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Gersthofen

26.04.2020

Sport in Corona-Zeiten: Aufschlag und Abschlag – aber mit Abstand

Günter Maurer, Vorsitzender des TC Rot-Weiß Gersthofen, hofft, dass auf den 13 bestens präparierten Plätzen bald wieder Aufschläge möglich sind – selbstverständlich mit dem nötigen Abstand.
Bild: Oliver Reiser

Plus Bestimmte Sportarten könnten während der Beschränkungen ausgeübt werden. Wie sich Tennisvereine und Golfklubs vorbereiten und auf welchen Termin sie hoffen.

Während die Amateurfußballer noch bis mindestens 31. August pausieren müssen, haben andere Sportarten schon wieder den Betrieb aufgenommen. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Rheinland-Pfalz sind zum Beispiel die ersten Tennis- und Golfplätze wieder geöffnet. Auch für Bayern prüft Innenminister Joachim Herrmann gerade, ob Sportarten, bei denen der Sicherheitsabstand gewahrt werden könnte, wieder betrieben werden dürfen. Darauf hoffen vor allem Tennisspieler und Golfer.

„Wir sind fix und fertig!“ Diese Aussage von Günter Maurer ist durchaus auch doppeldeutig zu verstehen. Denn schon seit Tagen sind die 13 Plätze auf der idyllisch in den Lechauen gelegenen Tennisanlage des TC Rot-Weiß Gersthofen bestens präpariert. Das frühsommerliche Wetter, bei dem die Vögel munter von den Bäumen zwitschern, lädt förmlich dazu ein, die gelben Bälle über das Netz zu dreschen. Aber die Anlage ist nach wie vor gesperrt, die Netze sind nicht gespannt und hängen schlaff herab. Seit das Coronavirus aufgeschlagen ist, konnte noch kein Aufschlag erfolgen.

Dabei hat der Verein erst kürzlich viel Geld investiert

So musste am gestrigen Sonntag auch der Tag der offenen Tür ausfallen. „Wir hatten schon die Musik bestellt, haben uns alle so darauf gefreut, gemeinsam ein Paar Weißwürste zu essen, ein Bier zu trinken und uns zu unterhalten“, sagt Maurer, der Vorsitzende des 450 Mitglieder zählenden Vereins, und zuckt mit den Schultern.

Zum 50-jährigen Jubiläum im vergangenen Jahr hat man Geld investiert, das Flutlicht erneuert, einen neuen Pavillon installiert und das Vereinsheim auf Vordermann gebracht. Jetzt musste man die drei hauptamtlichen Trainer in Kurzarbeit schicken. Trotzdem haben Milan Krivohlavek, Charly Klier und Miklos Rajda mitgeholfen, die Plätze instand zu setzen, weil man ja keine Arbeitsdienste bilden durfte.

„Wir halten auch in schweren Zeiten zusammen“, konstatiert Günter Maurer – obwohl Einnahmen aus Tennisakademie oder der Gaststätte fehlen. Mit dem Wirt sei man übereingekommen, die Pacht einzufrieren. „Fast 10000 Euro fehlen im Monat“, so Maurer und hofft, dass vielleicht ab 4. Mai wieder gespielt werden kann. „Da es beim Tennis keinen Körperkontakt gibt, müsste es doch eigentlich möglich sein.“ Der 8. Juni steht als Termin für den Beginn der Punktspiele, in denen für den TC Rot-Weiß Gersthofen 25 Mannschaften von der Landesliga bis zu den Bambini ins Rennen gehen, ebenfalls noch immer im Raum. Eine Kontaminierung über den Ball hält Maurer für ausgeschlossen: „Wir spielen doch viel zu schnell. Da fliegen alle Viren weg.“

Die Mitglieder warten auf die Öffnung der Golfschule

Seit 17. März warten über 700 Mitglieder beim Golfclub Leitershofen, dass die Plätze sowie die von Head-Pro Gavin Crocket gepachtete Driving Range und Golfschule wieder geöffnet werden. Nach dem Ausruf des Katastrophenfalls wurden die Sekretärinnen in Kurzarbeit geschickt, die Gaststätte geschlossen, die Mieten gestundet. „Es gibt Signale, dass dieses Thema auf der Konferenz der Ministerpräsidenten am 30. April behandelt wird“, sagt Udo Kresta. Er ist seit sechs Jahren Präsident und deshalb natürlich sehr daran interessiert, dass man ab 4. oder 11. Mai unter Auflagen wieder öffnen darf. Zumal beim Golf ja meist ein Zweier-Flight gespielt wird, bei dem zwei Personen, die nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben, zusammen spielen könnten. „Viele haben schon Entzugserscheinungen“, weiß Kresta.

Nicht zuletzt, weil die weitläufige Anlage erst im vergangenen Jahr von Architekt Thomas Himmel re-designed und mit einem 1500 Quadratmeter großen Teich versehen wurde. „Sie würden Einschränkungen durchaus in Kauf nehmen“, ist sich Udo Kresta sicher. „Golf spielen dient ja auch der Entspannung. Für viele Mitglieder ist der Golfklub zudem als ’zweite Heimat’ auch eine wichtige soziale Komponente.“ Dabei habe man in Leitershofen eine „vernünftige Lockerung“ im Auge. Für die Spielerinnen und Spieler wird es sogenannte „Online-Tees“ (Abschlagzeiten) geben, dass sich nicht zu viele Leute auf einmal auf der Anlage tummeln. Auf das gemütliche Beisammensein in der Vereinsgaststätte Da Carlo, die derzeit nur Essen to go anbietet, wird man allerdings noch eine Weile verzichten müssen.

Das Angolfen muss verschoben werden. Aber auf wann?

Auch für die Golfanlage Weiherhof bei Gessertshausen musste das für den 19. April geplante traditionelle „Angolfen“ verschoben werden. „Den Saisonstart 2020 haben wir uns natürlich anders vorgestellt – zumal das Wetter aktuell zur sportlichen Bewegung an der frischen Luft ja förmlich einlädt“, sagt Dr. Dan-Liviu Tite, der die Golfanlage, die nur rund zwei Kilometer südlich des Klosters Oberschönenfeld liegt, seit 1991 betreibt.

Dr. Dan-Liviu Tite, Betreiber der Golfanlage Weiherhof bei Gessertshausen, wartet auf den ersten Abschlag mit Abstand.
Bild: Oliver Reiser

Für die Saison 2020 hatte er extra einen weiteren Greenkeeper eingestellt, damit der Platz bereits im Frühjahr in einem guten Zustand ist. So ganz ohne Spieler kann das Gras in Ruhe wachsen, neue Wege und Blumenbeete wurden angelegt oder die Abschläge begradigt. „Der Platz ist in einem super Zustand. Jetzt fehlen nur noch die Spielerinnen und Spieler“, so Tite. Der neue Termin für den Start in die Saison ist jetzt der Sonntag nach Platzeröffnung – wann auch immer das genau sein wird.

„Sind unsere Politiker unsportlich?“, fragt Klaus Probst, der Sportwart des TSV Steppach, auf dessen vier Plätzen 115 Mitglieder spielen, provozierend. „Alle verantwortungsbewussten Bürger haben seit Wochen erkannt, welches Infektionsrisiko mit näheren sozialen Kontakt verbunden ist und halten sich an Verhaltensregeln wie Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverbote, kein Schulunterricht und das Verbot, Sport im Verein oder auf öffentlichen Anlagen zu betreiben.“ Doch da beginnt für ihn die Ungerechtigkeit.

Der Mindestabstand ist in diesem Sport kein Problem

Während es bei Kontaktsportarten unvermeidlich sei, den Kontrahenten zu berühren, könnten die Rahmenbedingungen in den kontaktlosen Sportarten so organisiert werden, dass sich niemals mehr als zwei Sportler im Mindestabstand von zwei Metern näherkommen. „Die eine Hälfte darf nicht, weil der Körperkontakt unabwendbar ist, die andere Hälfte darf nicht aus paritätischen Gründen. Ist das das Prinzip der Solidargemeinschaften?“, so Probst. „Nein, hier fehlt es an der Differenzierung“, fordert er mehr Mut und Vertrauen in die Ehrenamtlichen.

„Unsere Mitglieder scharren mit den Hufen“, blickt Klaus Weiberg, der 2. Abteilungsleiter der Tennis-Abteilung des TSV Königsbrunn, neidisch in andere Bundesländer, wo bereits dem gelben Filzball hinterhergejagt werden darf. „Wir hätten heuer 14 Mannschaften, vier mehr als im letzten Jahr“, berichtet er von einem Aufschwung, der von der Corona-Krise unsanft eingebremst wurde. Zuletzt musste sich der hauptamtliche Trainer Ludmil Mihaylov mit Online-Coaching begnügen. Der Bulgare arbeitet seit 15 Jahren für den TSV. „Wir unterstützen ihn, so gut wir können“, erklärt Weiberg, dass man gerade überlege, wie man künftig ein Training mit ein oder zwei Sportlern auf der Anlage mit sieben Plätzen am besten gestalten kann. Auch er hofft, dass die Punktrunde am 8. Juni beginnen kann. Dass ein gemeinsames Essen, wie es nach Tennisspielen üblich ist, im selber bewirtschafteten Klubheim, das während der Corona-Krise renoviert wurde, stattfinden kann, kann sich Weiberg allerdings nicht vorstellen.

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