden Geschäftsführern zufolge die Fahrer auch immer größere Schwierigkeiten meistern: „Italien hat jetzt alle Tankstellen an Autobahnen zugemacht, man kommt daher nur noch schlecht an Diesel ran“, so Cacciola.

Beide Speditionen haben einen relativ geringen Anteil an Fahrern aus osteuropäischen Ländern. „Wir haben es ihnen offengelassen, ob sie zurück in die Heimat wollen“, sagt Crestani. „Wer hierbleiben will, den unterstützen wir bei den Übernachtungsmöglichkeiten.“ So hält man es laut Cacciola auch bei Andreas Schmid.

Hier wurde bei Zustellungen großenteils um die Fahrer zu schützen auf kontaktlose Übergabe umgestellt: „Der Kunde unterschreibt auf dem Packstück, diese Unterschrift wird dann vom Fahrer fotografiert“, erklärt Cacciola. Wenn wiederum in Büros Papier erforderlich ist, werde dies in Plastikwannen transportiert und dann gescannt, weil Plastikwannen sich leichter desinfizieren lassen.

Im handwerklichen Bereich des Unternehmens wurden Schichten eingeführt, die sich nicht begegnen sollen. Bei der Roman Mayer Group werden derzeit die Büros zweimal am Tag desinfiziert – auch während des Gesprächs mit Gianluca Crestani war das der Fall. Dieser macht deutlich: Ich habe – wie wir alle – den allergrößten Respekt vor Ärzten, Pflegepersonal und Mitarbeitern der Handelsunternehmen.“

Trotzdem sollte man den gleichen Respekt den vielen Lastwagenfahrern, sowie den Mitarbeitern der Logistikzentren zukommen lassen. „Und damit meine ich ganz bewusst nicht nur diejenigen, die bei uns in der Roman Mayer Gruppe beschäftigt sind, sondern alle Kolleginnen und Kollegen der Branche! Was hier geleistet wird, ist sensationell.“

Fahrer können nicht mehr auf Toiletten

Speziell unter diesem Aspekt sei die Tatsache, dass Menschen in ihren Fahrzeugen zum Beispiel ohne Vorankündigung bis zu 17 Stunden an einem Grenzübergang stehen müssen beziehungsweise an Raststätten halten, deren Sanitäranlagen nicht benutzt werden können, durchaus als menschenunwürdig zu bezeichnen, betont Gianluca Crestani. Und Alessandro Cacciola fügt hinzu: „Unsere Branche ist systemrelevant, wir sind ein Indikator, der direkt an der Wirtschaft hängt.“ Wenn es dieser schlecht gehe, merke es die Logistikbranche am schnellsten. „Ich danke daher allen, die jetzt die Fahne der Wirtschaft hochhalten.“

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