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Solarstrom

11.07.2019

Wie eine Neusässer Firma die Energieversorgung revolutionieren will

An der A8 gibt es bereits jetzt viele PV-Anlagen. Eine Firma aus der Region erforscht, wie der Solarstrom besser genutzt werden kann - mithilfe von Künstlicher Intelligenz.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Plus Das Unternehmen Steinbacher entwickelt ein millionenschweres Programm. Damit soll Solarstrom besser gesteuert werden - mithilfe von KI.

Noch ist von dem Riesenprojekt an der A8 bei Zusmarshausen nicht viel zu sehen. Die Bagger auf der Baustelle arbeiteten bisher nur im Untergrund. Bald sollen dort reihenweise Elektroautos geladen werden. Mehr noch: Der Automobilzulieferer Sortimo plant auf dem Gelände die Stromversorgung für die Fabrik der Zukunft. Dabei geht es auch um die Frage: Wie kann Solarstrom effektiv genutzt werden? Denn noch geht Jahr für Jahr eine Menge Solarenergie verloren, weil sie nicht gespeichert werden kann. Die Antwort könnte eine intelligente Steuerung sein, die das Neusässer Unternehmen Steinbacher-Consult gemeinsam mit Sortimo und mehreren Fraunhofer-Instituten entwickelt.

Künstliche Intelligenz soll bei der Nutzung von Solarenergie helfen

Denn Strom ist die Ressource der Zukunft. Da sind sich die Wissenschaftler und Ingenieure sicher. Nur: Woher kommt er? Und wie kann der Verbrauch optimiert werden? Auf diese Fragen will das Forscherteam eine Antwort finden. Die Teams arbeiten derzeit an einem System, das mithilfe von künstlicher Intelligenz erneuerbaren Strom dann zur Verfügung stellt, wenn er gebraucht wird. Mit 1,5 Millionen Euro bezuschusst Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger das über drei Millionen Euro teure Projekt. Getestet werden soll das Programm zunächst beim Zusmarshauser Autozulieferer Sortimo. Später sollen Unternehmen überall davon profitieren.

Zu dem Projekt zählt auch die riesige Stromtankstelle an der A8. Bis zu 4000 Elektroautos am Tag sollen dort geladen werden. Damit könnte das Projekt die größte Stromtankstelle der Welt werden. Im September soll mit dem Bau des Zentralgebäudes begonnen werden. Die geplanten Andockpositionen für Elektroautos werden nach Bedarf in Betrieb genommen. Der Innovationspark ist in den Augen der Forscher und Ingenieure aber sehr viel mehr als eine Stromtankstelle.

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Mit Strom aus Sonnenenergie sollen nicht nur Autos, sondern auch die Produktion bei Sortimo versorgt werden. Langfristig soll das komplette Unternehmen mit Solarstrom aus der Region betrieben werden können. Sektorenkopplung nennt man das, erklären die Forscher von Fraunhofer. Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz soll der Strom für Mobilität und Produktion gesteuert werden. Damit der Verbrauch auch dann hoch ist, wenn die Sonne scheint. Denn noch kann Solarstrom nicht ausreichend und wirtschaftlich genug gespeichert werden. Jahr für Jahr geht deshalb bundesweit Strom im Wert von rund 600 Millionen Euro verloren.

Von Wirtschaftsminister Aiwanger gibt es eine Millionförderung

Nach Abschluss des Forschungsprojekts werden die Ergebnisse und das System auch anderen Unternehmen zugänglich gemacht. Die Geldgeber versprechen sich dadurch auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, um Treibhausgase zu vermeiden.

Besonders in Bayern gilt die intelligente Versorgung der Industrie mit Solarstrom als wichtig. Denn anders als in Norddeutschland setzte man hierzulande überwiegend auf Photovoltaikanlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien. Deren Nachteil: Die Stromerzeugung unterliegt hohen Schwankungen. Um das auszugleichen, wären riesige Stromtrassen durch Deutschland denkbar, doch diese sind politisch höchst umstritten. Deshalb setzen Steinbacher-Consult und die Wissenschaftler von Fraunhofer im Rahmen des Sortimo Innovationsparks auf die intelligente Steuerung.

Den Millionenzuschuss für deren Entwicklung überreicht Wirtschaftsminister Aiwanger am Donnerstag in Zusmarshausen. Das Projekt soll bereits in drei Jahren abgeschlossen sein. Die ersten Elektroautos im Zusmarshauser Innovationspark sollen schon im kommenden Jahr an der Stromsäule geladen werden. Bis dahin ist aber noch viel zu tun.

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