Prozess in Augsburg

22.07.2011

Unten ohne im Schwimmbad

Bild: Nina Schleifer

Ein 55-Jähriger entblößt sich im Neusässer Titania vor zwölfjährigen Mädchen. Nun stand er vor Gericht.

Landkreis Augsburg Vor drei Mädchen ließ er in der Neusässer Therme Titania die Badehose herunter, um im Sprudelbecken exhibitionistische Handlungen durchzuführen. Das Amtsgericht Augsburg verurteilte den 55-Jährigen aus einem kleinen Ort im Landkreis Dillingen nun zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe.

Gleich mit zwei Verteidigern war der 55-Jährige vor Gericht erschienen. Einen der beiden ließ er ein Geständnis verlesen. „Er räumt die Tat ein, mit dem Ausdruck des Bedauerns“, erklärte Rechtsanwalt Moritz Bode. Bereits vor der Verhandlung hatten sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Richter Bernhard Kugler zu einer Absprache zurückgezogen. Sie einigten sich darauf, dass der Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe davonkommen sollte, wenn er ein Geständnis ablege. Grund dafür: Die unfreiwilligen Beobachterinnen seiner Handlungen waren zur Tatzeit erst zwölf Jahre alt. Daher war der 55-Jährige auch nicht wegen Exhibitionismus angeklagt, sondern wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Zwei Vorstrafen wegen exhibitionistischer Handlungen

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Nachdem ihm zu verstehen gegeben wurde, dass er ohne ein Geständnis fest mit einer Haftstrafe zu rechnen habe, willigte der Angeklagte in den Deal ein. Dadurch blieb es den Mädchen erspart, vor Gericht auszusagen. Zwei Verurteilungen wegen Exhibitionismus finden sich im Vorstrafenregister des 55-Jährigen, der in einer festen Beziehung lebt. In den Jahren 1994 und 2002 entblößte sich der Mann in der Öffentlichkeit. Beide Male in Schwimmbädern, beide Male waren Kinder in der Nähe.

Vor Gericht bescheinigte Gutachter Pantelis Adorf dem Angeklagten exhibitionistische und voyeuristische Neigungen. Auch eine Pädophilie sei nicht auszuschließen. Psychisch krank sei der Mann, der selbst keine Kinder hat, jedoch nicht. Auch in seinem Lebenslauf ließen sich ansonsten keine Auffälligkeiten ausmachen. Seine persönlichen und sozialen Verhältnisse seien stabil. Eine günstige Sozialprognose wollte der Gutachter jedoch nicht stellen. „Die Chancen stehen 50:50. Denn eine Therapie bedeutet nicht, dass man nicht rückfällig werden kann.“ Sowohl Staatsanwältin Regina Grandl als auch die beiden Verteidiger Moritz Bode und Reinhard Scheu forderten in ihren Plädoyers eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Strafmildernd werteten sie Geständnis und Therapiebereitschaft des Angeklagten.

Gericht verbietet Kontakt zu Kindern

Aufgrund der Vorstrafen sollte die Bewährungszeit vier Jahre nicht unterschreiten, betonte Regina Grandl. Zudem sprach sie sich dafür aus, dem Angeklagten während dieser Zeit den Kontakt zu Kindern und den Besuch von Badeorten zu verbieten. Nebenklagevertreter Rüdiger Prestel stellte keinen konkreten Antrag, betonte aber die Notwendigkeit strenger Auflagen. Dagegen sprach sich Reinhard Scheu aus. „Ich kenne den Angeklagten seit 1994“, erklärte der Anwalt. Oft seien sie gemeinsam mit dem Segelboot unterwegs gewesen. Von seinen Neigungen wusste er nichts. Als der Angeklagte damals vor Gericht stand, habe er ihm nichts gesagt. Jetzt habe er sich an ihn gewendet. Dies wertete Scheu als Zeichen dafür, dass der 55-Jährige sich ändern wolle.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren auf Bewährung. Eine bereits begonnene Therapie muss der 55-Jährige weiterführen. Während der Bewährungszeit von vier Jahren muss er sich nun von Badeplätzen fernhalten und darf keinen Kontakt zu fremden Kindern aufnehmen.

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