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Gersthofen

09.09.2019

Statt Abkochen: Gersthofer Wirt nimmt Wasser aus Neusäß

Jürgen Bouska wohnt in Neusäß. Der Wirt des Gersthofer Wirtshauses am Sportplatz füllt daher das Wasser, welches er zum Waschen von Salat und Obst in seiner Küche benötigt, zuhause in große Kanister ab und bringt es mit nach Gersthofen.
Bild: Marcus Merk

Das Abkochgebot für das Gersthofer Leitungswasser stellt auch die Gastronomie in Gersthofen vor Herausforderungen. Manche haben überraschende Lösungen.

Leitungswasser Abkochen ist sein dem 21. August im gesamten Versorgungsgebiet der Stadt Gersthofen mit seinen Ortsteilen und dem Gablinger Ortsteil Holzhausen das Gebot der Stunde. Während dies für die Menschen in Privathaushalten ein lästiger Aufwand ist, stellt es die Gastronomie vor große Herausforderungen.

Jürgen Bouska, Chef im Wirtshaus am Sportplatz, behilft sich beispielsweise anderweitig: „Ich habe den Vorteil, dass ich in Neusäß wohne. Dort ist das Wasser in Ordnung.“ Deswegen füllt er das Wasser, das er zum Waschen von Salat, Obst und Co braucht, zuhause in große Kanister ab. „Bei gekochten Speisen gibt’s ja keine Probleme und auch die Spülmaschine und das Spülmitttel töten eventuelle Keime ab“, so Bouska.

Wasseraufbereitungsanlagen sind stillgelegt

Seine beiden Wasseraufbereitungsanlagen, mit denen er sonst Tafelwasser zubereitet, musste er bis auf Weiteres stilllegen. „Wir schenken stattdessen nur noch gekauftes, in Flaschen abgefülltes Wasser aus und stellen die Flaschen auch auf den Tisch, damit dies jeder Gast sehen kann“, betont Bouska. Wenn er auf lange Sicht Wasser kaufen müsste, „müsste ich die Preise allerdings deutlich erhöhen“, sagt er. In seinem Wirtshaus werden nach eigenen Angaben täglich jeweils zwischen 50 und 100 Essen serviert.

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Die Stadt habe eine große Aufgabe: „Bei 130 Kilometern Leitungsnetz gleicht die Jagd nach der Ursache der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, so der Wirt weiter.

Ein bis zwei Stunden früher beginnen

Einen „deutlichen Mehraufwand“ hat das Team des Gasthofs Stern. „Wir müssen jetzt ein bis zwei Stunden früher mit den Vorbereitungen in der Küche beginnen“, sagt Juniorchef Michael Seitz. Dabei greife man jetzt schon auf Eissalat zurück, „weil dieser keinen solch großen Aufwand beim Waschen erfordert“. Salat und Obst wäscht das Küchenteam – es besteht aus ihm, seinem Vater Josef Seitz und jeweils vormittags und abends einer Hilfe – mit abgekochtem Wasser beziehungsweise stillem Mineralwasser.

„Sollte es zur Chlorung des Wassers kommen, wissen wir noch nicht, wie es dann weitergeht“, so Michael Seitz. „Es war klar, dass es irgendwann einmal Probleme bei der Wasserversorgung geben wird, so alt wie das Gersthofer Leitungsnetz mittlerweile ist.“ Weil die Gaststätte die Ferien über geschlossen hatte, geht der Betrieb jetzt erst wieder los – und dies nur an drei Abenden in der Woche sowie Sonntagvormittag und -mittag. „Abends haben wir regelmäßig 30 bis 50 Essen.“ Das Abkochgebot sei aber „kein Weltuntergang“.

Betriebsrestaurant hat einen eigenen Tiefbrunnen

Leichter hat es wohl die größte Küche in Gersthofen im Industriepark. Hier werden laut Standortsprecherin Ingrid Knöpfle täglich circa 1300 Essen zubereitet. „Unser Betriebsrestaurant hat einen eigenen Tiefbrunnen, der ständig kontrolliert wird.“ Als das Abkochgebot vor knapp drei Wochen in Kraft trat, kaufte die Küche das benötigte Obst und Gemüse nur bereits fertig gewaschen. „Seit der Brunnen wieder komplett freigegeben ist, ist das nicht mehr nötig, es wird wieder alles selbst gewaschen“, so Knöpfle weiter. „Es sind daher keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen erforderlich.“ Die Küche des Betriebsrestaurants mit ihren 22 Mitarbeitern versorgt auch mehrere Gersthofer Schulen, die International School und verschiedene Seniorenheime. „Und der Paritätische Wohlfahrtsverband bezieht von uns sein Essen auf Rädern.“

Außerhalb des Betriebsrestaurants gilt Knöpfle zufolge aber in allen Unternehmen das Abkochgebot, weil diese aus dem Gersthofer Netz versorgt werden. „Die Getränke- und Kaffeeautomaten sind daher vom Netz“, erklärt Ingrid Knöpfle.

Wie die Sprecherin sagt, hat das im Industriepark bestehende eigene Wasserlabor die Stadt Gersthofen in der ersten Zeit des Abkochgebots unterstützt: „Unsere Leute haben die erforderlichen täglichen Wasserproben an den Einspeisestellen rund um das Werk selbst gezogen.“ Analysiert worden seien sie aber von dem von der Stadt beauftragten Fachlabor“, betont Ingrid Knöpfle.

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