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Gersthofen

18.02.2020

Urteil im Prozess um Messerstecherei in Gersthofer Sound-Factory

Die Discothek Sound Factory im Gersthofer Hery-Park.
Bild: Gerald Lindner (Archiv)

Plus Ein 19-Jähriger steht vor Gericht, weil er in der Gersthofer Sound-Factory auf einen Bekannten einsticht. Es ist nicht die erste Gewalttat in dem Klub.

Ein heute 20-Jähriger aus Augsburg stach vor einem Jahr in der Gersthofer Diskothek Soundfactory mit einem Taschenmesser auf einen Bekannten ein. Noch lange nach der Tat litt das Opfer der Messerattacke unter den Folgen des Stichs. Nun wurde die Tat vor dem Augsburger Jugendschöffengericht verhandelt. Der Angeklagte gab sich vor Gericht ziemlich kleinlaut.

Die Tat ereignete sich an einem Samstagabend im Januar vergangenen Jahres. Es floss Alkohol. Die Gruppe mietete sich einen abgetrennten Bereich im Klub. So weit, so normal. Doch die Stimmung kippte. Gegen 2.30 Uhr zückte der Angeklagte ein kleines blaues Taschenmesser, das an seinem Schlüsselbund befestigt war. Im Streit mit seinem heute 24-jährigen Bekannten stach er zu. Ein Stich in den oberen Bauch. Im Krankenhaus wurde später festgestellt, dass die Wunde etwa 2,5 Zentimeter lang und rund einen Zentimeter tief war. „Nicht akut lebensbedrohlich“, heißt es in einem Gutachten. Wäre der Stich allerdings nur ein kleines Stückchen tiefer gewesen, hätten lebenswichtige Organe verletzt werden können. Folgen, die dem Opfer erst nach der Tat bewusst wurden: „Im ersten Moment dachte ich, jemand hat sein Getränk auf mich geschüttet“. Die Flüssigkeit auf seiner Kleidung war allerdings kein Cocktail – sondern Blut. Das Opfer musste operiert werden. Zehn Monate lang schmerzte die Wunde, erklärte der 24-Jährige vor Gericht.

Was war der Auslöser für die Messerstecherei in Gersthofen?

Ein nachvollziehbares Motiv lieferte der einschlägig vorbestrafte Angeklagte vor Gericht nicht. Seit längerer Zeit habe es Streit wegen eines Mädchens gegeben. Außerdem soll sich das Opfer an den Getränken seiner Freunde bedient haben. Die beiden jungen Männer gerieten in Streit. Als der 24-jährige Bruder des Angeklagten schlichten wollte, sei er vom späteren Opfer geschubst worden. Daraufhin soll der 20-Jährige zugestochen haben.

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Die Tat ereignete sich zu einer Zeit, als die Gersthofer Diskothek massiv ins Gerede gekommen war. Schon im Januar 2019 musste die Polizei achtmal zum Hery-Park ausrücken, Brennpunkt war der Parkplatz vor der Disco. Von der „problematischsten Diskothek im Landkreis Augsburg,“ spracht die Polizei damals.Ihr Betreiber stand massiv unter Druck und wehrte sich.

Insgesamt sei es allerdings „ruhiger“ geworden, sagt Thomas Klingler, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Gersthofen zur aktuellen Lage. Der „Brennpunkt Sound-Factory“ beschäftigt ihn schon seit Jahren. Bereits 2017 gab es einen Runden Tisch mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Polizei und dem Betreiber. Es wurden Maßnahmen getroffen. Die Türsteher sollen besser kontrollieren und enger mit der Polizei zusammenarbeiten. Mittlerweile herrscht Alkoholverbot auf dem Parkplatz vor der Disco. Zuletzt wurde auch über eine frühere Sperrzeit diskutiert. Völlig verhindern lassen sich Gewalttaten aber nie, wenn viele Menschen beim Feiern zusammentreffen. Das zeigt auch der aktuelle Fall.

Täter zeigt vor Gericht Reue und entschuldigt sich

Für seine Tat entschuldigte sich der Angeklagte beim Opfer im Gerichtssaal. Er räumte alle Vorwürfe ein und zeigte Reue. Aus Sicht der Staatsanwältin Hannah Witzigmann allerdings zu spät und nur aus Angst vor einer mehrjährigen Haftstrafe. Auch für die Tat konnte Witzigmann überhaupt kein Verständnis aufbringen. Wegen einer „absoluten Nichtigkeit“, habe der junge Mann zugestochen. Dass nicht mehr passiert ist, sei Zufall. Der Angeklagte habe „russisch Roulette gespielt“. Aus ihrer Sicht war es daher ausgeschlossen, dass der junge Mann mit einer Bewährungsstrafe davonkomme. Die Staatsanwältin verglich die Tat auch mit dem tragischen Todesfall am Augsburger Königsplatz kurz vor Weihnachten. Witzigmann: „In diesem Fall sitzen Beschuldigte wegen weitaus weniger in U-Haft“. Der Angeklagte hingegen wurde vorzeitig aus der Untersuchungshaft entlassen.

Anders sah das der Verteidiger des Angeklagten, Hansjörg Schmid. Sein Mandant bereue die Tat zutiefst und müsse nicht ins Gefängnis, um zu verstehen, was er angerichtet hat. Ein Bild, das auch ein Jugendgerichtshelfer in seinem Gutachten bestätigte. Der junge Mann habe vor Kurzem einen festen Job begonnen, eine Freundin gefunden. Nun sei er auf dem rechten Weg.

Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung

Letztendlich folgte die Vorsitzende Richterin der Argumentation des Verteidigers. Auch deshalb stand am Ende lediglich eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Außerdem muss der junge Mann einen sogenannten Warnschussarrest, einen kurzen Gefängnisaufenthalt von maximal vier Wochen, absitzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zivilrechtlich einigten sich die Anwälte auf einen Vergleich. Der Täter muss seinem Opfer 6000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

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